Weltweiter Protektionismus kostet Export Milliarden

Handelsbarrieren behindern massiv den weltweiten Güteraustausch. Allein seit 2014 sind mehr als 800 neue weltweit hinzugekommen. Vor allem Russland und Indien haben in den vergangenen Monaten zahlreiche Sanktionen verhängt.

Export und Import gern, aber, wenn es um die eigene Wirtschaft geht, greifen viele Staaten noch immer auf protektionistische Maßnahmen zurück. Ob die EU, die USA, China oder Russland überall wird versucht, die eigenen Unternehmen zu stärken. Seit 2014 sind weltweit über 800 neue Handelsbarrieren hinzugekommen, wie eine aktuelle Studie des Kreditversicherers Euler Hermes zeigt.

„Auf dem Menü des weltweiten Exports stehen als Vorspeise Preisdruck-Deflations-Soufflé, Protektionismus-Geschnetzeltes als Hauptgang und zum Dessert Zahlungsausfalltörtchen“, sagte Ludovic Subran, Chefökonom von Euler Hermes. Dank neuer Zollbestimmungen, steigenden Zahlungsfristen und politischen Machtkämpfen wird dem weltweiten Export 2015 ein Umsatz 560 Milliarden Dollar entgehen.

Die mit Abstand meisten Handelsbarrieren setzte Russland im vergangenen Jahr um (96). Die zahlreichen Sanktionen auf Seiten der EU und der USA hatten daran einen nicht unerheblichen Anteil. Indien und Brasilien folgten Russland mit 93 und 55 Schutzmaßnahmen.

Dabei sind Euler Hermes zufolge die meisten Schutzmaßnahmen so speziell, dass sie meist nur die von ihnen betroffenen Unternehmen kennen. „Wer kennt schon das Importverbot für Reis in Gambia oder die Steuern, die in Kasachstan auf chinesische Zitronensäure anfallen“, so Subran. Demnach wäre aber das Handelsabkommen TTIP Subran zufolge „die weltweit größte Handelsbarriere. Schließlich würde es Afrika und Asien derzeit vom „Buffet der europäisch-amerikanischen Delikatessen“ ausschließen.

Beim Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) geht der Blick bei TTIP jedoch nicht in Richtung „Konsequenzen für Afrika und Asien“, sondern hin zu Vorteilen durch Wegfall der Handelsbarrieren zwischen den beiden Handelspartnern: USA und EU.  TTIP könnte, so das IW, gegen den Trend des zunehmenden Protektionismus sogar ein wichtiges Liberalisierungssignal setzen, langfristig Arbeitsplätze sichern und zu mehr Wohlstand bei den Konsumenten und auf beiden Seiten des Atlantiks führen. „Allein im Industriewarenhandel könnten nach IW-Schätzungen rund 3,5 Milliarden Euro Zollabgaben wegfallen, die bisher Güter unnötig verteuern“, so die Studie. Besonders kleinen und mittleren Unternehmen würden durch die Partnerschaft neue Exportmöglichkeiten eröffnet.

Schon jetzt aber greift die EU immer stärker ein. Neben Russland ist vor allem China vom europäischen Protektionismus betroffen. Die EU ist hinter China der derzeit zweitgrößte Stahlproduzent der Welt. Und so macht der europäischen Stahlindustrie vor allem die Konkurrenz aus China und Russland zu schaffen.

Mitte Mai etwa hatte die EU-Kommission angekündigt, über vorübergehende Maßnahmen zur Bekämpfung von Anti-Dumping-Preisen zu beraten. Diesmal geht es vor allem um Stahlprodukte aus Russland und China. Im März wurden Strafzölle für Edelstahl aus China und Taiwan verhängt.

Kommentare

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  1. krabbel sagt:

    Na ja, ich würde sagen, der Westen mit seinen Sanktionen ist da nicht ganz unschuldig.

    Wenn Russland sich nicht auf seine Handelspartner verlassen kann, werden sie sich auf sich selbst besinnen. Den Russen das dann auch noch vorzuwerfen, ist dann ziemlich albern.

  2. müller sagt:

    Das was uns da IW vorbetet, sind die gleichen Versprechen , die man uns zur Euro-Einführung gemacht hat. Langfristige Arbeitsplätze,- mehr Wohlstand bei den Konsumenten, wegfallen der Zollabgaben, die alles günstiger machen. Schaut man sich die EU heute an, ist nur noch Krise angesagt, – alle Versprechungen der Wirtschaftsexperten wie immer für die Tonne.

    • Hans von Atzigen sagt:

      Das haben Sie sehr gut auf den Punkt gebracht vormuliert.
      Tja die Wirtschaftsexperten.
      Fürchte die haben den Überblick verloren.
      Ohne, eine wenigstens Gesamt-Grobrasteranalyse
      gibt es auch keine Lösungsansätze.
      Nüchter besehen stochern die wild dureinander
      in einer Nebelsuppe,schlicht jegliche Orientierung verloren.
      Verspricht wenig gutes, angesichts diesen Hintergrundes.
      Freundliche Grüsse