Österreich: Schlusslicht im Euroraum

Während sich die Wirtschaft in der Eurozone insgesamt über hohe Zuwachsraten freut, wird Österreich langsam abgehängt. Und das Wachstum wird in diesem Jahr doch deutlich geringer sein, als zunächst angenommen.

Die anhaltende Produktionssteigerung in Deutschland, in Frankreich und in etlichen südeuropäischen Ländern schlägt sich auch auf das Wachstum in der Eurozone wieder. Im ersten Quartal erreichte das BIP der Eurozone ein Plus von 0,4 Prozent und damit mehr als die USA. Für das ganze Jahr wird entsprechend mit einem Wachstum von 1,6 Prozent gerechnet, so aktuelle Berechnungen von Ernst & Young. Österreich kann hier jedoch derzeit nicht mithalten.

Mit einem Wirtschaftswachstum von 0,7 Prozent erreicht die Alpenrepublik noch nicht einmal die Hälfte des Wachstums in der Eurozone. Ursprünglich war sogar ein Wachstum von 1,1 Prozent prognostiziert worden. Für 2016 wurden die Schätzungen inzwischen auch nach unten korrigiert: von 2,1 auf 1,7 Prozent.

„Österreichs Wirtschaft hat einen noch schwächeren Jahresstart hingelegt als befürchtet“, sagt Helmut Maukner von Ernst & Young. Mit einem Wachstum von nur 0,1 Prozent im ersten Quartal lag die heimische Wirtschaft weit unter dem Eurozonen-Schnitt von 0,4 Prozent. Damit gehöre Österreich mit Griechenland und Estland sowie Litauen zu den Schlusslichtern. Eurostat zufolge wird Österreich im vierten Quartal sogar ein Nullwachstum verzeichnen.

Während beispielsweise die Produktion im Baugewerbe in der Eurozone im März noch um 0,6 Prozent gegenüber dem Vormonat gestiegen war, sank sie in Österreich: Im Februar um 3,4 Prozent und im März noch einmal um 0,2 Prozent. Ähnlich sieht es in der Industrieproduktion aus. Diese ging in der EUorzone um 0,4 Prozent zurück, in Österreich um 0,8 Prozent.

Zusätzlich werden die Firmen in Österreich aufgrund steigender Arbeitskosten belastet. Sie sind im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahresquartal um 3,1 Prozent gestiegen. Gleichzeitig trennten sich die Unternehmen vermehrt von Mitarbeitern. Im EU-Vergleich gehörte Österreich zu den drei Ländern mit den größten Anstiegen der Arbeitslosenquote im April. Sie stieg von 5,5 auf 5,7 Prozent. In 22 Mitgliedsstaaten war die Arbeitslosenquote gesunken.

Entsprechend sieht auch Ernst & Young in den kommenden Monaten keine Besserung für die Österreichische Wirtschaft. „Die anhaltend schwachen Investitionen führen dazu, dass Österreichs Wirtschaft auch in diesem Jahr nicht mehr in die Gänge kommt“, so Maukner. Dazu komme, dass die kaum abschätzbaren Auswirkungen des Russland-Ukraine-Konflikts sowie der Griechenland-Krise Österreich stärker belasten als die meisten anderen Länder in der Eurozone. Er rechnet mit einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von 1,6 Prozent bis 2019. Damit liege Österreich in der Fünfjahresprognose nur auf Platz 15 aller Euroländer.

Mitverantwortlich dafür ist auch der Export Österreichs. 2014 brachen die Ausfuhren ein und erst langsam gebe es wieder einen Anstieg. Ernst & Young rechnet sogar mit Exportüberschüssen in diesem Jahr. Die allerdings aufgrund einiger internationaler Handelspartner nicht so stark ausfallen. So hätten vor allem seit 2008 die Exporte nach Russland, Frankreich und China zugenommen. 2014 waren es immerhin elf Prozent der österreichischen Exporte. Doch für alle drei Länder sind die Wachstumsprognosen eher schlecht.

