Schweiz: 40 Prozent der Haushalte sind verschuldet

Fast vier von zehn Schweizer Bürgern leben in einem verschuldeten Haushalt. Deutlich mehr als noch 2008. Vor allem Zahlungsrückstände, Auto-Leasing und Schulden beim Steueramt sind die häufigsten Gründe für die Verschuldung.

Viele Schweizer leben auf Pump. Im ersten Moment ermöglichte das den Schweizer Bürgern zu konsumieren, ohne gleich zahlen zu müssen. Im zweiten Moment  kann das jedoch zur Falle werden – auch für die Wirtschaft des Landes. Bricht das Schuldenhaus zusammen, verringert sich auch die so wichtige Inlandsnachfrage.

Immerhin waren 2013 40 Prozent der Schweizer Haushalte sind verschuldet, wie die aktuellen Daten des Bundesamtes für Statistik zeigen. 8 Prozent der Schweizer Bevölkerung leben sogar in einem Haushalt mit drei Verschuldungsarten. Lag der Anteil der Bevölkerung mit mindestens einem Kredit 2008 noch bei unter 20 Prozent sind es mittlerweile fast 33 Prozent (2013).

Dabei gibt es dem Bundesamt für Statistik zufolge einen Zusammenhang zwischen den finanziellen Voraussetzungen eines Haushaltes und seiner Verschuldung. 36,4 Prozent der Haushalte, die mit mindestens drei Schuldenarten leben, „sind von materieller Entbehrung betroffene Personen“.

Der zu laxe Umgang mit Kreditkarten ist bei der hohen Verschuldung der Haushalte aber nicht zwangsläufig zu sehen. Immerhin leben 32,6 Prozent der Schweizer Bevölkerung in einem Haushalt ohne Kreditkarte, wobei hier vor allem die über 65-Jährigen zu finden sind. Nur 27,9 Prozent leben in einem Haushalt mit durchschnittliche eine Kreditkarte pro erwachsener Person.

Die größte Rolle bei der Verschuldung der Schweizer Haushalte spielen dabei die Zahlungsrückstände und die Fahrzeug-Leasing und Steuerschulden. „2013 sind Zahlungsrückstände die häufigste Art von Schulden in der Schweiz“, so das Bundesamt. Nahezu 18 Prozent der Bevölkerung lebten in einem Haushalt mit mindestens einem Zahlungsrückstand.

Aufgenommene Kredite spielen ebenfalls eine Rolle. „2013 leben 31,8 Prozent der Bevölkerung in einem Haushalt mit mindestens einem Kredit.“ Häufig haben die Haushalte ein Fahrzeug geleast (15,5 %)  oder ihr Auto auf Kredit gekauft (18,4 %).

Und gleichzeitig denken neun von zehn Schweizern, dass man Geld erst verdienen sollte, bevor man es ausgibt. Mehr als 87 Prozent ist es sogar unangenehm bzw. wäre es unangenehm, Schulden zu haben. „Personen ausländischer Nationalität, Personen ohne nachobligatorische Ausbildung und Personen in Haushalten mit einem tiefen Einkommen geben am seltensten an, ihr Budget im Griff zu haben.“

Die hohe Verschuldung der Schweizer Haushalte kann zu einer Gefahr für die Wirtschaft des Landes werden. Denn diese wird überwiegend aus der Inlandsnachfrage getrieben. So entfallen fast 60 Prozent des BIPs auf die private Konsumnachfrage. „In den letzten drei Jahren ist der Privatkonsum real um fast 5% gestiegen. Im Jahr 2013 expandierte er um 1,8 Prozent, 2014 um voraussichtlich rund 1,5 Prozent“, so Germany Trade Invest (GTAI).  In ihrer Frühjahrsprognose geht die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich davon aus, dass die schlechter werdende Arbeitsmarktsituation aber den Konsum in den kommenden Monaten schon verringern werde.

Zwar liegt die Schweiz mit einem durchschnittlichen Nettogeldvermögen pro Kopf in Höhe von 146.500 Euro weiterhin die Spitze der reichsten Länder der Welt. Aber „mit durchschnittlich 75.500 Euro pro Kopf war auch die private Verschuldung Ende 2013 so hoch wie in keinem anderen Land in Europa“, so GTAI.

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