IWF: Mehr Geld für Mittelschicht fördert Wachstum

Es macht einen Unterschied, ob die Armen einer Bevölkerung mehr Geld zur Verfügung haben oder die Reichen. Wie eine neue Studie des IWF zeigt, sollte sich die Regierung eher auf die Armen konzentrieren. Haben diese mehr Geld zur Verfügung, steigt das BIP. Haben die Reichen mehr Geld sinkt es sogar.

Derzeit ist die Schere zwischen arm und reich in den Industrieländern die größte seit Jahrzehnten. Aber auch in den großen Schwellenländern steigt die Ungleichheit. Dass dies gesellschaftlich höchst problematisch ist, ist keine Neuheit. Doch wie die IWF-Studie „Ursachen und Folgen von Einkommens-Ungleichheit: Eine globale Perspektive“ aufzeigt, macht es auch wirtschaftlich sehr wohl einen Unterschied, wer in der Gesellschaft über mehr Geld verfügt.

„Unsere Analyse zeigt, dass die Einkommens-Ungleichheit selbst auf das Wachstum Einfluss nimmt“ , so die Wissenschaftler. Wenn das Einkommen der Top 20 Prozent eines Landes, also der Reichen, zunähme, würde das BIP-Wachstum tatsächlich mittelfristig abnehmen.

Stärkt man aber das Einkommen der unteren 20 Prozent sei dies mit einem Wachstum verbunden. „Die Armen und die Mittelschicht spielen die größte Rolle, wenn es um Wachstum geht. Sei es über wirtschaftliche soziale oder auch politische Kanäle.“

Die Untersuchungen des IWF haben gezeigt: Wenn man das Einkommen der Reichen um ein Prozentpunkt erhöht,  sinkt das BIP-Wachstum eines Landes innerhalb der kommenden fünf Jahre um 0,08 Prozentpunkte. Gibt man aber den Armen und der Mittelklasse ein Prozentpunkt mehr Geld, kann das BIP-Wachstum schon um bis zu 0,38 Prozentpunkte steigen.

Ein Grund dafür sei, so der IWF, dass die ärmeren und mittleren Bevölkerungsschichten eher zum Konsum neigen. „Sie werden eher konsumieren als zu sparen“, wenn sie mehr Geld zur Verfügung hätten. Das erhöht kurzfristig das Wachstum. Gleichzeitig bedeutet dauerhafte Ungleichheit auf lange Zeit, dass die ärmeren und die Mittelschicht weniger Möglichkeiten auf Bildung, zur Verbesserung ihrer Fähigkeiten  und zur Verwirklichung ihrer unternehmerischen Träume. „Das Resultat: Arbeitsproduktivität und Wachstum leiden darunter.“

Auch für die EU sind diese Studienergebnisse von Bedeutung. „Die Einkommensungleichheit hat sich in vielen Mitgliedstaaten erhöht“, heißt es von Seiten der EU-Kommission. „Der Anteil der von Armut und sozialer Ausgrenzung bedrohten Personen ist deutlich gestiegen, und die Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten werden größer.“

Erst vor kurzem hatte sich die OECD auch mit den auseinander klaffenden Einkommensschichten beschäftigt. Das Hauptproblem ist der OECD-Studie zufolge, dass die Ärmeren kaum die finanziellen Mittel hätten, um ihren Kindern eine ordentliche Bildung zu finanzieren. Dies wiederum führe langfristig zu einem geringeren Wachstum.

Wenngleich die Autoren der Studie auch deutlich machten, dass eine große Ungleichheit nur bei denjenigen Kindern die Chance auf einen Hochschulabschluss vermindere, deren Eltern selbst keine höhere Schulbildung genossen hätten. Und die Eltern, die selbst eine gute Ausbildung hatten, auch in finanziell schwierigen Zeiten Wert auf die Ausbildung ihrer Kinder legen. Grundsätzlich aber müssten der OECD zufolge die Einkommen so angeglichen werden, dass sich der Abstand der unteren 40 Prozent  nicht zu weit vom Durchschnitt entfernt.

Kommentare

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  1. Cuibono sagt:

    Für das „Man kann nur ein Schnitzel am Tag essen“-Prinzip braucht der IWF eine STUDIE?

    • Dieter van Haag sagt:

      Das sind die Finanziellen Probleme der Reichen, man hat alles und weis nicht mehr wohin damit. Und indem der IWF noch Studien bezahlt fördert er den Reichtumsunterschied. Im Rahmen der Kosteneinsparziele der Armen und der Mittelschicht wird das Schnitzel mit 30% Rabatt bei Lidl gekauft.