Studie: Erbschaftssteuer gefährdet deutsche Unternehmerlandschaft

Die jetzige Version der Erbschaftssteuer trage zu einer Verschlechterung des Wirtschaftsstandorts Deutschland, so das Zentrum für Wirtschaftsforschung. Unternehmen würden erhebliche Mehrbelastungen zukommen.

Die Reform der Erbschaftsteuer bereitet den deutschen Unternehmern Kopfzerbrechen. Anfang Juli soll der Gesetzesentwurf im Kabinett beschlossen werden und bis zum 25. Juni können Stellungnahmen zum Referentenentwurf des Bundesfinanzministeriums eingereicht werden. Für Brun-Hagen Hennerkes von der Stiftung Familienunternehmen spricht sich gegen einen derartigen Sprint in Sachen Erbschaftssteuer aus. Gerade hier müsse „Sorgfalt vor Schnelligkeit gelten“, so Hennerkes anlässlich des „Tags der deutschen Familienunternehmen“.

Der aktuelle Referentenentwurf bringe nur Schönheitsreparaturen gegenüber den vorangegangenen Eckpunkten des Ministeriums. Und eine zu starke Einschränkung der Verschonung von Betriebsvermögen könne der von Familienbetrieben geprägten Unternehmenslandschaft Deutschlands „irreparablen Schaden“ zufügen.

Das Zentrum der Wirtschaftsforschung (ZEW) hatte in einer von der Stiftung in Auftrag gegebenen Studie vor den Auswirkungen eines zu engen Erbschaftssteuergesetzes gewarnt. „Deutschland würde danach im Vergleich von 18 OECD-Staaten vom aktuellen Rang 13 in der Gesamtsteuerbelastung auf Rang 15 (Reduzierung des Verschonungsabschlags) oder sogar Rang 18 (Wegfall des Verschonungsabschlags) zurückfallen“, heißt es in der Studie. Das ZEW nahm für diese Berechnungen ein Modellunternehmen (Betriebsvermögen nach dem vereinfachten Ertragswertverfahren 102,9 Millionen Euro), das einem typischen global agierenden Familienunternehmen entspricht:

„Werden die Unternehmensanteile zum Beispiel an ein Kind vererbt, liegt Deutschland bisher mit einer Erbschaftsteuerbelastung des Modellunternehmens von 11,2 Mio. EUR auf dem 13. Rang. Bei Umsetzung des Eckpunktepapiers oder des Referentenentwurfs fällt Deutschland in beiden Fällen deutlich zurück auf Rang 16. Ohne Verschonungsabschlag (Belastung: 37,2 Mio. EUR) nähert sich Deutschland stark an das Hochsteuer-Land Belgien (39,3 Mio. EUR) auf dem vorletztem Platz an. Nach dem Abschmelzmodell aus dem Referentenentwurf würde der Verschonungsabschlag von bisher 85 auf 30 Prozent absinken. Das Modellunternehmen würde in der Folge mit 28,1 Mio. EUR belastet und zwischen Dänemark und Ländern mit sehr hoher Erbschaftsteuer wie Belgien und USA platziert.“

 

Kommentare

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  1. Brigitte sagt:

    Entweder alle Personen, und damit meine ich nicht nur Unternehmen, profitieren/verlieren bei Gesetzesänderungen, betreffs der Erbschaft, oder keiner.

    Ist es doch jetzt schon der Fall, dass die Konsumenten für ihre Einkäufe letztendlich die Umsatzsteuer zu tragen haben, während die Unternehmen und deren Einkäufe (Investitionen und Kosten) davon nicht betroffen sind.

    Die Arbeit der Menschen wird besteuert, während die Arbeit der Maschinen von einer Steuer verschont bleibt.

    Oder vergleichen wir die Besteuerung von Kapitalerträgen gegenüber der Besteuerung von Löhnen.

    Es findet ein Raubzug statt. Macht und Reichtum sollen vermehrt in die Hände weniger Personen gelangen. Zunächst sind es einfache Arbeiter, Angestellte, usw., welche geschröpft werden oder der Staat, welcher über Sozialleistungen belastet wird und hierfür sein Vermögen verscherbeln soll. Doch die gierigen Hände wollen mehr. Auch vor Unternehmen wird nicht halt gemacht. Und wenn es nicht über Einfluss oder Bestechung geht, dann wird schon mal ein Krieg vom Zaun gebrochen.

    Also gleiches Recht für Alle!

    Brigitte

  2. Kitty sagt:

    Na und ?

    Die Einkommenssteuer und die Hartz IV – Reform hat den bürgerlichen Mittelstand gefährdet. Hat auch niemanden interessiert. Jetzt sind mal die Reichen dran, mit zahlen.

    • William sagt:

      Du verstehst es nicht Kittty. Die wie du sagst „Reichen“ zahlen zwar vorerst, werden jedoch aufgrund der höheren Steuerbelastungen schon im Vorfeld Vorkehrungen treffen um diese zu bedienen. Das geschieht dann z.B. über Kündigungen und Auslassen von größeren Investitionen. Demnach sollte dieses Thema hier jeden interessieren.

      • Greg sagt:

        alles leeres Geschwätz …

        Denn auch ohne diese Steuer wird der Wettbewerb auf Kosten der Arbeitskräfte weitergehen -> letztlich ist dies ein willkommene, vorgeschobene Begründung zum Entlasse der Arbeiter! Schliesslich geht es um Gewinnmaximierung der des Kapitals…