Kanadier wollen deutschen Düngemittelkonzern erwerben

Der kanadische Düngemittelkonzern Potash hat ein Übernahme-Angebot für den deutschen Konkurrenten K+S gemacht. Klappt der Deal, würde Potash zum Marktführer aufsteigen. Einigen K+S Minen würde aber im Gegenzug die Schließung drohen.

Erstmals seit zehn Jahren gerät ein Dax-Konzern wieder ins Visier eines ausländischen Konkurrenten. Der kanadische Düngemittelriese Potash will sich den deutlich kleineren deutschen Rivalen K+S einverleiben und damit zur Nummer eins in der Branche aufsteigen. Das Angebot bewertet K+S mit mehr als sieben Milliarden Euro. Die Deutschen wollen die Offerte aber vermutlich zurückweisen, wie zwei mit der Sache vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters sagten. Pro Aktie liege der Vorschlag bei etwas über 40 Euro – ein Aufschlag von 38 Prozent zum Schlusskurs am Donnerstag.

Sollte der Coup gelingen, wäre es die erste Übernahme eines Dax-Konzerns durch ein ausländisches Unternehmen seit 2005 – damals schluckte die italienische Großbank Unicredit die HVB. Potash hat bereits vor 20 Jahren erfolglos versucht, K+S zu kaufen. Sollte die Übernahme dieses Mal klappen, werden die Kanadier nach Einschätzung von Experten einige K+S-Minen stilllegen, um das Angebot am Kali-Markt zu verknappen und den Preis nach oben zu treiben. Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier will sich allerdings mit allen Mittel für einen Erhalt der deutschen Standorte einsetzen. „Tausende von Arbeitsplätzen im hessischen Kali- und Salzabbau und die wirtschaftliche Stärke einer ganzen Region dürfen nicht gefährdet werden““ sagte er am Freitag. K+S beschäftigt insgesamt rund 14.000 Menschen.

An der Börse lösten die Avancen von Potash am Freitag ein Kursfeuerwerk aus, wie es in der ersten Börsenliga selten zu sehen ist: K+S-Aktien verteuerten sich in der Spitze um fast 40 Prozent auf bis zu 40,29 Euro. Der größte Kurssprung der Aktie in der Geschichte von K+S katapultierte das Papier an die Spitze des Leitindex Dax. Potash wolle mit K+S freundlich über eine Übernahme verhandeln. Es bestehe weder die Gewissheit, dass letztlich eine Offerte erfolge, noch unter welchen Bedingungen, teilten die Kanadier mit. Der Konzern, der vom Deutschen Jochen Tilk geführt wird, will zunächst intensiv in die Bücher von K+S schauen. K+S prüft umgekehrt Reaktionsmöglichkeiten.

Potash ist mit einem Umsatz von umgerechnet rund 5,3 Milliarden Euro und einem Nettogewinn von 1,25 Milliarden Euro im vergangenen Jahr deutlich größer und profitabler als K+S. Die Kasseler kamen im vergangenen Jahr bei einem Umsatz von 3,8 Milliarden Euro auf einen bereinigten Konzerngewinn von rund 367 Millionen Euro. Zusammen mit K+S könne Potash, gemessen an der Produktion weltweit drittgrößter Kalihersteller, den russischen Marktführer Uralkali überholen.

Der Kali-Markt wird seit langem von einer Handvoll Unternehmen beherrscht. Nach einer Übernahme des fünftgrößten Anbieters K+S hätte Potash Einfluss auf etwa die Hälfte der weltweiten Kali-Vorräte, erklärten die Analysten von Citi. Diese Marktmacht würden die Nordamerikaner nach ihrer Einschätzung nutzen, um den Kali-Preis auf einem gewünschten Niveau zu halten. Interessant für Potash ist vor allem eine neue Mine von K+S in Kanada, die im Sommer 2016 den Betrieb aufnehmen soll. Die Bergwerke in Deutschland, wo die Produktionskosten höher sind, stünden dagegen vor einer unsicheren Zukunft.

K+S ist auch der weltgrößte Salzhersteller. Insider erwarten, dass Potash diesen Bereich nach einer Übernahme verkaufen würde, da er nicht zum Kerngeschäft der Kanadier passt. „Da dies auf eine aufwendige Zerschlagung von K+S hinauslaufen würde, macht eine Übernahme strategisch wenig Sinn“, erklärte NordLB-Analyst Thorsten Strauß.

Nordamerikanische Firmen strecken angesichts des niedrigen Euro und rekordtiefer Zinsen derzeit verstärkt ihre Fühler nach Europa aus. Zuletzt hatte der kanadische Handelsriese Hudson’s Bay die größte heimische Warenhauskette Kaufhof für 2,8 Milliarden Euro geschluckt, der US-Saatguthersteller Monsanto möchte sich den Schweizer Konkurrenten Syngenta für 45 Milliarden Dollar einverleiben.

In der Düngemittelbranche dreht sich das Übernahmekarussell schon seit einigen Jahren, wenngleich bislang wenig erfolgreich: 2013 war Potash am Widerstand der israelischen Regierung mit dem Versuch gescheitert, seinen Anteil am Kalihersteller Israel Chemicals auszubauen. Potash selbst war 2010 ins Visier des Minengiganten BHP Billiton geraten. Die 39 Milliarden Dollar schwere feindliche Übernahmeversuch wurde damals von der kanadischen Regierung abgeschmettert. Ende 2014 schließlich platzte die geplante Fusion der Düngemittelkonzerne Yara und CF Industries<CF.N.

Potash hatte schon in den 1990er Jahren versucht, K+S für 250 Millionen Mark zu übernehmen. Damals gehörte das Unternehmen noch zum Chemieriesen BASF. Die Übernahme, die Potash ein starkes Standbein in Europa verschafft hätte, scheiterte am Widerstand des Kartellamts. BASF und K+S beantragten zwar eine Ministererlaubnis, die das Votum der Kartellwächter hätte kippen können, aber auch der damalige Bundeswirtschaftsminister Günter Rexroth verweigerte seine Zustimmung. Kartellrechtliche Bedenken dürften Insidern zufolge dieses Mal kaum ins Gewicht fallen.

Mit einem Streubesitz von 100 Prozent ist K+S anfällig für Übernahmen. Seinen letzten Großaktionär, den russischen Milliardär Andrej Melnitschenko, hatte der Konzern Anfang des Jahres verloren. Melnitschenko kontrolliert den russischen Konkurrenten EuroChem und war lange Zeit mit über zehn Prozent größter K+S-Aktionär.

Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar zum Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.