Netzagentur: Konsumenten zahlen zu viel für Strom

Die Bundesnetzagentur legt eine Reform hinsichtlich der Leitungsgebühren und Ausnahmeregelungen für Unternehmen beim Strom nahe. Die Konsumenten würden zu viel zahlen, während Unternehmen zu Unrecht bevorzugt würden.

Die Haushalte in Deutschland zahlen laut Bundesnetzagentur wegen hoher Leitungsgebühren mehr für ihren Strom als nötig. Industrie- und Gewerbekunden profitierten zulasten der Privatverbraucher von ungerechtfertigten Privilegien, kritisiert die Behörde in einer Analyse für das Wirtschaftsministerium, die Reuters am Dienstag vorlag. Die Erleichterungen für Unternehmen summierten sich auf rund 600 Millionen Euro, die von den übrigen Stromkunden mitgetragen werden müssten.

Diese Regelungen hätten überwiegend nur einen geringen Nutzen im Hinblick auf die beabsichtigte bessere Netzstabilität. Die Behörde empfiehlt daher umfassende Änderungen. Die Leitungskosten sind Teil des Strompreises und machen für Haushaltskunden gut ein Fünftel der Kosten aus. Das Wirtschaftsministerium wollte sich nicht zu Details des Berichts äußern. Es räumte aber ein, dass es bei den Regelungen Reformbedarf gebe.

Im Energierecht ist ein Passus verankert, wonach besonders flexible Abnehmer sowie große Kunden Vergünstigungen von den Netzbetreibern bekommen können. Hintergrund ist, dass damit Anreize geschaffen werden sollen, dass Betriebe etwa nachts mehr Strom abnehmen als in den Höchstlastzeiten tagsüber. Diese Flexibilität würde die Netzbetreiber entlasten und Kosten senken. Der gleiche Gedanke liegt bei großen Abnehmern zugrunde, die durch gleichmäßigen Verbrauch die Netze stabilisieren und den Strom-Transport für die Betreiber kalkulierbarer machen sollen.

Die Netzagentur spricht nun aber nach Befragung der Betreiber davon, dass nur eine Minderheit einen positiven Beitrag zur Stabilität durch die Regelungen sehe. Bäckereien und Güterbahnen etwa profitierten davon, da sie in der Nacht Strom verbrauchen. Sie müssten dafür aber keine besondere Flexibilität an den Tag legen. Insgesamt sei bei den Vergünstigungen „ganz überwiegend von Mitnahmeeffekten auszugehen“.

 

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