Österreichs Unternehmen finden keine Fachkräfte

Die österreichischen Firmen finden zunehmend keine passenden Mitarbeiter mehr. Nach eigenen Angaben suchen mehr als ein Drittel der Firmen Fachkräfte, aber ohne Erfolg. Das erschwert die Zufriedenstellung der Kunden erheblich. Gegenmaßnahmen haben aber bisher die wenigsten ergriffen.

Der Fachkräftemangel ist nicht mehr ein rein nationales Phänomen. Die Zahl der Bevölkerung auf der Erde steigt, doch gleichzeitig fehlen Fachkräfte. Weltweit ist die Zahl der Arbeitgeber mit Schwierigkeiten bei der Besetzung offener Stellen von 36 Prozent im vergangenen Jahr auf 38 Prozent gestiegen. Dem Personaldienstleister Manpower zufolge handelt es sich dabei um den höchsten Wert seit der Wirtschaftskrise. Vor allem in Japan und Peru suchen die meisten Arbeitgeber nach dem richtigen Fachpersonal. „Betrachtet man die Veränderungen zum letzten Jahr, so hat sich der Prozentsatz der Arbeitgeber, die einen Fachkräftemängel berichten, in 29 der 42 Länder erhöht.“

Innerhalb eines Jahres hat die Zahl der österreichischen Unternehmen, die keine Fachkräfte finden, leicht abgenommen. Allerdings sind es mit 39 Prozent noch immer mehr als ein Drittel der nationalen Firmen. Vor allem die Suche nach Facharbeitern/Handwerkern, Technikern und Fahrern ist den Unternehmen zufolge schwierig. In Deutschland geben 46 Prozent der Firmen an, kaum geeignetes Personal finden zu können.

Seit 2012 gibt es hinsichtlich des Fachpersonals bei den Facharbeitern/Handwerkern in Österreich die größten Probleme. 26 Prozent der zum Gewerbe und Handwerk zählenden Unternehmen leiden unter Fachkräftemangel, so die KMU Forschung Austria. Der Bedarf an qualifizierten Fachkräften dürfte demnach aktuell bei mindestens 14.000 liegen. Interessanterweise ist das Gewerbe aber auch Österreichs größter Arbeitgeber und wichtigster Ausbildungssektor. Der Bedarf an Fachkräften ist der KMU Forschung Austria zufolge bei Dachdeckern, Spenglern, Elektrotechnikern und Gärtnern am höchsten.

Aber auch im Gastgewerbe und unter den Vertriebsleitern hat der Fachkräftemangel zugenommen. Immerhin 46 Prozent der österreichischen Arbeitgeber geben an, dass sich der Fachkräftemangel negativ auf die Befriedigung der Kundenbedürfnisse auswirkt.

Darüber hinaus führt der Fachkräftemangel den Unternehmen zufolge aber auch zu einer verminderten Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitsmoral sowie einer geringeren Innovationskraft und sogar Kreativität. Eine erhöhte Mitarbeiterfluktuation wird ebenfalls von den Firmen im Zusammenhang mit Fachkräftemangel genannt. Immerhin noch 43 Prozent sehen das als Folge.

Drei Hauptgründe werden zumeist genannt: Einerseits sei es einfach schwierig, den richtigen Bewerber zu finden. Andererseits mangele es den Bewerbern an so genannten Hard Skills (43 %) und Soft Skills (20 %). Erich Pichorner von Manpower sieht aus diesem Grund trotz des leichten Rückgangs noch keinen Grund zur Entspannung für Österreich. „Alarmierend ist für mich, dass 31 Prozent der Befragten derzeit noch keine Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel setzen“, so Pichorner. Und dass, obwohl fast jeder zweite heimische Arbeitgeber angebe, der Fachkräftemangel wirke sich negativ auf die Befriedung der Kundenbedürfnisse aus.

Dabei wäre Österreich auch für internationales Fachpersonal sehr interessant. Ein Blick auf die Arbeitsstunden zeigt, warum. Mit nur 36,7 Arbeitsstunden gehört Österreich mit Deutschland (35,3 Std.) zu den europäischen Ländern mit den geringsten durchschnittlichen Arbeitsstunden pro Woche. Griechen hingegen arbeiten etwa 41,9 Stunden durchschnittlich pro Woche, wie eine Analyse von Qlik, einem Anbieter für Datenanalysen, zeigt.

Ein Blick auf die Produktivität macht aber deutlich, dass nicht jede geleistete Arbeitsstunde auch sehr produktiv ist. So trägt ein Grieche pro Arbeitsstunde nur 23 Euro zum Bruttoinlandsprodukt des Landes bei. In Österreich schafft eine Arbeitsstunde 37 Euro, in Deutschland 42 Euro. Das spiegelt sich auch im durchschnittlichen Jahreseinkommen wieder. Mit 52.041 Euro im Durchschnitt verdient man in Luxemburg am meisten. Österreich belegt mit 33.666 Euro den neunten Platz im europäischen Vergleich.

Kommentare

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  1. Zauberlehrling sagt:

    Merkwürdig.
    Und das trotz massenhafter Einwanderung bestausgebildeter Facharbeiter ?
    Da stimmt doch was nicht ( Ironie aus )

  2. Delta120 sagt:

    Natürlich will jeder einen Einstein und will nur Mindestlohn bezahlen. Aber jede Regierung muss Arbeit für ihr vorhandenes Volk bereitstellen und nicht für ein Wunsch-Volk.