Schweizer Exporteure leiden unter dem Franken

Die Aufwertung des Frankens ist in der Schweizer Exportwirtschaft besonders stark zu spüren. Das Risiko für die Unternehmen ist gestiegen. Die meisten Unternehmen rechnen damit, dass sich die Situation in den kommenden Monaten auch nicht verbessern wird. Deshalb vergrößern sie die Liste der Exportländer und erhöhen die Überprüfung der Kreditwürdigkeit ihrer Handelspartner.

Das Risiko für Unternehmen ist gestiegen. Die meisten Firmen rechnen damit, dass sich die Situation in den kommenden Monaten auch nicht verbessern wird. Deshalb vergrößern sie die Liste der Exportländer und erhöhen die Überprüfung der Kreditwürdigkeit ihrer Handelspartner.

Zwar ist die Entkoppelung des Frankens bereits mehrere Monate her, doch die Folgen sind immer noch unmittelbar zu spüren. Vor allem in der Schweizer Industrie und im Export kämpfen die Unternehmen mit der hohen Frankenaufwertung. Der aktuelle „Exportrisiko-Monitor“ des Kreditversicherungsunternehmens Euler Hermes macht dies noch einmal sehr deutlich.

Drei Hauptrisiken sehen sich die Schweizer Exportfirmen gegenüber. So gab mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen an, dass sie aufgrund der Währungssituation Aufträge verloren hätten. Ein Viertel wartet noch immer auf nicht beglichene Rechnungen aus dem Ausland und zehn Prozent leiden unter anderem deswegen unter Liquiditätsproblemen.

Die Exporte werden der Konjunkturforschungsstelle KOF zufolge in diesem Jahr insgesamt nur um 1,5 Prozent zulegen. Das ist vor allem einem Plus von 1,8 Prozent im Dienstleistungsbereich zu verdanken. Die Waren- und Tourismusexporte werden zurückgehen. Die von der KOF befragten Experten erwarten sogar eine Stagnation für die Exporte in diesem Jahr.

Mit Exporten in Höhe von 120,7 Milliarden Franken ist die EU 2014 weiter der wichtigste Handelspartner geblieben. Doch die Exporte nach Asien (45,2 Mrd. Franken) und Nordamerika (29,1 Mrd. Franken) nehmen zu, wobei China und die USA hier die wichtigsten Zielländer sind, wie eine Analyse der Schweizerischen Eidgenossenschaft zeigt.

2014 legten die Exporte nach Deutschland der Handelskammer zufolge um 2,8 Prozent zu. Doch in den ersten beiden Monaten dieses Jahres gingen die Exporte nach Deutschland um 5,2 Prozent zurück und die Importe um 13,6 Prozent. Insgesamt sanken die Schweizer Ausfuhren im Januar und Februar um vier Prozent, die Einfuhren um 8,1 Prozent.

„Obwohl die Import- und Exportanteile Deutschlands am Schweizer Außenhandel seit Jahren erodieren und heute unter der Grenze von einem Drittel bzw. einem Fünftel liegen, bleibt Deutschland mit großem Abstand vor anderen Nationen der erste Wirtschaftspartner der Schweiz“, so die Handelskammer. Ähnliche Trends seien auch bei anderen europäischen Handelspartnern zu beobachten.

„Das Rezept ist eine höhere Diversifikation – sowohl nach Produkten als auch nach Absatzregionen wie etwa Südostasien oder in die arabischen Länder“, sagt Ludovic Subran, Chefökonom von Euler Hermes. So rechnen auch viele Schweizer Exportfirmen mit einem Rückgang der Exporte in die EU. Die Ausfuhren in die USA, China und die Golfstaaten gewinnen an Bedeutung. Subran zufolge werde es aber nicht einfach werden, die abnehmenden Exporte in die EU zu kompensieren und neue Märkte zu erschließen. „Es braucht eine langfristige Strategie und Struktur vor Ort.“

Die Aussichten für die kommenden Monate sind den Unternehmen zufolge nicht besonders gut. Immerhin 80 Prozent der befragten Exportfirmen gaben an, dass die Risiken in naher Zukunft gleich bleiben oder sogar zunehmen würden. Um das Währungsrisiko zu senken, setzt die Hälfte der Unternehmen auf einen verstärkten Einkauf im Ausland. Fast ein Drittel sichert sich über Währungstermingeschäfte ab oder stellt Rechnungen in Schweizer Franken.

Neben dem konjunkturellen Risiko leiden die Schweizer Exportfirmen aber auch unter nicht bezahlten Rechnungen. 55 Prozent der Unternehmen gaben an, stark oder mittel von Zahlungsunfähigkeit oder -unwilligkeit der Kunden betroffen zu sein. Die „Unternehmen versuchen durch Vorauszahlungen, Anzahlungen, Akkreditiven und reine Bonitätsabklärungen, das Risiko zu minimieren“, heißt es von Seiten Euler Hermes. „Garantien, Kreditversicherungen und Inkasso durch Drittunternehmen werden im Vergleich nur selten eingesetzt.“

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