Grexit könnte Portugal gefährlich werden

Portugal wird gern als Musterschüler der Sparprogramme bezeichnet. Die Regierung des Landes gab sich entsprechend hart, als es darum ging, Griechenland mit einem Schuldenschnitt entgegenzukommen. Doch ohne Folgen wäre ein Grexit für Portugal auch nicht. Im Gegenteil, das Land würde Experten zufolge sogar erheblich darunter leiden.

Bei den Verhandlungen zwischen den internationalen Gläubigern ist ein möglicher Grexit immer wieder Thema. Auf der einen Seite drohten Tsipras und Varoufakis genau damit, auf der anderen Seite raten Ökonomen wie Hans-Werner Sinn vom Ifo-Institut dem Land sogar dazu. Ohne Frage würde dies zu erheblichen Umwälzungen und Schwierigkeiten führen.

Neben Italien, das sich in erheblichen Schwierigkeiten befindet und das too big to fail ist, könnte besonders Portugal unter einem Grexit leiden. Zwar wird das Land gern für den erfolgreichen Abschluss des Bailout-Programms belohnt, doch es steht auf wackeligen Füßen. Auch, wenn es die portugiesische Regierung vehement bestreitet: „Portugal ist nach Griechenland das schwächste Glied in der Eurozone“, zitiert die FT Antonio Roldán des Beratungsunternehmens Eurasia Group.

Zwar konnte sich das Land in den vergangenen Monat über sinkende Zinssätze freuen, doch zuletzt zogen diese wieder kräftig an. Lagen die Zinssätze für zehnjährige Anleihen beispielsweise am 9. April nur 1,64 Prozent, waren es am 27. Mai mit etwa 2,48 Prozent ebenfalls noch relativ niedrige Zinsen. Am 15. Juni aber stiegen die Anleihen im Zuge der Griechenland-Verhandlungen auf 3,25 Prozent an. Die UBS geht sogar davon aus, dass sich die Kreditkosten für Portugal im Falle eines Austritts Griechenland verdoppeln könnten.

In Portugals Regierung sieht man das jedoch nicht so streng. „Wenn etwas sehr ernstes mit Griechenland geschieht, wird Portugal nicht der nächste sein, der stürzt“, sagte Premier Pedro Passos Coelho. Man habe mittlerweile die Kapazitäten, um bis hinein in die erste Hälfte des kommenden Jahres vom Markt unabhängig zu sein. Die Schuldenagentur des Landes sieht das ähnlich. Demzufolge hätte man genug für die zu bedienenden Schulden in diesem Jahr und noch einen Cash-Puffer in Höhe von zehn Milliarden Euro. „Die Koffer sind voll“, zitiert die FT die Finanzministerin Maria Lúis Albuquerque.

Doch nicht überall im Land wird dieses Sicherheitsgefühl geteilt. Coelhos Partei hat bei den Regionalwahlen herbe Verluste hinnehmen müssen, die Gegenbewegung Podemos erhält immer mehr Zuspruch. Die spanische Bevölkerung sieht die angeblichen Bailout-Erfolge nicht, sie leidet weiter unter den Einsparungen.

Und auch Fernando Teixeira dos Santos, der Finanzminister a. D. der Sozialisten sieht den Optimismus der jetzigen Regierung skeptisch. „Ich zweifle daran, dass wir einem langen Kampf um Stärke mit dem Markt standhalten können.“ Der Puffer könnte die öffentlichen Finanznöte für einige Monate decken, aber die privaten Unternehmen und der Bankensektor wären bei einem Grexit auch schwer getroffen. „Das ist ein Film, den ich schon einmal gesehen habe“, sagte er gegenüber dem portugiesischen Radio.

Mit einer nationalen Verschuldung in Höhe von 130 Prozent des BIP ist Portugal zudem weiterhin eine der am höchsten verschuldeten Nationen in Europa. „Portugal wird als risikoreichster Kreditnehmer nach Griechenland angesehen“, sagt auch Lyn Graham-Taylor von der Rabobank. Portugal sei hochverschuldet und habe einfach nicht die wirtschaftliche Kraft wie andere verschuldete Staaten.

Kommentare

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  1. Matthes sagt:

    Vielleicht fühert das dann zu einer Bereinigung der EU-Mitgliedschaften. Von der EU „zugekaufte“ Mitglieder, die nur mit billigem Geld bei der Stange gehalten werden können, dürfen gerne gehen. Dann kann sich die EU wieder ihren originären Zielen widmen.

  2. Hans von Atzigen sagt:

    Mal nüchtern und elend knall hart.
    Die EU hat schlicht und einfach NICHTS auf dem
    Tisch das eine Reale Verbesserung bringen kann.
    Ausser Monetären Feurwehrübungen grassiert
    da nur noch das Prinzip Hoffnung.
    Wohl das Einzige das der erdrückenden Mehrheit
    aller Beteilgten gemeinsam ist, vom Einzelnen
    der unter den Elenden Fakten leidet bis zu
    den Toppspitzen in Regierung und Wirtschaft.
    Freundliche Grüsse.

  3. Cuibono sagt:

    Worin liegt die gefürchtete „Ansteckung“?
    Daß sich Portugal auch ENTschulden könnte?

  4. Datura sagt:

    „Grexit könnte Portugal gefährlich werden“ Was kann schon passieren was Portugal gefährlich sein könnte? Kommt dann ein amerikanischer Nuklearangriff? Ich erlaube mir doch die Prognose, dass es dazu nicht kommen wird.
    Es kann Portugal nicht gefährlich werden. Es kann nur sein dass Portugal dann ebenfalls aus den Euro aussteigt.
    Aber es wird sicher nicht zu einem (wünschenswerten) Grexit kommen, denn das wird wahrscheinlich nicht von Politikern entschieden sondern von Banken. Die können an Griechenland viel mehr verdienen wenn es im Euro bleibt.
    Der schlechteste Fall wäre für die EU: Griechenland steigt aus dem Euro aus und der Wirtschaft geht es nach 2 Jahren gut. Dieses muss auf alle fälle verhindert werden, daher muss der Grexit verhindert werden.