Direktinvestitionen nach Österreich halbierten sich

Im vergangenen Jahr flossen deutlich weniger Direktinvestitionen nach Österreich als noch in den Jahren zuvor. Mit weniger als fünf Milliarden Euro halbierten sich die Investitionen aus dem Ausland. Damit folgt Österreich dem europäischen Trend. Asien ist weit interessanter für Direktinvestitionen gewesen.

Das Interesse an Österreich hinsichtlich neuer Investitionen ist 2014 deutlich geringer gewesen als noch im Jahr zuvor. Lagen die Direktinvestitionen, die 2014 nach Österreich flossen, nur bei 4,657 Milliarden Euro, waren es 2013 noch 10,376 Milliarden Euro. Damit haben sich die Direktinvestitionen aus dem Ausland innerhalb nur eines Jahres mehr als halbiert, so der Weltinvestitionsreport für 2015.

Die Direktinvestitionen, die aus Österreich in andere Länder flossen, lagen zwar über den Investitionen aus dem Ausland, aber verzeichneten auch einen Rückgang: von 16,216 Milliarden Euro 2013 auf nur noch 7,690 Milliarden Euro. Bereits 2013 hatte das Engagement Österreichs in der Region Zentral-, Ost- und Südosteuropa nachgelassen. Damals nannte die Österreichische Nationalbank notwendige Abschreibungen bzw. Wechselkursverluste als Hintergrund für den Rückgang. „Die generell schwierige Lage für Direktinvestoren zeigt sich darin, dass die Anzahl der erfassten Investoren zum zweiten Mal in Folge gesunken ist und dass auch die Anzahl der Auslandsunternehmen, an denen Österreicher beteiligt sind, mit nur 1 % so wenig gewachsen ist wie nie zuvor.“

Österreich ist jedoch nicht das einzige europäische Land, das weniger Direktinvestitionen erhalten hat. Allein in Europa kamen 37 Milliarden Dollar weniger Direktinvestitionen an als noch 2013. 289 Milliarden Dollar waren es im vergangenen Jahr, 2012 waren es noch 401 Milliarden Euro.

Angesichts des schwachen wirtschaftlichen Wachstums und der Zunahme von Krisen sind die Direktinvestitionen (FDI) 2014 weltweit deutlich gesunken. Sie fielen insgesamt um 16 Prozent auf 1,2 Billionen Dollar. Vor allem die Direktinvestitionen in die entwickelten Länder gingen zurück. Sie sanken um 28 Prozent auf 499 Milliarden Dollar – der niedrigste Wert seit 2004.

Direktinvestitionen fließen entweder in Brownfield- oder Greenfield-Projekte. Als Brownfield-Projekte gelten Übernahmen und Joint Ventures, Greenfield-Projekte bezeichnen Neuinvestitionen. Während letztere im vergangenen Jahr um zwei Prozent auf 696 Milliarden Dollar zurückgingen, wuchsen die Investitionen in Übernahmen und Zusammenschlüsse um fast ein Drittel auf 399 Milliarden Dollar an.

Entsprechend sanken auch die Investitionen nach Deutschland: 1,831 Milliarden Dollar. Die Direktinvestitionen hingegen, die von Deutschland aus in andere Länder flossen, erhöhten sich deutlich: Von 30,109 Milliarden Dollar 2013 auf 112,227 Milliarden Dollar im Jahr 2014. Damit war Deutschland im vergangenen Jahr „das größte direktinvestierende Land in Europa“, so der Weltinvestitionsreport. Im globalen Kontext belegte Deutschland Platz 5 der Länder mit den meisten vergebenen Direktinvestitionen ins Ausland.

Während die Direktinvestitionen nach Europa, Nord- und Lateinamerika sanken, blieben sie nach Afrika mit 54 Milliarden Dollar weitgehend unverändert. Die Direktinvestitionen nach Russland sanken um 70 Prozent auf 21 Milliarden Dollar. Lediglich die asiatische Region konnte 2014 gegenüber 2013 mehr Direktinvestitionen aus dem Ausland akkumulieren. Diese stiegen um neun Prozent auf 465 Milliarden Dollar. Die mit Abstand meisten Gelder davon gingen nach Ost- und Südostasien. „China wurde der weltgrößte Empfänger von Direktinvestitionen“, heißt es im Bericht. Damit verdrängt das Land die USA von der Spitze. Insgesamt sind unter den Top-10 der Empfängerländer fünf Entwicklungsländer.

Trotz der gesunkenen Direktinvestitionen 2014 rechnet die UNCTAD (Handels- und Entwicklungsorganisation der Vereinten Nationen) für die kommenden Jahre wieder mit einer Zunahme. In diesem Jahr sollen es wieder 1,4 Billionen Dollar sein, 2016 dann 1,5 Billionen Dollar und 1,7 Billionen Dollar Direktinvestitionen sollen 2017 fließen. Ursache hierfür seien die Wachstumsaussichten der USA, die stimulierenden Effekte durch den verringerten Ölpreis und die derzeitige Geldpolitik. Aber auch die multinationalen Unternehmen würden aufgrund ihrer hohen Profitabilität und Kapitalreserven zu höheren FDIs beitragen, so der Bericht.

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