Keine Kredite: Österreichs Betriebe investieren kaum noch

Im vergangenen Jahr wurden nur von etwa jedem zehnten Unternehmen in Österreich große Investitionen vorgenommen. Die Mehrzahl der Betriebe kürzte die Investitionen oder tätigte gar keine. Häufig fehlen notwendige Sicherheiten, um Kredite von Banken zu erhalten.

Während es bei den Konsumausgaben und Exporten in Österreich langsam wieder etwas aufwärts geht, herrscht indes ein massives Investitionsloch. Die Wirtschaftsleistung des Landes stieg im vergangenen Jahr um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr.  Vor allem die Exporte waren dafür verantwortlich. Doch die leichte Erholung führte 2014 nicht zu einer Steigerung der Investitionsfreude, wie die aktuelle Strukturbefragung unter österreichischen Unternehmen zeigt.

„Die Investitionen haben sich in Österreich seit dem Krisenjahr 2009 nicht erholt und liegen nach wie vor vier Prozent unter dem Jahr 2008“, sagte der Präsident der Wirtschaftskammer Österreichs (WKÖ), Christoph Leitl. Darin liege „eine große Gefahr für die Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes“. Demnach wurden große Investitionen – also deutlich über AfA – lediglich von 11 Prozent der Unternehmen im vergangenen Jahr getätigt. Die mit 65 Prozent überwiegende Mehrheit  tätigte keine oder nur sehr kleine Investitionen.

Grund hierfür ist die Schwierigkeit bei der herkömmlichen Mittelbeschaffung. So haben weniger als die Hälfte (47%) der Unternehmen, die sich 2014 ein Finanzierungsangebot einer Bank eingeholt haben, überhaupt einen ausreichenden Kredit erhalten, so das WKÖ. Bei 23 Prozent der Betriebe wurden die angefragten Kredite gekürzt und bei 30 Prozent sogar ganz abgelehnt. Die Hauptgründe sind fehlende Sicherheiten auf Seiten der Unternehmen und die „ungünstige Einschätzung der Bonität eines Unternehmens“, so Ralf Kronberger, Leiter der Abteilung für Finanz- und Handelspolitik der WKÖ.

Die Ablehnung der angefragten Kredite liegt meist nicht einfach der Willkür der Finanzinstitute. Vielmehr spielt auch die geforderte Erhöhung des Eigenkapitals eine große Rolle. Seit den letzten Stresstests der EZB sind die Anforderungen an Österreichs Banken noch einmal gestiegen: Vor allem mit Blick auf die Herabsetzung der Kreditwürdigkeit einiger Institute und die Verflechtungen mit Osteuropa.

Die Schwierigkeiten bei der Finanzierung über Banken führen dazu, dass die Betriebe zunehmend ihre Investitionen über Eigenkapital und Innenfinanzierung tätigen müssen, Förderungen beantragen oder sich zunehmend nach Alternativen wie dem Crowdsourcing umschauen. Auch wenn diese Finanzierungsmöglichkeiten die Lücke der abgelehnten Kreditanträge noch nicht füllen können.

Mittlerweile gibt es in Österreich sieben aktive nationale Plattformen für das Crowdsourcing. Mittlerweile wurden über diese 26 Projekte mit einem Gesamtvolumen von 3,6 Millionen Euro finanziert (Stand 12.2.2015). Dem Rat für Forschung und Technologieentwicklung zufolge könnte der Markt für Crowdfunding in Österreich 2020 bei etwa 320 Millionen Euro liegen.

Immerhin 24 Prozent der Kleinen und Mittleren Unternehmen (KMU) geben mittlerweile an, sich für alternative Finanzierungsformen zu interessieren. Bei den  Start-ups sind es sogar 28 Prozent. Die WKÖ fordert daher einen Beteiligungsfreibetrag für private Investoren oder die Umsetzung von Mittelstandsfinanzierungsgesellschaften. „Zusätzlich sollte der Staat vermehrt Garantien und Haftungen statt Zuschüsse vergeben.“

Wenn überhaupt findet sich derzeit noch das größte Interesse an Investitionen bei Gründern und jungen Unternehmen. So planen 43,1 Prozent der zwischen 2011 und 2015 gegründeten Unternehmen für dieses Jahr mittlere Investitionen. Und dass, obwohl diese  auch sehr stark unter Finanzierungsengpässen leiden. So haben von den seit 2011 gegründeten Betrieben nur 15,8 Prozent überhaupt eine Bankfinanzierung erhalten. Fast die Hälfte (44,9%) musste daher im vergangenen Jahr für neue Investitionen auf das Eigenkapital zurückgreifen. „Entrepreneure haben in den wirtschaftlich schwierigen Zeiten der vergangenen Jahre häufig mit ihren Ersparnissen gegründet. Nun haben sie einen erhöhten Investitionsbedarf, bei dem sie im Sinne der österreichischen Volkswirtschaft unterstützt werden müssen“, sagte auch Bernhard Sagmeister von der Austria Wirtschaftsservice GmbH (aws).

Kommentare

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  1. hugin sagt:

    DESASTER DURCH UNFÄHIGE POLITIIKER
    Eine „Steuerreform“ welche die MWST auf verschiedene Waren und Dienstleistungen erhöht und andere Belastungen, Gesetze welche kaum in Kraft sind, werden novelliert, ein „Überstunden-Euro“ wird diskutiert und Anderes.
    Politiker versprechen Arbeitsplätze zu „Schaffen“, dies wird mit derartigen Aktionen nicht gelingen.
    Arbeit wäre genug vorhanden, es fehlt nur das Geld die Arbeit zu bezahlen!

