Schweizer Mittelständler sind oft globale Marktführer

In der Industrie und im Dienstleistungsgewerbe gibt es zahlreiche kleine- und mittelständische Unternehmen in der Schweiz, die sich im Laufe der Jahre eine sehr gute Marktposition erarbeitet haben. Vor allem der Fokus auf hohe Standards und gehobene Preise zahlt sich dabei aus.

Ähnlich wie in Deutschland spielt der Mittelstand in der Schweiz eine große Rolle. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sind es, die die Schweiz mit ihren Produkten global vertreten. Eine aktuelle Untersuchung der Credit Suisse zeigt nun, wie erfolgreich sie tatsächlich trotz Frankenstärke und hohen Lohnkosten sind. Wichtig sei dabei „die Fokussierung auf Qualitätsprodukte“, so die Credit Suisse. Qualität im Sinne von Innovation, Präzision, Spezialisierung oder auch Flexibilität.

Im Beispiel des Schweizerischen Mittelstandes handelt es sich dabei oft um so genannte Hidden Champions. Ein Begriff der Unternehmen bezeichnet, die bei bestimmten Dienstleistungen oder Produkten Weltmarktführer sind. Die aber nicht so sehr im Fokus der Öffentlichkeit stehen wie Großunternehmen.

Elf Prozent der industriellen KMU sind demnach Hidden Champions. Sie gaben an, in mindestens einem Kernprodukt globaler Marktführer zu sein. Ein genauerer Blick auf die Industrie zeigt, dass besonders KMU mit Fokussierung auf Präzisionsinstrumente global sehr stark sind. Hier sprachen fast 60 Prozent von sich als weltweitem Marktführer, gefolgt von der Uhrenindustrie (rund 30 %) und dem Maschinen- bzw. Fahrzeugbau (22 %).

„Hidden Champions sind also in jenen Industriebranchen am stärksten vertreten, welche sich durch eine vergleichsweise hohe Technologie- und Forschungsintensität sowie eine starke Exportorientierung auszeichnen.“ Doch selbst in der Lebensmittelindustrie und in der Metallindustrie finden sich noch ein paar Hidden Champions unter den Schweizer KMU.

Neben der Industrie gibt es auch ein paar äußerst erfolgreiche Unternehmen im Dienstleistungssektor (Handel und Verkauf inbegriffen). Und dass, obwohl sich dieser Bereich meist eher auf das Inland konzentriert. Immerhin fünf Prozent der KMU aus dieser Branche gaben an, mit mindestens einem Produkt globaler Marktführer zu sein. Von den KMU aus dem Handel bzw. Verkauf gaben etwa acht Prozent an, weltweit führend mit ihrem Produkt zu sein, in der IT sind es knapp sechs Prozent. Die beiden Hochschulen ETH und EPFL sowie die IT-Cluster in Zürich und Bern mit Großunternehmen wie IBM und Google bilden Credit Suisse zufolge gute Rahmenbedingungen für die Entwicklung von international erfolgreichen IT-KMU.

„Von den stark exportorientierten Dienstleistungs-KMU mit einem Exportanteil am Umsatz von mindestens 50 Prozent bezeichnen sich sogar 19 Prozent als globale Marktführer“, heißt es in der Untersuchung. Von den international führenden Händlern und Verkäufern produzieren aber überdurchschnittlich viele im Ausland. „Dies legt die Vermutung nahe, dass einige dieser Hidden Champions nicht reine Dienstleister sind, sondern Produzenten, welche die Distribution ihrer Produkte in Eigenregie durchführen und deshalb eine marktführende Position innehaben.“

Sowohl bei den Hidden Champions der Industrie als auch im Dienstleistungssektor sind es unter den KMU trotzdem tendenziell eher große mittelständische Unternehmen, die global so erfolgreich sind. In der Industrie liegt der durchschnittliche Umsatz bei 19 Millionen Franken, unter den Dienstleistern bei etwa 13 Millionen Franken.

Zu Hidden Champions aus der Schweiz zählen unter anderem Nivarox, Lantal, Phonak, Bühler und SGS. Phonak beispielsweise ist weltweit führender Hörgerätehersteller. Mit einem Marktanteil von etwa 36 Prozent liegt Phonak sogar noch vor der Firma Siemens Audiologische Technik, so Hermann Simon in seinem Buch „Hidden Champions des 21. Jahrhunderts“. Nivarox stellt Unruhspiralen für die Uhrenindustrie her und gehört mittlerweile zur Swatch Group.

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