Kostendruck: Krankenkassen wollen Beiträge deutlich erhöhen

Der Spitzenverband der deutschen Krankenkassen hat für die kommenden Jahre eine umfangreiche Beitragserhöhung angekündigt. Die Ausgaben der Kassen stiegen stärker als die Einnahmen und neue Reformen der Bundesregierung erhöhen den Kostendruck noch.

Gesetzlich Versicherte müssen sich ab dem nächsten Jahr auf deutlich höhere Krankenkassenbeiträge einstellen. Bis zum Jahr 2019 werden die Zusatzbeiträge auf 1,4 bis 1,8 Prozent des Bruttolohns steigen, sagte die Chefin des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), Doris Pfeiffer. Zurzeit zahlen die meisten gesetzlich Versicherten einen Zusatzbeitrag von 0,8 bis 0,9 Prozent. Allein 2016 werde der Aufschlag im Schnitt bei 1,1 bis 1,2 Prozent liegen, im Wahljahr 2017 dann nochmals leicht darüber.

Ein Grund sei, dass die Ausgaben der Krankenkassen für Arzneimittel, Ärzte und Kliniken stärker stiegen als die Einnahmen, sagte Pfeiffer. Darüber hinaus verursachten die von der Regierung geplanten Reformen zusätzliche Belastungen: der Umbau der ambulanten Versorgung, die Krankenhausreform, das Telematikgesetz sowie die Regelungen zur Stärkung der Prävention und zum Ausbau der Hospiz- und Palliativversorgung. Bis 2019 werde das die Kassen 3,4 Milliarden Euro kosten.

Der allgemeine Krankenkassenbeitrag, den sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber teilen, beträgt derzeit 14,6 Prozent. Kommen die Kassen mit ihren Zuweisungen nicht aus, müssen sie einen Zusatzbeitrag erheben. Mit Ausnahmen von zwei kleinen regionalen Kassen ist dies derzeit bei allen der Fall. Im Schnitt lag der Aufschlag im April laut GKV-Verband bei 0,83 Prozent. Die Regierung hatte ihn für 2009 auf 0,9 Prozent geschätzt.

Zwar müssten aufgrund höherer Rücklagen nicht alle Kassen im nächsten Jahr höhere Abgaben fordern, so Pfeiffer. Aber es werde sich um eine „breitere Bewegung“ handeln. Seit dem Start im Januar haben nur wenige gesetzlich Versicherte ihre Kasse verlassen, um in eine günstigere zu wechseln. 37 Prozent der Versicherten gehörten 2014 Kassen an, die weniger als 50 Prozent einer Monatsausgabe in Reserve hätten. Im Vorjahr seien es rund 22 Prozent gewesen. Die Politik forderte sie auf, jetzt endlich eine Strukturreform anzugehen.

 

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