  2. hugin sagt:

    IN ÖSTERREICH HERRSCHT EINE WIRTSCHAFTLICHE UNSICHERHEIT
    Eine „Steuerreform“ mit Erhöhung verschiedener Güter und Dienstleistungen von 10% auf 13%, Erbschafts-Schenkungs-Grundsteuer-Erhöhungen, verschiedenes Ungemach ist noch nicht fix. Für dir „Reform“ sind 5 Milliarden Einnahmen erforderlich, 40% mit
    1,9 Milliarden sollen durchv Bekämpfung der Steuerhinterziehung und Reistrierkassen-Pflicht kommen, Fachleute bezweifeln diese Zahlen. Heuer ein Witrschaftswachstum von 0,7%, aber nächstes Jahr sollen es 1,9% sein. Wie immer wird dann die Prognose nach unten revidiert.
    Vor dem Hintergrund, dass 2 Mio. Erwerbstätige keine Steuern zahlen,weil sie zu wenig verdienen, 500.000 Arbeitslosen, zahlreiche Mindestrentner, drohende Teilenteignung und Anderem, wird die Wirtschaft nicht wachsen.

  3. Alfred Beer sagt:

    liebe Redaktion,
    vor ein paar Tagen habt Ihr noch genau das Gegenteil berichtet, schon irgend wie komisch !

    Mittelständler kommen leichter an Kredite

    Deutsche Mittelstands Nachrichten | 03.06.15, 21:03

    Der Zugang des europäischen Mittelstands zu Krediten hat sich wieder gebessert. Während das Zinsniveau sogar sank, erhöhten sich jedoch oft die Sicherheitsanforderungen für die Kreditvergabe. Die Unternehmen profitieren diesbezüglich von der Geldflut der EZB und von gesunkenen Energiepreisen.

    Themen: Arbeitskosten, Banken, EZB, KMU, Kredite, Mittelstand

    Zumindest ein Teil des neu gedruckten Geldes von der EZB kommt langsam bei den Unternehmen an. (Foto: EZB)
    Zumindest ein Teil des neu gedruckten Geldes von der EZB kommt langsam bei den Unternehmen an. (Foto: EZB)

    In dem Zeitraum von Oktober des vergangenen Jahres bis März 2015 hat sich die Lage der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) hinsichtlich notwendiger Kredite verbessert. Dies zeigen die Ergebnisse der aktuellen Umfrage der Europäischen Zentralbank unter 11.720 Unternehmen. Gefragt nach den aktuellen Herausforderungen gaben die europäischen KMUs an, dass der Zugang zu Finanzmitteln derzeit ihr geringstes Problem darstelle. Nur für elf Prozent der befragten Unternehmen, war der Zugang zu Finanzmitteln das schwerwiegendste Problem.

    Allerdings gab es hier deutliche länderspezifische Unterschiede. So sagten von den deutschen und österreichischen KMUs nur sieben Prozent den Zugang zu Geld als wichtigstes Problem an. Bei den griechischen Unternehmen waren es jedoch 34 Prozent sowie bei den irischen und niederländischen jeweils 15 Prozent. Und „erstmals seit 2009 meldeten sie per saldo eine verbesserte Verfügbarkeit von Bankkrediten“, so die EZB.

    Neben der Entspannung bei der Verfügbarkeit von Finanzmitteln hat sich in den vergangenen Monaten auch etwas bei den Voraussetzungen zur Kreditaufnahme verändert. Demnach sei den KMUs zufolge das Zinsniveau rückläufig. Gleichzeitig stiegen das Volumen und die Laufzeiten bei Bank- und Überziehungskrediten. Auf der anderen Seite haben sich die Sicherheitsanforderungen hinsichtlich neuer Kredite verschärft. Von den 30 % der KMU, die im Umfragezeitraum einen Kredit beantragt hatten, erhielten immerhin 64 Prozent tatsächlich den gewünschten Darlehensbetrag in voller Höhe. Acht Prozenterhielten eine Absage.

    Nachdem sich für viele Mittelständler die Finanzierungsmöglichkeiten demnach verbessert haben, stehen die KMUs aber vor anderen Herausforderungen. 47 Prozent der befragten Unternehmen berichten von hohen aber stabilen Arbeitskosten, wobei bei den kleinen Firmen die Arbeitskosten sogar leicht stiegen. Darüber hinaus gaben immerhin 26 Prozent der Mittelständler an, dass ihr Hauptproblem die Suche nach Kunden sei. In der vorherigen Umfrage waren es nur 20 Prozent.

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    • redakteur sagt:

      Tatsächlich geht es in dem aktuellen Artikel um die getätigten Investitionen der österreichischen Betriebe im vergangenen Jahr. Ein nicht geringer Teil hatte demnach auch Schwierigkeiten bei der Kreditaufnahme. Der Artikel bzw. die Umfrage bezieht sich auf das komplette letzte Jahr. Der von Ihnen zitierte Artikel auf den Zeitraum von Oktober vergangenen Jahres bis März dieses Jahres. Entsprechend hat sich zumindest schon einmal bei der Kreditaufnahme die Situation leicht gebessert, ob sich das wiederum auf die Investitionshöhe der österreichischen Betriebe in diesem Jahr positiv auswirkt, dazu gibt es noch keine Zahlen. Zumal in dem von Ihnen zitierten Artikel auch angegeben ist, dass sich dennoch die Sicherheitsanforderungen für die Kreditvergabe erhöht haben. Eine Ursache, die auch 2014 schon zur Absage einiger Kreditanfragen geführt hat.

      Die Redaktion