USA wird zweitwichtigster Handelspartner Österreichs

Trotz des schwierigen wirtschaftlichen Umfeldes kann die österreichische Exportwirtschaft in diesem Jahr wieder ein Plus verbuchen. Vor allem die USA und Asien werden immer wichtiger. In Deutschland allerdings verliert der Export an Boden.

Den österreichischen Exportunternehmen ist es im vergangenen Jahr gelungen, mit einem Ausfuhrvolumen in Höhe von 128 Milliarden Euro ein neues Allzeithoch zu erreichen, kündigte der Präsident der Wirtschaftskammer Österreich, Christoph Leitl, an. Zusammen mit den Dienstleistungsexporten stieg das Volumen sogar insgesamt auf 180 Milliarden Euro.

„Wir sind überzeugt, dass unsere Exporteure auch heuer wieder das Rekordergebnis des Vorjahres toppen werden – mit einem Ausfuhrplus von über zwei Prozent auf rund 130 Milliarden Euro“, so Leitl. 2016 soll sogar ein Wachstum von fünf Prozent möglich sein. Seit 2002 ist die österreichische Leistungsbilanz im positiven Bereich.

Besonders erfolgreich ist Österreich mit den Exporten von hochtechnologischen Waren. Während die gesamten Ausfuhren ein Plus von 1,8 Prozent ausmachten, legten die Technologie-Exporte um 3,3 Prozent zu. Innerhalb der vergangenen Jahre haben sich die österreichischen Technologie-Exporte verzehnfacht. Die „Technologische Zahlungsbilanz“ kletterte von einer Milliarde im Jahr 1995 auf knapp zehn Milliarden in 2014.

Immer stärker geht bei den Exportunternehmen der Trend in Richtung Asien und der USA. Zwar hat sich die konjunkturelle Lage in der EU zumindest in einigen Ländern etwas erholt, doch in den USA und in Asien gibt es derzeit die besseren Wachstumschancen. Zwischen 2000 und 2014 konnten die Unternehmen ihren Export ins europäische Ausland um 71,3 Prozent steigern, doch die Ausfuhren „nach Amerika“ und Asien hätten sich viel dynamischer entwickelt, so die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ): + 131,3 Prozent und +190,7 Prozent.

„Dementsprechend setzen wir auch bei unseren Exportförderprogrammen – etwa im Rahmen der Exportoffensive go-international des Wirtschaftsministeriums und der WKÖ – auf Übersee“, sagt Walter Koren, der Leiter der Außenwirtschaft Austria. „Rund die Hälfte unserer Auslandsveranstaltungen bezieht sich schon jetzt auf Märkte außerhalb Europas.“

Mit Blick auf die Ausfuhren nach Europa wird es für die österreichischen Exportunternehmen gerade schwieriger. Demnach droht Österreich vor allem in Deutschland aufgrund starker osteuropäischer Mitbewerber der Verlust an Marktanteilen. „Die seit Jahren sinkende preisliche Wettbewerbsfähigkeit Österreichs ist mit ein Grund für den Verlust an Marktanteilen in Deutschland“, so Leitl. „Unsere Lohnstückkosten sind seit 2010 deutlich über den EU-Durchschnitt angestiegen.“

Nichtsdestotrotz sind die Exporte derzeit eine der wenigen Stützen der österreichischen Wirtschaft. „Der Export bleibt das Zugpferd der österreichischen Wirtschaft, aber die Last, die dieses Zugpferd ziehen muss, wird immer schwerer“, machte Leitl deutlich. Das Wirtschaftsbarometer zeige, dass bis auf die Exportumsätze derzeit alle Erwartungsindikatoren in den negativen Bereich abgerutscht seien.

Umfragen unter allen Branchen belegen, dass über 40 Prozent der Unternehmen den Standort Österreich als „weniger gut“ oder „schlecht“ einschätzen. Nur 25 Prozent als „sehr gut“ oder „gut“. „Insbesondere kleine Unternehmen schätzen den Standort negativ ein, da sie sich am stärksten von Bürokratie und Verwaltung sowie Steuern und Abgaben betroffen fühlen“, sagte Leitl.

Während die Exporte in diesem Jahr ein Plus von zwei Prozent erreichen werden, liegen die Schätzungen für das BIP-Wachstum insgesamt nur bei 1,6 Prozent. Für 2016 wurden die Schätzungen inzwischen auch nach unten korrigiert: von 2,1 auf 1,7 Prozent. Mit einem Plus von nur 0,1 Prozent im ersten Quartal lag die nationale Wirtschaft weit unter dem Eurozonen-Schnitt von 0,4 Prozent. Österreich gehört damit mit Griechenland und Estland sowie Litauen zu den Schlusslichtern. Eurostat zufolge wird Österreich im vierten Quartal sogar ein Nullwachstum verzeichnen.

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