China leidet unter einer großen Schattenwirtschaft, starker Verschuldung der lokalen Regierungen und einer bisher zu stark staatlich gelenkten Wirtschaft. Russland andererseits sieht sich verlängerten EU-Sanktionen gegenüber und verlängerte auf der anderen Seite seine Sanktionen gegenüber der EU erneut. Außerdem hat sich das Land von dem Rubel und Ölpreis-Einbruch mitnichten erholt. Zahlreiche russischen Unternehmen sind zudem hoch verschuldet. Zahlreiche wichtige Unternehmen wie der Öl- und Gasriese OMV, der Baukonzern Strabag, das Öltechnologieunternehmen Catoil oder Banken wie Raiffeisen oder Bank Austria sind in Russland stark engagiert.

Eine Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) geht davon aus, dass im Extremfall aufgrund der Russland-Sanktionen 45.000 Jobs wegfallen könnten. Sollten die Sanktionen noch einmal verschärft werden, kann der Export nach Russland um ein Viertel einbrechen, das entspricht einem Verlust der Bruttowertschöpfung in Höhe von 2,9 Milliarden Euro.

Kommentare

Dieser Artikel hat 4 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. hugin sagt:

    DAS ERGEBNIS EINER CHAOS-REGIERUNG
    Ständig neue Belastungen, eine „Steuer-Reform“ welche zu 40% durch Bekämpfung von Steuerbetrug und Registriekassen-Pflicht finanziert werden soll. Bereits der 3.Finanzminister, steigende Staats-Schulden, 450.000 Arbeitslose, sinnlose Aktionen, wie Strassen-Umbenennungen, Genderwahn, Gesetz gegen „PO-Grapschen“ und anderer Schwachsinn. Mit solchen Polit-Amateuren ist eine Besserung nicht zu erwarten.

  2. ralph hirnrabe sagt:

    Es gibt zu wenig Kriminelle in Österreich. Wären es mehr, könnten die Schätzungen für die „Schattenwirtschaft“ in Österreich ähnlich wie in Italien weit nach oben angepasst werden.

    http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/nachrichten/neue-bip-berechnung-guten-morgen-wir-sind-reicher/10329916.html

  3. Andy sagt:

    Die 45.000 Jobs machen gar nichts. Den Österreichern gefällt das! Wie die Wahlen, wo die entsprechend schuldigen Politiker von 2/3 gewählt werden, beweisen!
    Nach ihrer damaligen Ministerin Ederer bringt die EU jedem Ösi einen Tausender mehr im Monat und der Bargeldüberhang dieses Völkchens ist mittlerweile offenbar so drückend, daß sie gar nicht mehr wissen, wo sie das Geld noch verteilen sollen.
    Korruption, Verschwendung, Bankensozialismus, Griechenland, Wirtschaftsflüchtlinge – der Ösi finanziert all das mit Freude. Er hat es ja!
    Die Österreicher – früher neutral und selbständig – haben sich mit 2/3 Mehrheit entschlossen, ihre Neutralität aufzugeben, sich der EU anzuschließen, den ESM zu bezahlen und sich an den Kriegen und Sanktionen der EU zu beteiligen. Sie bekommen also nur, was sie sich gewählt haben.
    Dabei sollten die Ösis wissen, was derlei „Anschlüsse“ am Ende so mit sich bringen. Aber wer aus der Geschichte nichts lernt, muss sie eben wiederholen…

  4. georg sagt:

    Jahrelang hat uns die Politik hochgejubelt. Wir sind die besten im Euroraum trotz allgemeiner Rezession. Eine unausgegorene Steuerreform war das erzwungene Ergebnis. Was Fachkundige bereits seit einigen Jahren prognostizierten ist nun eingetreten. Unsere Politik im Parteienstreit hat restlos versagt und die Zukunft wird den weiteren wirtschaftlichen Abstieg bestätigen.