Logistik und Industrie erwarten Besserung

Trotz zahlreicher Streiks setzen die deutschen Logistikfirmen auf ein gutes Geschäft in diesem Jahr. Ähnliches ist von der Industrie zu hören. Hier belasten zwar die Russland-Sanktionen die Branche. Allerdings wird immer noch mit steigenden Gewinnen gerechnet.

Die deutschen Logistikfirmen profitieren zunehmend von der besseren Konjunktur. Die Geschäfte laufen derzeit gut, wie aus einer am Montag veröffentlichten Umfrage des Kieler IfW-Instituts und der Bundesvereinigung Logistik (BVL) hervorgeht. „Dies ist umso beachtlicher, als die Logistikaktivität im laufenden Quartal von Rekordstreiks im Güterbahnverkehr behindert wurde.“ BVL-Chef Raimund Klinkner erklärte dazu: „Die Unternehmen zeigen sich von Störfaktoren wenig beeindruckt.“ Die Notfallsysteme funktionierten.

Dennoch haben die jüngsten Ausstände der Lokführergewerkschaft GDL ihre Spuren hinterlassen. IfW-Konjunkturchef Stefan Kooths sprach von zunehmenden Sorgen, dass die Streikbereitschaft in Deutschland zunimmt. Das vom IfW berechnete Logistik-Barometer für das zweite Quartal stieg um 6,3 auf 135 Punkte. Ab 100 Zählern signalisiert der Index Wachstum.

Bei den Anbietern von Logistikdienstleistungen (Transportunternehmen) habe vor allem ein wieder stärker anziehender Auftragseingang den Dämpfer bei der Lageeinschätzung aus dem Vorquartal wettgemacht. „Die größte Herausforderung sehen die befragten Anbieter und Anwender im demografischen Wandel und der sich daraus ergebenden Verknappung von Fachkräften. Rang zwei teilen sich die Geschäftsbehinderung durch eine unzureichende Infrastruktur sowie die Sorge um eine höhere Streikbereitschaft in Deutschland“ so Kooths. Die derzeitigen wirtschaftspolitischen Unsicherheiten (Griechenlandkrise, Stabilität des Euro) und geopolitischen Spannungen (Ukraine, Russlandembargo) würden von den Logistikanwendern etwas stärker gewichtet als von den Logistikdienstleistern.

Und auch die  deutsche Industrie rechnet im laufenden Jahr mit steigenden Gewinnen. „Die Firmen des Verarbeitenden Gewerbes sind derzeit zufriedener mit ihrer Ertragslage als 2014“, teilte das Münchner Ifo-Institut am Montag zu einer Umfrage unter rund 3500 Firmen mit. Optimistisch zeigten sich vor allem die Autobauer, Chemiebetriebe und Nahrungsmittelhersteller. „Überraschend gut geht es auch den Bekleidungsherstellern“, sagte Ifo-Experte Michael Ebnet zu Reuters. „Sie haben sich stark auf internationale Arbeitsteilung eingestellt und viel ausgelagert.“

Etwas weniger zuversichtlich äußerten sich demnach Baustofffirmen, Getränkehersteller und Unternehmen aus der Metallerzeugung und -verarbeitung. Das gesamte Barometer für das Betriebsergebnis aus gewöhnlicher Geschäftstätigkeit steht nach Ifo-Angaben bei 107,2 Punkten, nach 105,9 Punkten im Jahresschnitt 2014. Damit liegt der Index weit über dem langfristigen Mittel von 100,5 Zählern seit Umfrage-Beginn 2002.

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