Deutschland größter Direkt-Investor Europas

Im vergangenen Jahr haben sich die Direktinvestitionen, die aus Deutschland in andere Länder flossen, fast verdreifacht. Gleichzeitig sanken aber die Investitionen, die nach Deutschland kamen. Europa hat insgesamt für Investoren an Attraktivität verloren. Der größte Empfänger von ausländischen Investitionen ist derzeit China.

Angesichts des schwachen wirtschaftlichen Wachstums und der Zunahme von Krisen sind die Direktinvestitionen (FDI) 2014 deutlich gesunken. Sie fielen insgesamt um 16 Prozent auf 1,2 Billionen Dollar, wie der Weltinvestitionsreport für 2015 der UNCTAD (Handels- und Entwicklungsorganisation der Vereinten Nationen) zeigt. Vor allem die Direktinvestitionen in die entwickelten Länder gingen zurück. Sie sanken um 28 Prozent auf 499 Milliarden Dollar – der niedrigste Wert seit 2004.

Direktinvestitionen fließen entweder in Brownfield- oder Greenfield-Projekte in einem Land. Als Brownfield-Projekte gelten Übernahmen und Joint Ventures, Greenfield-Projekte bezeichnen Neuinvestitionen. Während letztere im vergangenen Jahr um zwei Prozent auf 696 Milliarden Dollar zurückgingen, wuchsen die Investitionen in Übernahmen und Zusammenschlüsse fast um ein Drittel auf 399 Milliarden Dollar an.

Die von den entwickelten Ländern ins Ausland geflossenen direkten Investitionen betrugen 823 Milliarden Dollar. Mittlerweile machen Direktinvestitionen 40 Prozent der externen Finanzierung für Entwicklungs- und die so genannten Transformationsländer aus. Letztere sind der UN zufolge Südosteuropa, die Gemeinschaft unabhängiger Staaten, – zu denen die meisten ehemaligen Sowjetrepubliken zählen – und Georgien.

Allein in Europa kamen 37 Milliarden Dollar weniger Direktinvestitionen an als noch 2013. 289 Milliarden Dollar waren es im vergangenen Jahr, 2012 waren es noch 401 Milliarden Euro. Entsprechend sanken auch die Investitionen nach Deutschland: 1,831 Milliarden Dollar. 2013 waren es 18,193 Milliarden Dollar. Die Direktinvestitionen hingegen, die von Deutschland aus in andere Länder flossen, erhöhten sich deutlich: Von 30,109 Milliarden Dollar 2013 auf 112,227 Milliarden Dollar 2014. Damit war Deutschland im vergangenen Jahr „das größte direkt-investierende Land in Europa“, so der Bericht. Im globalen Kontext belegte Deutschland Platz 5 der Länder mit den meisten vergebenen Direktinvestitionen ins Ausland.

Die größten Veränderungen bei den Investitionsflüssen weltweit und vor allem auch bezüglich Deutschlands wurden durch die unternehmensinternen Kredite verursacht: Also von Tochterunternehmen zu Mutterkonzernen und umgekehrt. 2014 flossen deutlich mehr Gelder von in Deutschland ansässigen Firmen in deren Tochterunternehmen etc. im Ausland als umgekehrt. 2013 kamen hingegen mehr Gelder unternehmensintern vom Ausland nach Deutschland. In der Liste der Top-100 globaler Investoren standen im vergangenen Jahr demnach auch zehn deutsche Konzerne: darunter beispielsweise die Deutsche Post DHL, Linde, Volkswagen.

Während die Direktinvestitionen nach Europa, Nord- und Lateinamerika sanken, blieben sie nach Afrika mit 54 Milliarden Dollar weitgehend unverändert. Die Direktinvestitionen nach Russland sanken um 70 Prozent auf 21 Milliarden Dollar. Lediglich die asiatische Region konnte 2014 gegenüber 2013 mehr Direktinvestitionen aus dem Ausland akkumulieren. Diese stiegen um neun Prozent auf 465 Milliarden Dollar. Die mit Abstand meisten Gelder davon gingen nach Ost und Südostasien. „China wurde der weltgrößte Empfänger von Direktinvestitionen“, heißt es im Bericht. Damit verdrängt das Land die USA von der Spitze. Insgesamt sind unter den Top-10 der Empfängerländer fünf Entwicklungsländer.

Trotz der gesunkenen Direktinvestitionen 2014 rechnet UNCTAD (Handels- und Entwicklungsorganisation der Vereinten Nationen) für die kommenden Jahre wieder mit einer Zunahme. In diesem Jahr sollen es wieder 1,4 Billionen Dollar sein, 1,5 Billionen Dollar dann 2016 und 1,7 Billionen Dollar Direktinvestitionen sollen 2017  fließen. Ursache hierfür seien die Wachstumsaussichten der USA, die stimulierenden Effekte durch den verringerten Ölpreis und die derzeitige Geldpolitik. Aber auch die multinationalen Unternehmen werden aufgrund ihrer hohen Profitabilität und Kapitalreserven zu höheren FDIs beitragen, so der Bericht.

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