Russlands Unternehmen müssen Schulden in Milliarden-Höhe bedienen

Die russischen Unternehmen stehen vor großen Herausforderungen. In den kommenden drei Jahren müssen sie Schulden in Höhe mehr als 100 Milliarden Dollar refinanzieren. Doch mit der Verlängerung der Sanktionen, der schwachen Wirtschaftsleistung und der Rubelschwäche wird es schwer, die Schulden zu bedienen.

Die Sanktionen und der niedrige Ölpreis haben zu einem deutlichen Schrumpfen der russischen Wirtschaft zu Beginn des Jahres geführt. In den ersten fünf Monaten ist das BIP um 3,2 Prozent zurückgegangen, wie der Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew beim Internationalen Wirtschaftsforum mitteilte. Im dritten und vierten Quartal werde sich der Einbruch sogar noch beschleunigen: um 3,5 und 4,0 Prozent.

Mit der Entscheidung der EU, die Sanktionen gegenüber Russland bis mindestens Ende Januar zu verlängern, wird sich die Situation für die russische Wirtschaft noch verschlechtern. Die Unternehmen des Landes stehen unter Druck. Wie die Ratingagentur Moody’s berichtet, müssen allein die Unternehmen „mit den größten auslaufenden Schulden“ in diesem Jahr Schulden in Höhe von 40 Milliarden Dollar refinanzieren bzw. begleichen: 30 Milliarden Dollar davon sind in ausländischen Währungen notiert. Die Unternehmen „sehen sich auch erheblichen Rückzahlungen in 2016 und 2017 gegenüber, die sich auf etwa 60 Milliarden Dollar belaufen“, so die Agentur. Hiervon sind 40 Milliarden Dollar in anderen Währungen notiert.

Moody’s zufolge werden die Unternehmen zwar in der Lage sein, ihre Schulden zu bedienen, aber „sie werden sich zu den internationalen Märkten hinwenden müssen“. Vor allem die westlichen Banken sind bisher für die russischen Unternehmen wichtig gewesen, sagt die Ratingagentur. Der Zugang zu chinesischen Krediten sei noch schwieriger.

Wie angeschlagen verschiedene Branchen in Russland sind, zeigt sich am nationalen Automarkt. Dem Industrieminister Denis Manturow zufolge sei in diesem Jahr noch einmal mit einem Rückgang von 25 bis 50 Prozent zu rechnen. Zudem ging der Export von Handelswaren im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahresquartal um 29,6 Prozent zurück, wie ein aktueller Bericht von Euler Hermes zeigt. Die Importe fielen um 36,3 Prozent. Die Insolvenzen in Russland könnten in diesem Jahr um bis zu 30 Prozent ansteigen.

Eine weitere Schwierigkeit, die auf die russischen Unternehmen in diesem Jahr zukommt, ist das geplante Datengesetz. Wenn das Gesetz am 1. September in Kraft tritt, müssen ausländische Internetfirmen die Personendaten ihrer russischen Kunden innerhalb in Russland speichern. Das übliche Speichern und Auslagern von Speicherzentren geht dann nicht mehr in Russland. Das ist nicht nur ein Problem für ausländische Firmen, sondern auch für die russische Wirtschaft.

Der Think Tank Ecipe (European Centre For International Political Economy) schätzt, dass dieses Gesetz das russische BIP um 0,27 Prozent bzw. 286 Milliarden Rubel schmälern wird. „Investitionen in die russischen Wirtschaft würden um 1,4 Prozent oder 187 Milliarden Rubel sinken, mit erheblichen Folgen für den Arbeitsmarkt“, so der Think Tank. Für die Speicherung der Daten in Russland müssen die ausländischen Unternehmen entsprechende Infrastrukturen aufbauen und möglicher Weise die Zahl der Beschäftigten erhöhen. Diese zusätzlichen Kosten würde die Dienstleistungsindustrie an die russischen Kunden weitergegeben.

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  1. Syssiphus sagt:

    Haben die BRICS-Staten nicht neuerdings eine eigene Bank? Die Sanktionen werden auch für die Vasallen der VSA nicht zum Nulltarif zu haben sein.