Schweizer Behörden verstärken Kampf gegen Schattenwirtschaft

In den vergangenen Jahren ist die Schattenwirtschaft wie auch die Schwarzarbeit in der Schweiz zurückgegangen. Die Kontrollen wurden verschärft und geringeren Sozialversicherungsabgaben als in anderen Ländern tragen zu dem Ergebnis bei.

Die Größe der Schattenwirtschaft in der Schweiz hat Berechnungen der Johannes Kepler Universität Linz zufolge abgenommen. In diesem Jahr wird die Schattenwirtschaft ein Volumen von 6,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) umfassen: 30,7 Milliarden Franken. Das ist weniger als 2014 (6,9 %). 2004 erreichte die Schattenwirtschaft sogar noch 9,1 Prozent des BIPs. „Gründe für den Rückgang waren unter anderem strengere gesetzliche Maßnahmen zur Bekämpfung der Schattenwirtschaft und eine teilweise attraktivere Handhabung von haushaltsnahen Dienstleistungen in der offiziellen Wirtschaft“, sagt Friedrich Schneider von der Johannes Kepler Universität.

Mit Blick auf die OECD-Länder ist die Schweiz damit am unteren Ende der Schattenwirtschaften. Der OECD-Durchschnitt liegt bei 12,2 Prozent. Mit 22,4 Prozent des BIPs ist sie in Griechenland am höchsten, gefolgt von Italien und Spanien. In Deutschland macht die Schattenwirtschaft 2015 schätzungsweise 12,2 Prozent des BIPs oder 339,6 Milliarden Franken aus. Wie gross die Schattenwirtschaft und auch die Schwarzarbeit in der Schweiz tatsächlich sind, lässt sich kaum genau festlegen, da es ja Ziel der Schattenwirtschaft ist, vom Staat nicht bemerkt zu werden. Die Dunkelziffer ist hier vermutlich hoch.

Ein Teil der Schattenwirtschaft ist die Schwarzarbeit. Und ähnlich wie die Schattenwirtschaft an sich ist die Zahl der „Vollzeit-Inlands-Schwarzarbeiter“ und der illegalen ausländischen Beschäftigten in der Schweiz in den vergangenen sechs Jahren kontinuierlich zurückgegangen. Demnach sank die Zahl der „Vollzeit-Inlands-Schwarzarbeiter“ von 484.000 im Jahr 2009 auf geschätzte 427.000 im vergangenen Jahr. „Inländische Vollzeitschwarzarbeiter sind eine fiktive Größe, die aus den Stunden, die in der Schattenwirtschaft gearbeitet werden, berechnet werden“, so Bundesrat Schneider. Für 2015 rechnet Schneider mit einem weiteren Rückgang auf 409.000. Die Zahl der illegal ausländischen Beschäftigten ging von 76.000 (2009) auf 63.000 im Jahr 2014 zurück. „Die illegal ausländischen Beschäftigten stellen eine erste Abschätzung der illegal (für Schattenwirtschaftsaktivitäten) beschäftigten Ausländer dar.“

Der Rückgang in der Schwarzarbeit und der Schattenwirtschaft ist unter anderem auf stärkere Kontrollen in der Schweiz zurückzuführen. So gab es dem Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) zufolge im vergangenen Jahr 12.009 Betriebskontrollen. Die meisten Betriebskontrollen wurden im Bauhauptgewerbe durchgeführt. Das Baunebengewerbe, das Reinigungsgewerbe und das Gastgewerbe folgten. Vor allem in den Kantonen Zürich, Bern und Waadt gab es die meisten Kontrollen bei Betrieben.

Bei den Personenkontrollen gab es im Gegensatz zu den Betriebskontrollen insgesamt einen deutlichen Anstieg. Die Personenkontrollen beliefen sich 2014 auf 38.981, etwa 12 Prozent weniger. 2013 waren es noch 34.701 und 2012 34.518. In den Kantonen Waadt (+2.529), Zürich (+570), Bern (+513) und Wallis (+436) stiegen die Kontrollen am deutlichsten.

Aktuell zeigt sich zudem, dass die Verdachtsmomente auf Schwarzarbeit im Bereich des Quellensteuerrechts und des Sozialversicherungsrechts zunahmen. Im Ausländerrecht hingegen gingen sie im vergangenen Jahr zurück. So gibt die Zahl der Verdachtsmomente darüber Aufschluss, in wie vielen Fällen das „Kontrollorgan nach Durchführung von Kontrollen einen Verdacht auf Schwarzarbeit hegt und den Fall infolgedessen der zuständigen Spezialbehörde zur Weiterverfolgung weiterleitet“.

Aber, die „Abnahme an Verdachtsfällen und Rückmeldungen im Ausländerrecht lässt nicht generell auf eine Abnahme der Anzahl Fälle von Schwarzarbeit im Jahr 2014 schliessen“, so die SECO. Die Abnahme könne auch damit begründet werden, dass die Kantone ihre Kontrollschwerpunkte jährlich neu festlegten.

Die Studie der Johannes Kepler Universität Linz konnte zudem anhand von zahlreichen Daten die entsprechenden Zusammenhänge zwischen der Höhe der Einkommenssteuer und den indirekten Steuern und einer höheren Schattenwirtschaft nachweisen. „Auch hier haben wir einen statistisch hochsignifikanten positiven Einfluss, d. h. je höher die indirekten Steuern, desto höher ceteris paribus die Schattenwirtschaft.“ Für die Arbeitslosigkeit und die Regulierungsdichte habe sich ebenfalls ein „statistisch signifikanter Einfluss“ bestätigt.

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  1. biersauer sagt:

    Die gier nach dem Bargeld des Bürgers wird immer größer und die Kaufkraft wird immer schmäler
    38% Teuerung bei Nudeln im Supermarkt.