China wird zweitwichtigster Partner für europäische Industrie

Der Waren- und Dienstleistungshandel zwischen China und der EU hat sich in den vergangenen zehn Jahren erheblich erhöht. Sowohl bei den Einfuhren aus China als auch bei den Ausfuhren nach China stehen Industrieerzeugnisse im Vordergrund.

In dieser Woche fand das Gipfeltreffen zwischen der EU und China statt. Am Montag traf sich der chinesische Premier Li Kequiang aus diesem Grund mit dem EU-Parlamentspräsidenten Martin Schulz. Die Entwicklungen des Handels mit China in den vergangenen zehn Jahren zeigen, dass China nicht nur Konkurrent, sondern auch wichtiger Handelspartner der EU und ihrer Mitgliedsländer ist.

Lag der Wert der Wareneinfuhren aus China 2004 noch bei 129,2 Milliarden Euro, so erreichte dieser mit 302,5 Milliarden Euro im vergangenen Jahr einen neuen Höchststand, wie die Daten von Eurostat zeigen. Mit Ausnahme des Jahres 2009 war der Wert der Wareneinfuhren stetig gestiegen. Zwar liegt der Wert der Warenausfuhren nach China weiterhin unter dem Wert der Einfuhren, doch die Ausfuhren haben in den vergangenen Jahren sehr stark zugelegt. Sie stiegen von ursprünglich etwas weniger als 50 Milliarden Euro (2004) im vergangenen Jahr einen Wert von 164,7 Milliarden Euro.

Mittlerweile entfallen 14 Prozent des gesamten Warenhandels der EU mit Drittländern auf China. Damit ist das Land der zweitgrößte Handelspartner nach den USA. Vor allem Deutschland spielt dabei eine große Rolle. Deutschland war 2014 für 46 Prozent der EU-Warenausfuhren nach China verantwortlich. Deutschland ist der wichtigste Handelspartner für China in der EU: noch vor dem Vereinigten Königreich, Frankreich und Italien. Waren im Wert von 75 Milliarden Euro verließen Deutschland in Richtung China. Und mit eingeführten Waren aus China im Wert von 60,9 Milliarden  Euro war Deutschland auch der bedeutendste Einführer chinesischer Waren innerhalb der EU.

Die wichtigsten Waren für den Handel zwischen China und der EU sind mit Abstand die Industrieerzeugnisse. Diese dominieren sowohl die Einfuhren als auch die Ausfuhren. 2014 kamen Industrieerzeugnisse im Wert von 293,867 Milliarden Euro aus China in die EU. Im Gegenzug importierte China Industrieerzeugnisse aus der EU im Wert von 141,9 Milliarden Euro im vergangenen Jahr.

Mittlerweile kommt es mit China aber auch zu einem Austausch von Dienstleistungen. „Die Ausfuhren von Dienstleistungen aus der EU nach China stiegen zwischen 2012 und 2014 sprunghaft an, und zwar um 27Prozent von 25,1 Milliarden Euro auf 31,7 Milliarden Euro“, so Eurostat. Besonders Reisedienstleistungen, Gebühren von geistigem Eigentum sowie Telekommunikations-, EDV- und Informationsdienstleistungen waren gefragt.

Doch während sich die Direktinvestitionen aus der EU in China im letzten Jahr um 9,1 Milliarden Euro verringerten, stiegen die Investitionen aus China in die EU (12,1 Mrd. €). Seit der Finanzkrise 2008 hat China kontinuierlich auch europäische Staatsanleihen gekauft. Und abgesehen von Übernahmen und Einkäufen, schätzen Experten, dass China mehr als ein Viertel ihrer Auslandsreserven in Euro gezeichnete Anleihen angelegt hat, so die U.S.-China Economic and Security Review Commission.

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