Österreich: Mittelständler planen umfangreichen Personalabbau

Jedes dritte mittelständische Unternehmen in Österreich hat in den vergangenen drei Monaten Personal abgebaut. Das ist deutlich mehr als im Jahr zuvor. Die schlechte Wirtschaftslage wird auch in den kommenden Monaten den Mittelstand zu Personalabbau zwingen.

In den ersten drei Monaten des Jahres ist das österreichische Bruttoinlandsprodukt (BIP) lediglich um 0,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal gewachsen. Dem Institut für Wirtschaftsforschung zufolge wurde das Wachstum hauptsächlich von der Konsumnachfrage geschaffen. Die Investitionen waren rückläufig. Die schlechte Wirtschaftslage der Unternehmen spiegelte sich auch in der Zahl der Insolvenzen wider. Entgegen des weltweiten Trends, so der Kreditversicherer Euler Hermes, werden in Österreich dieses Jahr mehr Firmen pleitegehen. Die Experten erwarten eine Zunahme der Insolvenzen um drei Prozent. In Deutschland hingegen sollen die Insolvenzen zurückgehen.

Das geringe Wachstum des ersten Quartals und die Stagnation der Wirtschaftsleistung in den zwei letzten Quartalen 2014 haben zu einem Umdenken in der Personalpolitik der österreichischen Mittelständler geführt. Wie eine Umfrage der Creditreform unter 1.500 klein- und mittelständischen Unternehmen (KMU) zeigt, haben die Mittelständler in den vergangenen Monaten ihre Mitarbeiterzahl reduziert und werden noch weitere Stellen abbauen.

Während jeder dritte Betrieb im Frühjahr seine Mitarbeiterzahl reduziert hat, haben lediglich 12,1 Prozent der Unternehmen neue Mitarbeiter angestellt. Damit beläuft sich der Personalsaldo derzeit auf minus 21,6 Prozentpunkte. Im Vorjahr waren es nur minus 6,4 Prozentpunkte.

Die Personalentwicklung ist stark von der Branche abhängig gewesen. Mit 18,1 Prozent der Befragten gab es die meisten Neueinstellungen noch im Verarbeitenden Gewerbe. Im Dienstleistungsgewerbe und im Handel wurden ebenfalls vereinzelt noch Neueinstellungen vorgenommen, aber deutlich weniger als im Vorjahreszeitraum. „Insgesamt registrieren aber alle Branchen einen negativen Beschäftigungssaldo“, so Creditreform.

In der Baubranche, wo es die wenigsten Anstellungen gab, waren entsprechend die meisten Stellen abgebaut worden. 50,9 Prozent der Mittelständler in der Baubranche gaben an, in den vergangenen Monaten Personal abgebaut zu haben. Im vergangenen Jahr waren es nur 27,4 Prozent. Aber auch in den anderen Branchen kam es 2014 am Ende zu mehr Personalabbau als -aufbau. Bei den Dienstleistern strich jeder dritte Betrieb Stellen, im Verarbeitenden Gewerbe und im Handel war es jedes vierte Unternehmen.

In den kommenden Monaten ist mit einer diesbezüglichen Erholung im Mittelstand nicht zu rechnen. Immerhin 21,6 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, Personal abbauen zu wollen. Im vergangenen Jahr gaben dies nur 14,4 Prozent an. Personal aufstocken wollen hingegen nur 14,4 Prozent der Unternehmen. 88 Prozent der Mittelständler fordern von der Regierung eine Senkung der Lohnnebenkosten.

„Sinkende Umsätze und Aufträge, mangelnde Investitionsbereitschaft und ein volatiles internationales Umfeld (Griechenland-, Ukraine-Krise, Ölpreis, Eurokurs) stimmen Österreichs Unternehmen zunehmend pessimistisch und lassen sie in der Personalpolitik zurückhaltend agieren“, heißt es in den Ergebnissen der Umfrage. Zudem fehle es den Unternehmen aber auch an qualifizierten Bewerbern.

Immerhin 81 Prozent der Unternehmen sind außerdem unzufrieden mit der Standortpolitik allgemein. Neben zu viel Bürokratie sind für die KMU auch die Steuern ein Hindernis für den Standort Österreich. Erst kürzlich sprach sich die Hotel- und Tourismusbranche gegen neue Steuererhöhungen aus.

„Mehrwertsteuer von 10 % auf 13 %, die Grunderwerbsteuer auf Basis des Verkehrswerts und die längere Abschreibungsdauer: Mit dem Griff in die Kassen der Hotellerie holt sich die Regierung 200 Millionen Euro“, heißt es in einem Gutachten der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV). Dafür gehe dann die Wertschöpfung in gleicher Höhe verloren. „Die Einnahmen werden sinken, die Kosten steigen“, so Michaela Reitterer von der ÖHV. „Investitionsrückgänge werden die Wettbewerbsposition verschlechtern.“ Diese Art von Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik schade dem Standort. Die Steuererhöhungen würden demnach 3.100 Arbeitsplätze vernichten.

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