Krisenstimmung: Griechische Industrie fährt Produktion drastisch zurück

Die griechische Industrie gerät angesichts des ungewissen Verbleibs des Landes in der Euro-Zone unter Druck. Ihre Produktion schrumpfte im Juni so stark wie seit zwei Jahren nicht mehr. Zu groß ist Unsicherheit in den vergangenen Wochen geworden. Indes können die deutsche Industrie und die Industrie der Eurozone insgesamt ein Plus in der Produktion verbuchen.

Die bereits schwache griechische Industrie muss erneut einen Dämpfer hinnehmen. Die zähen und zuletzt abgebrochenen Verhandlungen haben die Unsicherheit über einen Verbleib in der Eurozone deutlich vergrößert. Die Industrie hat darauf mit Produktionssenkungen reagiert. Der Einkaufsmanagerindex fiel um 1,1 auf 46,9 Punkte, wie das Markit-Institut am Mittwoch mitteilte. Erst ab 50 Zähler signalisiert das Barometer ein Wachstum.

„Damit endet das schlechteste Quartal seit zwei Jahren“, sagte Markit-Ökonom Phil Smith. „Angesichts der anhaltenden Schuldenverhandlungen im Juni war die Nachfrage gedämpft.“ Sowohl ausländische als auch inländische Kunden hätten ihre Aufträge gesenkt. Der Experte geht davon aus, dass die Unternehmen darauf mit Stellenabbau reagieren werden. „Ohne Belebung der Aufträge dürften die Firmen ihren Stellenabbau verstärken“, sagte Smith.

Bereits im Juni seien Jobs weggefallen, wenn auch nur wenige. Die griechische Arbeitslosenquote ist mit 25,6 Prozent so hoch wie in keinem anderen EU-Land. Der Durchschnitt der Euro-Zone liegt bei 11,1 Prozent, in Deutschland beträgt die nach einheitlichen europäischen Standards berechnete Quote sogar nur 4,7 Prozent.

Die EU-Kommission rechnet bislang damit, dass die griechische Wirtschaft in diesem Jahr um 0,5 Prozent wachsen wird. Wegen der erhöhten „Grexit“-Gefahr und den in dieser Woche eingeführten Kapitalkontrollen, die die Wirtschaft behindern, befürchten viele Experten mittlerweile eine Rezession. „Das ist wirtschaftlich ein verlorenes Jahr für Griechenland“, sagt etwa Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer.

Die Industrie-Produktion in der Euro-Zone hingegen stieg leicht. In den Betrieben lief es im Juni besser als im Mai. Wachstum, Produktion und Aufträge fielen jeweils so gut aus wie seit einem Jahr nicht mehr. Der Einkaufsmanagerindex kletterte um 0,3 auf 52,5 Punkte. „Generell ist der Aufschwung momentan jedoch alles andere als berauschend“, sagte Chris Williamson von Markit. „Zwar vermeldete Frankreichs Industrie erstmals seit über einem Jahr wieder Wachstum, und auch die Niederlande, Irland und Italien warteten mit besonders starken Steigerungsraten auf.“

In Deutschland kletterte der PMI um 0.8 Punkte auf 51.9 zulegte und lag damit den siebten Monat in Folge über der Marke von 50. „Der aktuelle PMI zeigt, dass die Produktion in der deutschen Industrie wieder mit beschleunigter Rate hochgefahren wurde,“ so Oliver Kolodseike. Sowohl im Konsum-, als auch im Vorleistungs- und Investitionsgüterbereich wurde im Juni mehr produziert. „Die anziehende Binnen- und Exportnachfrage sorgte darüber hinaus auch wieder für ein höheres Auftragsplus als im Mai.“

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