Schweizer Bauwirtschaft muss herbe Rückschläge hinnehmen

Die Schweizer Baubranche ist stark angeschlagen. In den ersten drei Monaten des Jahres sind die Umsätze um 12 Prozent gesunken. Vor allem im Wohnungsbau kam es zu starken Einbrüchen. Der Schweizerische Baumeisterverband rechnet daher mit keiner Erholung in den kommenden Monaten.

 

Während die Schweizer Wirtschaft insgesamt seit ein paar Monaten mit der massiven Aufwertung des Franken kämpft, hat die Baubranche ganz andere Sorgen. Diese mache sich allenfalls beim „Auftragseingang im geringen Masse bemerkbar“, teilte der Schweizerische Baumeisterverband mit. Tatsächlich leidet die Baubranche eher unter rückläufigen Baubewilligungen im Wohnungsbau und unter dem Spardruck der Kantone.

Entsprechend sind die Umsätze der Baubranche im ersten Quartal 2015 um 12 Prozent zurückgegangen. Das ist ein deutliches Minus gegenüber dem Vorjahresquartal. Die Umsätze lagen nur mehr bei 3,4 Milliarden Franken. Speziell im Wohnungsbau gingen die Umsätze gar um 18,1 Prozent zurück. Der Umsatz im Tiefbau (-9.2%) war nicht ganz so stark rückläufig wie im Hochbau. Letzterer gab um 14.1 Prozent nach. Allerdings, so der Verband, dürfe nicht vergessen werden, dass das milde Wetter im Vorjahresquartal der Baubranche auch einen außerordentlich guten Start beschert hatte.

Nichtsdestotrotz rechnet der Verband auch für die kommenden Monate mit keiner Erholung. Eher werde die Bautätigkeit weiterhin rückläufig sein. „Vor allem der Wohnungsbau dürfte betroffen sein“, so die Experten. „Einen eigentlichen Einbruch erwarten wir jedoch nicht – mit Ausnahme der Tourismusgebiete, wo die Auswirkungen des Zeitwohnungsartikels empfindliche Einbussen bringen werden.“

Darüber hinaus sind aber auch die Auftragseingänge in der Baubranche mit einem Minus von 11,2 Prozent erheblich gesunken. Hier konnte der Tiefbau ein minimales Plus erreichen (+0,5 %), wohingegen die Auftragseingänge im Hochbau um 20,7 Prozent schrumpften. Sowohl im Wohnungsbau als auch im Wirtschaftsbau ist die Auftragslage derzeit sehr schlecht. Etwa 290.000 Beschäftigte arbeiten dem  Schweizerischen Baumeisterverband zufolge in der Baubranche. Fünf Prozent der Wertschöpfung des Landes werden hier erwirtschaftet.

Dass sich die schwierige Lage der Baubranche fortsetzt, zeigt auch der aktuelle Bauindex, der vom Verband und Credit Suissse zusammengestellt wird. Dieser prognostiziert den Umsatz für das laufende Quartal. Im zweiten Quartal des Jahres ist der Bauindex auf 130 Punkte gesunken. Der Trend aus dem ersten Quartal wird sich somit fortsetzen. Zuletzt wurde ein so niedriger Index Mitte 2012 gemessen. „Folglich erwarten wir für das 2. Quartal 2015 einen saisonbereinigten Umsatzrückgang im Bauhauptgewerbe von 1.3% zum Vorquartal und 9.0% gegenüber dem Vorjahresquartal“, so der Verband.

„Längerfristige Risiken für die Baukonjunktur liegen nebst der Zinswende und einer weiteren Verschärfung der Regulierung des Hypothekar und Immobilienmarkts vor allem in einer Reduktion der Zuwanderung und einer möglichen Kündigung der bilateralen Verträge mit der EU“, heißt es in dem Bericht zum Bauindex.

Im zweiten Quartal sei dem Bauindex zufolge nun auch der Tiefbau weiter unter Druck geraten. Demnach ging der Tiefbauindex um 6 Punkte beziehungsweise 3,8 Prozent gegenüber dem Vorquartal zurück. Damit liegt er nun bei 153 Punkten und erreicht den tiefsten Stand seit fünf Jahren. Immerhin sei für den stark von den Investitionen der öffentlichen Hand abhängigen Tiefbau die leichte Verbesserung der Finanzlage der Kantone im vergangenen Jahr angekommen. Dieser positive Trend in der Finanzlage der Kantone dürfte sich dem Verband zufolge dank einer doppelten Gewinnausschüttung durch die Schweizerische Nationalbank (CHF 2 Mrd.) fortsetzen.

Der Hochbauindex lag im zweiten Quartal zwar 4,3 Prozent unter dem Vorjahresquartal, stieg aber immerhin im Vergleich zu den ersten drei Monaten des Jahres um 1,2 Prozent auf 113 Punkte. „Während wir bei Letzterem auf Jahresfrist hinaus aufgrund des bereits übersättigten Marktes für Büroimmobilien kaum mehr Wachstumspotenzial sehen, rechnen wir beim Wohnungsbau mit einer leicht positiven Entwicklung des Geschäftsverlaufs.“ In den Tourismusregionen bleibe die Situation aber schwierig. Hier werde sich die rückläufige Bautätigkeit aller Voraussicht nach im Verlaufe des Jahres auf tiefem Niveau stabilisieren.

Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar zum Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.