Schweizer Schokomarkt gerät ins Trudeln

Schweizer Schokoladenhersteller sind mit sinkenden Verkaufszahlen konfrontiert. Sowohl in der Schweiz als auch im Ausland gehen die Verkaufszahlen für die Schokoladenindustrie zurück. Ein neuer Schwung hin zu gesünderer Ernährung könnte die Situation noch verschlimmern.

In den vergangenen fünf Jahren ist das weltweit verkaufte Schokoladenvolumen um fast zwei Prozent gestiegen, doch mit dem Ende des vergangenen Jahres gerät die Branche ins Minus. Wie das Marktforschungsinstitut Nielsen zeigt, sind die Verkaufszahlen von Schokolade zwischen Herbst 2014 und Mai 2015 um zwei Prozent gesunken. Das entspricht in etwa 67.000 Kilogramm. Anfang des Jahres zeigte sich diese Entwicklung auch in den aktuellen Daten des Verbands Schweizerischer Schokoladenfabrikanten.

So gingen vor allem im eigenen Inland sowie in den wichtigsten Exportmärkten Deutschland und Großbritannien die Exporte von Schokolade zurück. Nur aufgrund gewisser Absatzsteigerungen in anderen Exportmärkten konnte die Industrie dennoch ein Umsatzplus von 2,7 Prozent erzielen. 183.738 Tonnen wurden verkauft. So sind die Inlandsverkäufe der Schweizer Hersteller 2014 gegenüber dem Vorjahr um 1,4 Prozent gesunken. Der Anteil der Importschokoladen am Inlandkonsum nahm zu und erreicht 37,2 Prozent. Damit hat sich der Anteil der Importschokolade nahezu verdoppelt. In Deutschland ging dem Verband zufolge die Exportmenge um 14 Prozent und in Großbritannien um 9 Prozent zurück.

Bei dem Konsumverhalten der Schweizer spielt aber auch die starke Performance des Franken eine Rolle. Noch immer ist der Einkaufstourismus ins Ausland nicht eingebrochen. Um Lebensmittel im Ausland zu kaufen, nehmen Schweizer sogar Fahrtzeiten von bis zu einer Stunde in Kauf. So dürfte die Schokolade, die sie im Ausland kaufen sogar noch günstiger sein als die in die Schweiz importierte Schokoladenware.

Während China und Russland im vergangenen Jahr noch Schokolade verstärkt nachgefragt haben, verringerte sich der Konsum hierin den ersten Monaten deutlich. Hierbei spielen dem Marktforschungsinstitut zufolge vor allem die gestiegenen Preise eine Rolle. So kostet eine Tonne Kakao derzeit etwa 2.156 Pfund (etwa 3.000 Euro): zehn Prozent mehr als vor 12 Monaten. Die gestiegenen Preise für Kakao haben auch die Händler zu Preiserhöhungen gezwungen.

Lindt & Sprüngli zufolge hatten nicht nur die Kakaopreise Rekordwerte erreicht, auch waren die Preise für Haselnüsse und Mandeln gestiegen. Dies habe zu „punktuellen Preisanpassungen geführt“. Die Migros-Tochter Chocolat Frey hat dem sein Sortiment um fünf Prozent verteuert, so der Tagesanzeiger. Der starke Anstieg des Franken spielte dabei aber auch eine Rolle.

Die wirtschaftlich und politischen Schwierigkeiten in Russland und auch die finanziellen Risiken in China sprechen in diesem Zusammenhang eher dafür, dass der Verkauf von Schokolade weiter sinkt. Zumal sich gerade der Biotrend wieder verschärft und gesunde Ernährung wieder mal ein Thema ist. Die Hälfte der von Nielson Befragten gab an, dass sie gerade versuchen, abzunehmen. Und zwei Drittel sollten dies vor allem durch eine Ernährungsumstellung schaffen. Das zeigt sich auch im Verkauf. „Das Wachstum bei gesunden Produkten übertraf das Wachstum bei genussbetonten (5 % und 2 %)“, so das Institut.

So wurde der stärkste Anstieg der Verkäufe bei gesunden Produkten sogar in den Entwicklungsländern festgestellt. Die Steigerungsraten lagen  bei 20 Prozent  in Afrika und Nahost, 16 Prozent in Lateinamerika und 15 Prozent im asiatisch-pazifischen Raum. Zwar stieg auch der Verkauf genussbetonter Produkte an, aber bei weitem nicht so stark wie bei den gesunden. In Nordamerika stieg der Verkauf gesunder Produkte innerhalb der untersuchten zwei Jahre um 7 Prozent. Allein die Angabe von „natürlich“ und „bio“ führte in den vergangenen zwei Jahren  zu einer Verkaufssteigerung dieser Produkte um 24 und 28 Prozent.

Nicht auszuschließen ist aus, dass die Preise für Kakao noch weiter steigen werden. Es könnte nämlich ein Nachschubproblem geben. Immerhin besteht die Kakao- und Schokoladenbranche aus derzeit mehr als 3.00 Unternehmen und Organisationen, so die Internationale Kakao-Organisation ICCO.

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