Deutsche Bahn verfehlt Gewinnziele deutlich

Die Deutsche Bahn hat mit ihrem derzeitigen Geschäft ihren eigenen Gewinn-Plan nicht einhalten. Weder im Mai noch in den Monaten davor war dies gelungen. Auch auf das gesamte Jahr hochgerechnet, bleibt das Unternehmen weit unter den eigenen Zielen.

Die Deutsche Bahn wird auch 2015 und damit zum dritten Mal in Folge ihre Gewinnziele verfehlen. Bis einschließlich Mai verzeichnete der Staatskonzern ein Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) von 625 Millionen Euro, wie Firmendokumente zeigen, die der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag vorlagen. Geplant hatte die Bahn mit 780 Millionen Euro, sie liegt also um rund 20 Prozent hinter den eigenen Zielen.

Ein Grund dafür sind die Lokführerstreiks. Im Gesamtjahr 2015 wollte die Bahn ursprünglich 2,2 Milliarden Euro operativen Gewinn erzielen, den Dokumenten zufolge hat sie die Planung inzwischen auf 2,0 Milliarden Euro gekappt.

Aber auch dafür müsste sie nun zwischen Juni und Dezember einen Gewinnsprung machen und mehr als doppelt so viel verdienen wie bis Mai. Konzernmanager hatten Reuters zuletzt gesagt, sie rechneten am Ende daher nur mit rund 1,7 Milliarden Euro. Die Bahn will ihre Halbjahreszahlen im Juli veröffentlichen. Der verlorene Deal mit dem Rhein-Ruhr-Express dürfte das Unternehmen auch noch einmal einiges Kosten.

Darüber hinaus soll die Deutsche Bahn ihren Schulden bis 2018 auf fast 20 Milliarden Euro erhöhen, wie vor ein paar Tagen von Reuters aus Konzernkreisen zu hören war. Derzeit liegen sie bei gut 16 Milliarden Euro. Allerdings würden die Verbindlichkeiten wohl noch rasanter steigen, hieß es: Der Plan sei vom Konzern selbst als veraltet bezeichnet worden, da die Auswirkungen der Lokführerstreiks nicht berücksichtigt seien. So werde die Bahn in diesem Jahr keine zwei Milliarden Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) erreichen, sondern wohl eher 1,7 Milliarden Euro. Nach Zinsen, Steuern und der Dividende könne sogar ein Verlust entstehen, hatte Finanzvorstand Richard Lutz bereits gewarnt.

Ein Bahn-Sprecher sagte, zu internen Zahlen nehme man nicht Stellung. Er verwies auf die Halbjahrespressekonferenz im Juli. Bereits im vergangenen Jahr hatte die Bahn unterm Strich nur noch knapp 300 Millionen Euro verdient, unter anderem wegen der Konkurrenz der Fernbusse, Streiks, Unwetter und Problemen im Güterverkehr. Dies ist zu wenig, damit die Bahn die notwendigen Investitionen aus eigener Kraft bezahlen kann. Sie muss also mehr Schulden machen. Von ursprünglich bis 2020 geplanten Zukäufen hat sie bereits Abstand genommen.

 

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