Starker Franken trifft Luxushotels

Die Luxushotellerie der Schweiz blieb lange von der Frankenaufwertung verschont. Doch 2014 gab nun es auch hier unerwartet Einbrüche. Über zwei Drittel der Luxus-Hoteliers rechnen mit auch für die kommenden Jahre mit Schwierigkeiten. Auch fehlende Kredite und steigende Regulierungen belasten die Branche zunehmend.

Die Schweiz zählt zu den attraktivsten Reisezielen der Welt und bietet ein sehr breites Spektrum an Übernachtungs- und Wellnessangeboten. Doch auch für die Hotellerie war 2014 ein schwieriges Jahr, vor allem für die Luxushotels, zeigt eine aktuelle Untersuchung der Beratungsfirma Deloitte. Ein starker Franken, geringes internationales Wirtschaftswachstum, fehlende Kredite und staatliche Regulierungen haben die Branche getroffen.

80 Prozent der von Deloitte befragten Luxushoteliers schätzen die Zukunft der Hotellerie in der Schweiz für die kommenden zwei Jahre negativ ein. Ähnliches war auch in einer Umfrage des Branchenverbandes zu sehen. Hier gaben knapp zwei Drittel der befragten Hotelbetriebe an, für das laufende Jahr, sowohl in den Städten als auch in den Ferienregionen, eine negative Preisentwicklung zu erwarten.

Zwischen 2008 und 2014 sind die Übernachtungen aus Nachbarländern um 23,5 Prozent zurückgegangen. „Das entspricht fast genau der Abnahme des Wechselkurses, der in derselben Periode von 1,59 auf 1,21 EUR/CHF (-23,3 %) gefallen ist“, so Deloitte.

Bereits im Februar hatte der Unternehmerverband hotelleriesuisse einen Maßnahmenkatalog zur Abkoppelung des Franken vom Euro veröffentlicht. „Nachdem die Nationalbank im Januar 2015 den Euro-Mindestkurs aufgehoben hat und der Schweizer Hotellerie damit im Vergleich zur ausländischen Konkurrenz über Nacht ein Kostennachteil von rund 20 Prozent erwachsen ist, braucht die Branche aber zusätzliche Massnahmen, die sofort greifen“, so der Verband.

Außerdem könne der Preiskampf, dem die Betriebe aufgrund rückläufiger Buchungen ausgesetzt seien, die Ertragslage verschlechtern und damit auch zahlreiche finanziell gesunde Betriebe unter Druck setzen. Einstellungsstopps bzw. Entlassungen hat es dem Verband zufolge bisher aber nur vereinzelt gegeben.

Nur etwa ein Viertel der von Deloitte befragten Hotels konnte im vergangenen Jahr die eigenen Umsatzerwartungen und Gästezahlen übertreffen. Hier konnten mehr Gäste aus Asien und dem Inland die einbrechenden Gästezahlen aus Osteuropa – insbesondere Russland – noch kompensieren. Bei vielen Hotels war das jedoch nicht der Fall. Fast die Hälfte gab an, die eigenen Erwartungen hätten sich knapp nicht erfüllt und immerhin 28 Prozent blieben hinter ihren Erwartungen.

Neben sinkenden Gästezahlen war es im vergangenen Jahr für viele Hotels in der Schweiz auch schwierig, an neue Finanzmittel zu gelangen. 77 Prozent der befragten Hoteliers gaben an, dass der Zugang zu Finanzmitteln für sie schwierig bzw. sehr schwierig war. Aus diesem Grund hätten die Hotels auf die Innenfinanzierung etwa über nicht ausgezahlte Gewinne und Abschreibungen zurückgegriffen, so die Untersuchung. „Privatinvestitionen spielen insbesondere im Luxussegment eine grosse Rolle, wenn es um die schnelle und kurzfristige Bereitstellung von Finanzmitteln geht.“

Ein weiterer Standortnachteil ist die hohe Regulierungsdichte in der Schweiz. Der Landes-Gesamtarbeitsvertrag (L-GAV), die Mehrwertsteuer und die Verlängerung des Sondersatzes sind nur ein paar der Stichpunkte, die die Hotels in dem Zusammenhang nannten.

Angesichts der Verlängerung der Russland-Sanktionen und des anhaltend hohen Frankenkurses ist eine kurzfristige Erholung in der Branche nicht unbedingt zu erwarten. Allerdings gibt es Deloitte zufolge einen Bereich, in dem die Hotelbranche in der Schweiz wieder mehr Gäste anlocken könnte. So birgt der Gesundheitstourismus noch deutliche Wachstumschancen. Sowohl Wellness als auch medizinische Dienstleistungen sind gefragt. Eine Rehabilitation nach Operationen oder bei psychischem Stress sind nur zwei potentielle Aspekte.

Dennoch planen bisher lediglich 15 Prozent der befragten Hoteliers den Ausbau der Aktivitäten im Bereich des Gesundheitstourismus. Hier verhinderten nach Angaben der Hoteliers fehlende Fachkräfte und fehlende Lösungsansätze bisher eine schnellere Fokussierung. Zusätzliche Vorgaben hinsichtlich der Hygieneanforderungen beim Gesundheitstourismus werden ebenfalls als Hindernisgrund genannt.

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