Chinas Regierung unter Druck: Importe brechen ein

Die chinesische Regierung kämpft an mehreren Fronten. Während die lokalen Regierungen unter Geldnot leiden, sinken Export und Import immer weiter. Die geringere Nachfrage aus China bedeutet für deutsche Unternehmen nach Russland einen weiteren Markt, in dem immer weniger umgesetzt werden könnte.

Chinas Wirtschaft schwächt sich weiter ab. Die Nachfrage nach Waren aus dem Ausland geht stärker zurück als erwartet. So brachen die Importe im Mai im Vergleich zum Vorjahresmonat um 17,6 Prozent ein, wie die Zollbehörde in Peking mitteilte. Die Exporte verringerten sich ebenfalls: um 2,5 Prozent. Insgesamt gingen die Exporte und Importe in den ersten fünf Monaten um zusammen acht Prozent zurück.

Doch nicht nur bei den Importen und Exporten zeigt sich der Abwärtstrend der chinesischen Wirtschaftskraft. Der Einkaufsmanager-Index für nicht-produzierende Gewerbe sank im Mai um 0,2 Prozent auf 53,2 Prozent. Zwar ist ein Wert über 50 noch immer Wachstum, doch der PMI sank hier bereits den vierten Monat in Folge. Der Einkaufmanager-Index für die Industrie konnte im Mai nur um 0,1 Prozentpunkte zulegen und liegt mit 50,2 Prozentpunkten nur knapp über der Wachstumsmarke. Diese wurde einmal bereits zum Jahreswechsel unterschritten. Entsprechend sanken die Gewinne der Industrie in den ersten vier Monaten des Jahres um 1,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Die chinesische Regierung versucht, mit unterschiedlichen Mitteln auf die Probleme zu reagieren. Neben Leitzinssenkungen sollen nun die Konsumenten animiert werden, mehr zu kaufen. Zum 1. Juni wurde deshalb die Zollabgabe auf einige Konsumgüter gesenkt. Dabei geht es um Produkte wie Bekleidung aus Pelz, Strickwaren aus Kaschmir, Schuhe, Windeln, Hautpflegeprodukte etc. Angekündigt hatte das chinesische Finanzministerium diese Maßnahme bereits Mitte Mai.

Bei Schuhen beispielsweise sinken die Zollabgaben von 23 auf 12 Prozent, bei Bekleidung von 18,5 auf 8,5 Prozent. Allerdings wird die Neuregelung womöglich nicht sehr starke Auswirkungen haben. Die Produkte, die von der neuen Regelung begünstigt werden, entsprechen nur etwa zehn Prozent der gesamten Exporte, so die FT.

Eine weitere Front, an der die chinesische Regierung derzeit kämpft, ist die massive Verschuldung der lokalen Regierungen. Diese mussten den Großteil der Infrastrukturprojekte, die die Regierung zur Ankurbelung der Wirtschaft ins Leben rief, finanzieren. Nun sind die lokalen Regierungen so stark verschuldet, dass auf diese Weise die Wirtschaft nicht mehr wirklich künstlich angekurbelt werden kann. Deshalb dürfen die Regierungen nun selbst Anleihen ausgeben. Und, um die Investoren zum Kauf zu bringen, dürfen die so genannten Kommunalanleihen auch bei der chinesischen Notenbank hinterlegt werden.

So will etwa die Jiangxi Provinz in China am 15. Juni Anleihen im Umfang von 41,7 Milliarden Yuan (6,72 Milliarden Dollar) ausgeben. Die Laufzeiten sollen zwischen fünf, sieben und zehn Jahren variieren. Dem Finanzministerium zufolge werden in diesem Jahr insgesamt zehn lokale Regierungen Anleihen im Umfang von 109,2 Milliarden Yuan ausgeben. Neben Jiangxi sind das Shanghai, Zhejiang, Guangdong, Shenzhen, Jiangsu, Shandong, Beijing, Qingdao und Ningxia, berichtet die Economic Times.
Die gleichzeitige Internationalisierung des Yuan trägt indes erste Früchte. Der Bundesbank zufolge haben sich die in Deutschland in Renminbi emittierten Wertpapiere seit dem letzten Frühjahr mehr als vervierfacht. „Durch die Emission zahlreicher so genannter „Goethe Bonds“ und anderer Schuldverschreibungen stieg das Volumen von knapp 5 Milliarden Renminbi auf über 21 Milliarden Renminbi“, so die Bundesbank. Deutsche Finanzmarktteilnehmer besitzen derzeit in Renminbi dotierte Einlagen in Höhe von etwa 12 Milliarden Renminbi. Die Kreditvergabe am Interbankenmarkt sowie an Kunden außerhalb des Bankenmarkts soll bei ebenfalls rund 12 Milliarden Renminbi liegen.

Für Joachim Nagel von der Bundesbank ist das Geschäft mit dem Renminbi bisher gut gelaufen. „Es geht aus unserer Sicht darum, eine nachhaltige finanzwirtschaftliche Begleitung der wachsenden Handels- und Investitionsbeziehungen mit China zu erreichen.“ Zahlreiche Projekte seien auf Unternehmensebene angelaufen und würden zur weiteren Internationalisierung des Renminbi führen.“

Seit Juli des vergangenen Jahres können sich deutsche institutionelle Investoren um ein RQFII-Kontingent bewerben, als Renminbi Qualified Foreign Institutionals Investors. Damit ist es ihnen möglich, direkt in China inshore zu investieren.

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