Produktion im Euroraum so stark wie seit Jahren nicht

Im Juni verzeichnete die Eurozone das größte Wirtschaftswachstum seit 2011. Sowohl in der Industrie als auch im Service-Bereich gab es Zuwächse. Sinkende Auftragseingänge und höhere Grundkosten werden das Wachstum allerdings in den kommenden Monaten dämpfen.

Mit der Griechenland- und Ukraine-Krise sowie einem angeschlagenen chinesischen Wachstum hat es die europäische Wirtschaft in den vergangenen Wochen nicht leicht gehabt. Eine stärkere Nachfrage aus den USA und Europa selbst konnte zusammen mit dem gesunkenen Ölpreis aber gegenhalten. Und so verzeichnete die Eurozone im Juni das stärkste Wirtschaftswachstum seit vier Jahren.

Der dafür entscheidende Index Markit Flash Eurozone Composite Index Produktion stieg im Juni um 0,5 Punkte auf 54,1 Punkte. Wobei alles über der Grenze von 50 Punkten Wachstum symbolisiert. Sowohl in der Industrie als auch im Service-Sektor wurde ein Wachstum verzeichnet. Vor allem die schnelle  Zunahme des Wachstums in Deutschland und in Frankeich sei Markit zufolge ausschlaggebend gewesen.

„In den von der Umfrage erfassten Ländern außerhalb Deutschlands und Frankreichs ging es mit der Wirtschaft laut Juni-Daten so zügig bergauf wie zuletzt vor acht Jahren, und die Beschäftigung legte dort so stark zu wie seit dem dritten Quartal 2007 nicht mehr“, so Chris Williamson von Markit. Den PMI-Daten für das laufende Quartal zufolge könnte die Eurozone in diesem Jahr um zwei Prozent wachsen.

In Deutschland kletterte der Composite Index Produktion im Juni von 52,6 auf 54,0 Punkte. Allerdings gab es bei den Auftragseingängen den geringsten Zuwachs seit Jahresbeginn und die Auftragsbestände nahmen das dritte Mal in Folge ab. „Vor allem aufgrund von Währungseffekten, aber auch infolge höherer Personalkosten und der Verteuerung einiger Rohstoffe setzt sich der Kostenanstieg im Juni zum vierten Mal hintereinander fort.“ Entsprechend rechnet Markit für Deutschland mit einer Abkühlung der deutschen Konjunktur in den kommenden Monaten.

Die Schwierigkeiten der deutschen Wirtschaft spiegeln sich auch in der Eurozone. Auch hier verringerte sich das Auftragsplus: das dritte Mal hintereinander. „Die Dämpfer bei Auftragseingang und Geschäftsaussichten waren vor allem auf die zunehmende Verunsicherung der Unternehmen infolge der Schuldenkrise Griechenlands zurückzuführen.“ Eine politische Unsicherheit, die sich auch in den kommenden Monaten nicht legen wird. Denn selbst, wenn sich die Eurogruppe mit Griechenland einigt, steht noch eine Abstimmung im griechischen Parlament bevor.

Die am Montag von der EU verlängerten Russland-Sanktionen werden ebenfalls weitere Auswirkungen nach sich ziehen. Und aufgrund der gestiegenen Ölpreise, höherer Lohnkosten und der währungsbedingten Verteuerung von Einfuhrgütern legten die Einkaufspreise im Juni weiter zu.

Darüber hinaus hat sich die Wirtschaft eines wichtigen Handelspartners der Euroländer, China, bislang keineswegs erholt. Zwar stieg der entsprechende Markit-Index im Juni von 49,2 auf 49,6 Punkte. Damit liegt die Produktion jedoch noch immer unter der 50-Punkte-Wachstumgsgrenze: Das vierte Mal in Folge. Es kam im Juni zum größten Stellenabbau in der Industrie seit sechs Jahren.

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