Schweizer Uhrenbauer besorgt wegen China-Börsencrash

Die Uhrenindustrie in der Schweiz befürchtet eine weitere Abschwächung der Nachfrage in China. Der Börsen-Kursrutsch der vergangenen Tage sei zwar durch staatliches Eingreifen wieder im Griff, allerdings habe der Crash nicht nur Kaufkraft sondern auch Vertrauen zerstört, das für den Absatz von Luxusartikeln nötig sei.

Besorgt blickt die Schweizer Uhrenindustrie auf ihren wichtigsten Absatzmarkt China. Der Börsen-Kursrutsch der vergangenen Tage droht die ohnehin maue Nachfrage der chinesischen Kunden nach Uhren und Schmuck weiter zu dämpfen. „Die Schwäche und Volatilität der chinesischen Börsen hilft der Nachfrage nach Luxusgütern sicher nicht“, sagte Jon Cox, Chefanalyst beim Broker KeplerCheuvreux, der Nachrichtenagentur Reuters. Vermögensentwicklung und Vertrauen seien in dem Land entscheidende Faktoren, wenn es um den Absatz von Luxusartikeln gehe. Privatanleger spekulieren in China mehr an der Börse als in Europa oder den USA. Sie dürften in den vergangenen Wochen viel Geld verloren haben, das ihnen nun für den Erwerb von Luxusgütern fehlt.

China ist der wichtigste Absatzmarkt für Uhren, von günstigen Plastikmodellen der Marke Swatch bis hin zu teuren Zeitmessern von IWC, Blancpain, Omega und Rolex. Vor allem Hongkong ist maßgeblich für Swatch, Richemont und Co – fast ein Fünftel der Branchenexporte von umgerechnet 21 Milliarden Euro gingen im vergangenen Jahr in die Finanzmetropole. Doch die Ausfuhren in die Sonderverwaltungszone sind rückläufig, in den ersten fünf Monaten dieses Jahres sanken sie um 19 Prozent. Zu schaffen macht der Branche neben den Demonstrationen Tausender Menschen für mehr Demokratie, die in wichtigen Einkaufsstraßen stattfanden, auch der Kampf gegen Korruption. Die Regierung Chinas geht deswegen seit einiger Zeit gegen das Verschenken von Luxusartikeln vor.

„Wir beobachten den Markt“, sagte Jean-Daniel Pasche, Präsident des Verbandes der schweizerischen Uhrenindustrie FHS. Anzeichen für eine Abschwächung dürfte es frühestens in der Juni-Exportstatistik geben, die am 21. Juli veröffentlicht werden soll. Wie sich der Kursverfall der chinesischen Aktien auf das Konsumverhalten auswirkt, dürfte Pasche zufolge vor allem davon abhängen, ob er andauert. Chinas Regierung hatte zuletzt zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um einem Crash entgegenzuwirken. Der Börsenindex in Shanghai stieg am Freitag den zweiten Tage infolge kräftig, nachdem er in drei Wochen rund ein Drittel an Wert einbüßt hatte.

Patrik Schwendimann, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank, rechnet nur mit beschränkten Auswirkungen des Börsen-Crash auf den Absatz von Luxusgütern. Betroffen seien vor allem Anleger, die erst vor einem Monat auf den Börsenzug aufgesprungen seien, viele Investoren dürften trotz der Korrektur noch Kursgewinne verzeichnen. Der Einfluss sei wohl mehr psychologischer Natur, erklärte Schwendimann. „Das Vertrauen in die Maßnahmen der Regierung, die bisher als allmächtig galt, könnte gestört werden, wenn sie den Aktienmarkt nicht stabilisieren kann.“

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