Arbeit nach der Rente: Schweiz braucht Arbeitskräfte

Die Arbeitnehmer in Schweizer Unternehmen werden immer älter. Gehen diese in den kommenden Jahren in Rente, steht der Mittelstand vor großen Herausforderungen. Der Nachwuchs fehlt. Die Unternehmen müssen nach Anreizen zur Weiterbeschäftigung suchen.

Die Alterung der Schweizer Gesellschaft zeigt bereits erste gravierende Auswirkungen auf den Immobilienmarkt. Doch auch auf dem Arbeitsmarkt spiegelt sich das Demografie-Problem. So wird der Anteil der Personen im Alter von 65 Jahre und älter im Jahr 2030 in allen Schweizer Kantonen bei mehr als 20 Prozent liegen“ so Bundesamt für Statistik (BFS). Lag die Lebenserwartung bei Männern 2004 noch bei durchschnittlich 78,6 Jahren, wird sie 2015 schon bei 85 Jahren liegen. Und genau hier liegen die Chancen für die Schweizer Unternehmen.

Denn mit der zunehmenden Lebenserwartung steigt auch die Zeit der Jahre nach der Renteneintrittsgrenze, in den die potentiellen Rentner eigentlich noch sehr fit sind und auch die Zeit in Rente ist insgesamt länger. Das kann dazu genutzt werden, ältere Menschen trotz des möglichen Eintritts in die Rente noch im Unternehmen mehrere Jahre zu halten. Schließlich besitzen sie die Expertise und die notwendige Gelassenheit. Hier bedarf es aber neuer Modelle. Einerseits, damit die Menschen tatsächlich auch körperlich länger ihrer Arbeit nachgehen können. Und zweitens, um auseichend Ansporn zu vermitteln, damit diejenigen, die sich ihre Rente gönnen könnten, trotzdem noch zur Arbeit kommen.

Aus diesem Grund fordert der Präsident des St. Galler World Demographic & Ageing Forum, Hans Groth, nicht Reformen der Altersvorsorge, sondern eine Adaptierung der Arbeitswelt, so die NZZ. Nur, wenn Menschen insgesamt länger in der Arbeit bleiben, werde Demografie zur Chance und nicht zum Hindernis. Das gilt im Handwerk wie in Managerpositionen. Wenngleich letzterer zumindest hinsichtlich mangelnden Körpereinsatzes vielleicht insgesamt eher in der Lage wären, ihrem bisherigen Arbeitsplatz treu zu bleiben.

„Der Druck auf die Personalverantwortlichen, eine Seniorenpolitik zu entwickeln, wird immer grösser“, mahnt auch der Think Tank Avenir Suisse an. Erstens zeichne sich durch die anstehende Pensionierung der geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer (1955 bis 1964) und durch die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative eine Verschärfung des Fachkräftemangels ab. Zweitens sei die Angst, die Stelle im höheren Alter zu verlieren, gross.

2015 werden in der Schweiz zum ersten Mal mehr Personen ihren 65. als ihren 20. Geburtstag feiern. Außerdem  wären 57 Prozent der Mitarbeiter über 60 Jahre laut Umfragen auch bereit, über das Rentenalter hinaus zu arbeiten, solange die Bedingungen stimmen. 2008 arbeitete ein Drittel der Erwerbstätigen über das ordentliche Rentenalter hinaus.

Gelänge es, jeden Neurentner nur schon zwei Monate länger im Arbeitsprozess zu halten, könnte im Nu ein Äquivalent von 5.000 Vollzeitstellen besetzt werden, ohne ein Kontingent zu beanspruchen“, so der Think Tank. Könnte jeder ältere Mitarbeiter ein Jahr länger mit einem Arbeitspensum von 50 Prozent beschäftigt werden, erhöhte sich das Arbeitsangebot um 15.000 Stellen. Mit der Bindung älterer Mitarbeiter könne wertvolles Produkt-, Prozess-, Lieferanten- und Kundenwissen erhalten bleiben. Letzteres werde immer wichtiger, weil der Seniorenmarkt stark wachse und finanzkräftig sei.

Wichtig ist es daher, dass die Unternehmen sich Möglichkeiten einfallen lassen, ältere Mitarbeiter auch über das Renteneintrittsalter hinaus zu beschäftigten. In Zeiten des Fachkräftemangels und dem Aussterben wichtiger Berufsgrundlagen aufgrund der  Digitalisierung spart der Unternehmer am Ende, wenn er seinen Mitarbeiter halten kann. Avenir Suisse zufolge sollte diesbezüglich auch der Staat hinterher sein, flexible Arbeitsplätze zu schaffen bzw. zu fördern. 57 Prozent der 60-Jährigen und älter würden auch liebend gerne weiterarbeiten, wenn die Bedingungen, wie zum Beispiel mehr Zeitsouveränität und weniger Produktionsdruck, stimmten.

In Schweden beispielsweise wurde die gesetzliche Rente abgeschafft und durch ein Mindestalter ersetzt. „Wer mit 61 Jahren in die Pension geht, erhält die minimale Rente. Wer länger arbeitet, erhält mehr“, so der Think Tank. Eine obere Altersgrenze gibt es nicht.

Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar zum Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.