Österreich: „Jetzt scheint der Grexit fast schon unausweichlich“

Griechenlands Regierung steuert nach Einschätzung des österreichischen Finanzministers auf einen Euro-Austritt zu. Mit der Ankündigung eines Referendums zu den Reformvorschlägen habe man den Verhandlungstisch verlassen. Doch ein Grexit wäre seiner Ansicht nach vor allem das Land selbst eine Katastrophe.

Mit der Ankündigung eines Referendums zu den Reformvorschlägen der Gläubiger habe Athen den Verhandlungstisch verlassen, sagte Hans Jörg Schelling der Zeitung „Die Presse“ (Sonntagausgabe). „Jetzt scheint der Grexit fast schon unausweichlich.“ Der Minister verwies allerdings darauf, dass ein solches Ausscheiden auf Grundlage der EU-Verträge schwer ist. Zunächst müsse Griechenland einen Antrag auf Austritt aus der EU stellen, dem die anderen Mitglieder zustimmen müssten. „Erst dann könnte Griechenland vermutlich auch die Euro-Zone verlassen“, sagte Schelling. Ein Sprecher des Politikers ergänzte, dieses Szenario werde von Österreich nicht verfolgt.

Für Griechenland wäre ein sogenannter Grexit eine Katastrophe, betonte Schelling. Die Staatsschulden würden mit einer neuen Währung von 200 auf 400 Prozent im Vergleich zur Wirtschaftsleistung steigen. Jeder Import wäre doppelt so teuer. „Die Folgen sind für die Euro-Länder nicht annähernd so schlimm wie für Griechenland.“

Die Regierung in Athen will sich mit der Volksabstimmung am Sonntag in einer Woche Rückendeckung im Streit mit den Geldgebern über Reformauflagen verschaffen. Die Finanzminister der anderen Euro-Länder werteten das Vorhaben jedoch als Affront und wiesen die griechische Bitte zurück, das am Dienstag auslaufende Hilfsprogramm zu verlängern. Damit taumelt das Land auf die Staatspleite zu. Schelling sagte auf die Frage, was in den kommenden Tagen passiere, wenn die Verhandlungen scheitern: „Dann gehe ich davon aus, dass relativ rasch ein EU-Gipfel mit den Regierungschefs einberufen wird.“

Kommentare

Dieser Artikel hat einen Kommentar. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. Leopold Franke sagt:

    So sehr sich viele das wünschen, Griechenland wird die EU nicht freiwillig verlassen. Die wollen de EU verändern und hoffen auf wachsende Unterstützung. Und die EU kann sie nicht rauswerfen. Sondern nur den Geldhahn zudrehen. Und auch dazu muss sich die EU einig sein und muss Verantwortung für die Konsequenzen übernehmen. Eine nicht ganz leichte Entscheidung.