Schweiz setzt auf flexible Arbeitskräfte

Der Zugriff auf flexible Arbeitskräfte wird von den Schweizer Unternehmen immer stärker angenommen. Die Temporärbranche konnte ihren Umsatz erneut steigern. Die aktuelle Konjunkturabschwächung könnte der Branche in diesem Jahr jedoch Schwierigkeiten bereiten.

Je nach Auftragslage macht es für viele – vor allem auch kleinere – Unternehmen Sinn, schnell und flexibel auf zusätzliche Arbeitskräfte zurückgreifen zu können. Die Schweizer Unternehmen setzen zunehmend auf Mitarbeiter von außen und können damit schnell auf aktuelle Situationen reagieren. Entsprechend wächst der Markt der Personaldienstleister. So konnte die Temporärbranche nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr ihren Umsatz um eine halbe Milliarde auf sieben Milliarden Franken steigern.

Dem Schweizer Branchenverband Swissstaffing zufolge stieg die Lohnsumme der Temporärarbeitenden 2014 um 7,1 % Prozent gegenüber dem Vorjahr. „Damit wuchs die Temporärbranche 2014 mehr als dreimal so stark wie das Bruttoinlandsprodukt“, nämlich um 8,25 Prozent. 316.000 Menschen wurden im vergangenen Jahr vermittelt. Die flexiblen Arbeitskräfte verbuchten 168 Millionen Einsatzstunden.

„Wer in der Schweiz temporär arbeitet, genießt Vorteile wie Mindestlöhne und klare Arbeitszeitregelungen, soziale Sicherheit dank optimalen Versicherungslösungen für Krankheit und Alter sowie großzügige Weiterbildungsleistungen“, sagt Myra Fischer-Rosinger, Direktorin von swissstaffing. Tritt der neu ausgearbeitete Gesamtarbeitsvertrag ab 2016 in Kraft, werden sich die Mindestlöhne für Temporärarbeiter in den kommenden drei Jahren stufenweise noch einmal erhöhen.

Oft wird die Arbeit als Temporärarbeitender als Möglichkeit gesehen, wieder in den Arbeitsmarkt einsteigen zu können. Während in Deutschland viele Zeitarbeiter jedoch drohen, in der Zeitarbeitsschleife hängenzubleiben, bleiben in der Schweiz nach Angaben des Verbands 82 Prozent nur zwei Jahre in der Temporärbranche.

In den kommenden Monaten rechnet der Branchenverband allerdings mit Schwierigkeiten. „Die Temporärbranche ist wie kein anderer Sektor am Puls der Konjunktur“, erklärt Marius Osterfeld, Ökonom bei swissstaffing. „Ereignisse wie der Franken-Schock wirken sich als erstes auf die Geschäftstätigkeit der Temporärunternehmen aus.“ Die Exporte werden der Konjunkturforschungsstelle KOF zufolge in diesem Jahr insgesamt nur um 1,5 Prozent zulegen. Im Mai stieg die Zahl der Kurzarbeiter um 41 Prozent. Der starke Franken und ausbleibende Aufträge setzen die Unternehmen unter Druck.

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