Österreich profitiert vom „Unternehmen“ Kirche

Die römisch-Katholische Kirche in Österreich trägt nicht nur zum spirituellen Wohlfühlen bei. Sie ist auch ein Wirtschaftsfaktor. Ihre Bruttowertschöpfung liegt bei über sechs Milliarden Euro. Hierzu tragen nicht nur die Pastoren bei, sondern auch zahlreiche Ehrenamtliche.

Die römisch-katholische Kirche ist auch ein Wirtschaftsfaktor. Ihre Bruttowertschöpfung liegt bei über sechs Milliarden Euro. Hierzu tragen nicht nur die Pastoren bei, sondern auch zahlreiche Ehrenamtliche. In Österreich hat die römisch-katholische Kirche einen sehr hohen Stellenwert. Das Land ist überwiegend katholisch. Ähnlich wie in Deutschland müssen die Mitglieder der Gemeinden eine jährliche Kirchensteuer entrichten. Im vergangenen Jahr lagen die Gesamteinnahmen der neun österreichischen Diözesen bei 538 Millionen Euro.

Doch die Kirche generiert auch Geld. Eine Studie des Joanneum Research und des Instituts für Höhere Studien zeigt die wirtschaftliche Bedeutung der Kirche. Demnach generiere die Kirche in Österreich eine Bruttowertschöpfung in Höhe von über sechs Milliarden Euro, 14.100 Arbeitsplätzen in Vollzeitäquivalenten und 403 Millionen Euro an Steuern und Abgaben. Schließlich engagiert sich beispielsweise ein Katholik in Österreich im Jahr durchschnittlich mit 5,1 Stunden. „Hochgerechnet auf ganz Österreich impliziert dies ein wöchentliches Arbeitsvolumen von über 570.000 Stunden.“

Zur römisch-katholischen Kirche in Österreich zählen zwei Erz- und sieben Diözesen, ein Militärordinariat, 3.053 Pfarrer, Frauen- und Männerorden sowie kleine, fast selbstständig agierende Organisationen wie Caritas. Tatsächlich sind 64 Prozent der ehrenamtlich tätigen Personen Frauen. Ziel der Studie sei „die Erhebung der öffentlichen Leistungen der römisch-katholischen Kirche für das Gemeinwesen in Österreich und die Quantifizierung ihrer ökonomischen Effekte“. Darüber hinaus wurde „erstmals versucht, die Vielzahl an öffentlichen Leistungen und Tätigkeiten der Kirche, die schwierig quantifizierbar bzw. monetär bewertbar sind, zu erfassen“.

Am Beispiel der Firmung zeigt die Studie, wie beispielsweise die Wertschöpfung der römisch-katholischen Kirche funktioniert. Im Vergleich der Feierlichkeiten zu den heiligen Sakramenten in der Pfarrbefragung sind die Konsumausgaben im Rahmen der Firmung mit durchschnittlich 1.151 Euro am größten. „Bei der Erstkommunion liegen die Gesamtausgaben bei etwa 895 Euro durchschnittlich, bei der Taufe bei 805 Euro. „Hochgerechnet auf ganz Österreich zeigt sich, dass insgesamt durch Taufe, Erstkommunion und Firmung mehr als 147 Millionen Euro allein an Konsumausgaben anfallen.“ Ein wesentlicher Anteil davon ist mit über 60 Millionen Euro der Gastronomie zuzuschreiben.

So hat die Kirche mehrere makroökonomische Effekte: Effekte institutioneller Aktivitäten und zusätzliche Effekte. Wobei bei Letzterer all jene Effekte zugerechnet werden, die nicht der römisch-katholischen Kirche selbst zugeschrieben werden, aber durch Aktivitäten der Kirche ausgelöst werden (Gastronomie, Tourismus). „Insgesamt zeigen die Ergebnisse dieser Studie, dass alle monetär bewertbaren Aktivitäten und Leistungen der römisch-katholischen Kirche in Österreich im Jahr 2012 einen Bruttoproduktionswert von 12,7 Milliarden Euro sowie eine Bruttowertschöpfung von 6,6 Milliarden Euro generiert haben“, so die Studie. Auf 3,35 Milliarden Euro belaufen sich die fiskalischen Effekte. Auf Ausgaben für die Sozialversicherung entfallen dabei 1,4 Milliarden Euro. Hinzu kommen 1,1 Milliarden Euro, die an den Bund gehen. Über 350 Millionen Euro gehen an die Länder und rund 260 Millionen an die Gemeinden.

„Jeder 42. Euro wird im Umfeld von kirchlichen Leistungen erwirtschaftet, jeder 27. Arbeitsplatz in Österreich steht im Zusammenhang mit diesen Aktivitäten“, sagt Alexander Schnabl vom Institut für Höhere Studien. Vor allem im Bereich der Gesundheit und Pflege, Soziales und Bildung spielt die Kirche eine wichtige Rolle. „Die römisch-katholische Kirche erweist sich damit einerseits als wichtiger Wirtschaftsfaktor und Arbeitgeber, ist dabei andererseits vorwiegend in Menschen in schwierigen Situationen helfenden, aber wirtschaftlich weniger attraktiven Branchen tätig.“ Insgesamt ergebe sich für die Kirche ein monetär bewerteter Nutzen für Wirtschaft und Gesellschaft von 8,49 Milliarden Euro. Im Vergleich zu den dafür aufgewendeten Kosten von 5,91 Milliarden Euro übersteigt der monetäre Nutzen die Kosten der Leistungen der römisch-katholischen Kirche deutlich.

2010 hatte die römisch-katholische Kirche in Österreich mit 85.960 Austritten die höchsten Austrittszahlen seit 2003. Mittlerweile ist die Zahl aber wieder auf 54,869 zurückgegangen, so statista. Auch für die Einnahmen der Kirche sind dies keine vernachlässigbaren Zahlen. So macht der Kirchenbeitrag 78 Prozent des Gesamtbudgets aus. 2013 brachte dieser 426 Millionen Euro.

Kommentare

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  1. Hans Salzburg sagt:

    Die „Initiative gegen Kirchenprivilegien“ bezeichnet die „Studie“ als „nicht nachvollziehbar“:
    Die Kirche sei außerordentlich stark staatlich subventioniert.
    Allein die kirchliche „Bildung“ kostet den öserreichischen Staat eine Milliarde Euro jedes Jahr.
    Das soziale Engagement wird zu 98% vom Steuerzahler finanziert und nur zu 2% von der Kirche, die aber als organisatorischer Träger ihr Etikett draufpappt und die Reputation für sich einheimst.
    http://www.kirchenprivilegien.at/pm-massive-kritik-wirtschaftsfaktor-kirche-auftragsstudie/

  2. Hans Salzburg sagt:

    Meiner Ansicht nach ist es absurd, Gelder, die lediglich durch die Kirche kanalisiert werden, diesen als „Wertschöpfung“ zuzurechnen:

    Die 538 Millionen Euro, welche die Kirchenmitglieder als Kirchensteuern zahlen, werden dafür anderen, womöglich nützlicheren Investitionsmöglichkeiten entzogen.

    Da gibt eine Familie anläßlich einer Konfirmation unter dem Druck der Konformität vielleicht 800 Euro aus, verschuldet sich womöglich, und für was?

    Eine teure Garderobe, die oft nur zu diesem einmaligen Anlaß getragen wird, eine riesige Kerze und ein Freßgelage.

    Dasselbe Geld könnte bestimmt konstruktiver in die Zukunft eines jungen Menschen investiert werden und würde damit mindestens den gleichen Wertschöpfungseffekt auslösen!