Griechenland-Einigung läutet Abwicklung der Euro-Zone ein

Die Euro-Retter haben sich auf einen Deal mit Griechenland geeinigt. Er ist eine Kapitulation Griechenlands und der EU. Nach den Szenen vom Wochenende kann mit diesen Politikern keine politische Union entwickelt werden. Die EU und der Euro werden sich aufspalten, der endgültige Bruch ist eine Frage der Zeit.

Viele langjährige internationale Beobachter sind sprachlos: Solch hässliche Szenen wie bei der Griechen-„Rettung“ haben sie in Jahrzehnten nicht gesehen. Paul Krugman schreibt in der New York Times, dass die Demütigung der Griechen auf groteske Weise alle Werte betrogen hat, für die die EU als Projekt einmal stand.

Erst am frühen Morgen des Montag gab es eine Einigung. Der Gipfel war der längste in der Geschichte der EU. Er war auch die schlimmste Offenbarung, wozu die Mischung von Inkompetenz und Opportunismus führt, wenn sie die treibenden Kräfte in der Politik werden.

Doch eine Erkenntnis hat der Gipfel in schonungsloser Weise gebracht, die weit über die ungelösten Probleme Griechenlands hinausgeht: Die EU in ihrer gegenwärtigen Form ist am Ende. Die Demokratie ist nur noch eine Randerscheinung. Das griechische Parlament muss eine Entscheidung durchpeitschen. Es fehlt die Zeit, die Gesetze ordentlich zu formulieren. Noch nie haben andere Staaten einem EU-Mitglied ein Ultimatum gestellt, wie und bis wann ein Parlament zu entscheiden habe.

Die Syriza-Regierung dürfte zerbrechen und im Falle von Neuwahlen durch eine Technokraten-Regierung ersetzt werden.

Die oktroyierte Wirtschaftspolitik wird die griechische Wirtschaft zerstören. Die griechischen Banken werden teilweise zusammenbrechen. Viele Sparer werden ihre Guthaben verlieren.

Die Folgen für die anderen Euro-Staaten kann man sich leicht ausmalen: Jeder, der jetzt noch in Italien, Spanien oder Portugal sein Geld auf der Bank liegen lässt, riskiert den Totalverlust. Aus der griechischen Banken-Panik kann in Sekunden eine europäische Banken-Panik werden. Eine solche ist nicht beherrschbar, schon gar nicht von den inkompetenten Euro-Rettern.

Das Rezept der „Rettung“ Griechenlands besteht in dem wahnwitzigen Ansatz, noch mehr Austerität zu verordnen. Das hat schon in den vergangenen fünfeinhalb Jahren nicht funktioniert. Aber nicht ein einziger der Euro-Retter hatte den Mut oder die Fantasie, den prinzipiellen Kurs in Frage zu stellen.

Die Solidarität in der EU ist erodiert. Es herrscht der blanke Egoismus. Das Flüchtlingsdrama wird der nächste Schauplatz des verheerenden Scheiterns in einem politischen Konstrukt sein, in dem alle an den Vorteilen mitnaschen wollen, jedoch keiner bereit ist, die Schwachen zu stützen – wenn er selbst dazu einen konkreten Beitrag leisten muss. Anstelle der gemeinsamen Werte ist der Kampf Jeder gegen Jeden getreten.

Angela Merkel und vor allem Wolfgang Schäuble haben die EU über Nacht in ein Gebilde verwandelt, das nicht mehr vom Vertrauen zusammengehalten wird, sondern nur von der nackten Angst.

Die Euro-Skeptiker in den einzelnen Ländern werden weiter massiven Zulauf erhalten: Podemos in Spanien, Grillo in Italien und vor allem Le Pen in Frankreich. Wie sehr sie die EU blockieren können, hat man an Finnland gesehen.

Das Vertrauen ist verloren gegangen, hat Angela Merkel gesagt. Da hat sie absolut recht. Doch Vertrauen ist die Grundlage einer gemeinsamen Währung. Der Euro ist nicht unumkehrbar. Die mörderische Aggression im Streit mit Griechenland kommt daher, dass es keine rechtlichen Regeln gibt, geordnet aus dem Euro auszusteigen. Er erweist sich jetzt als Zuchtrute für alle Völker, die ihm angehören. Die Demokratie wurde mit Bankenschließungen ausgeschaltet. Die Freiheit, die mit der Kredit-Orgie vorgegauket wurde, entpuppt sich als Gefängnis.

Mit einer Einigung mit Griechenland beginnt der Schrecken erst richtig– für Griechenland und für Europa. Am Ende wird der Bruch stehen: Entweder die Südstaaten gründen eine neue Union, aber Deutschland tritt aus. George Soros hatte dies bereits vor Jahren empfohlen, er wird recht bekommen.

Die chaotische Abwicklung der Euro-Zone wird gewaltige Summen kosten. Der Lebensstandard wird in keinem der EU-Länder zu halten sein. Der private Sektor wird ausgehöhlt. Was bleibt, ist eine Zwangsherrschaft von staatlichen Einzel-Interessen. Das Zusammenleben in Europa wird nicht mehr von Verträgen bestimmt, sondern vom Recht des Stärkeren.

Angela Merkel ist, wie Gregor Gysi prophezeit hat, zur Zerstörerin des Euro geworden. Denn alle Euro-Staaten sind mehr oder weniger „pleite“, wenn man die Maßstäbe des Fiskalpakts anlegt. Die Summen, die noch vernichtet werden, werden ein Vielfaches dessen sein, was das Griechenland-Desaster kostet. Wir werden soziale Unruhen, Aufstände und Gewalt sehen. Erste Vorboten sehen wir bereits in den Feindseligkeiten gegenüber Muslime, die spürbar zugenommen haben. Wir werden, als Reaktion darauf, mehr staatliche und mehr finanzielle Repression sehen.

Das einzig Positive an dem unwürdigen Schauspiel: Die Regierungen sind moralisch zu leer und finanziell so klamm, dass sie nicht mehr mit Waffen aufeinander losgehen können. Für einen „heißen“ Krieg in Europa reicht es bein keinem.

Doch schon auch der Kalte Krieg, der mit dem Streit um Griechenland ausgerufen wurde, ist abstoßend genug. Der Rest ist Grauen.

Kommentare

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  1. Andreas K. sagt:

    Heiße Thesen, die hier formuliert werden, wer hat diesen Kommentar der Deutsche-Mittelstands-Nachrichten eigentlich geschrieben?
    Meiner Meinung nach ist gerade der gemeinsame Euro dafür verantwortlich, dass es auch dem deutschen Mittelstand sehr gut ging und er viele Abnehmer im europäischen Ausland gefunden hat, weil wir preislich mithalten konnten.

    Was mir stinkt, dass in vielen Medien immer wieder Anzeichen, für eine neue Strategie Schäuble’s präsentiert werden, Schäuble an sich jedoch keine. Wo wird hier der Wähler noch mitgenommen, wo wird hier noch klar gemacht, dass die aktuelle Regierung im Auftrag ihrer Wähler handelt? Hier geht es nicht nur um unsere Ersparnisse, hier geht es um unsere Zukunft inmitten von Europa. Vielleicht sollte doch mal jemand die Vertrauensfrage stellen.

  2. Minesweaper sagt:

    Wenn ich kurz vorm Staatsbankrott stehe, dann sollte ich dankbar sein um die Solidargemeinschaft der europäischen Union. Ohne deren Hilfsmaßnahmen wäre Griechenland verloren und würde in Armut versinken. Hier von Demütigung zu sprechen ist die Angelegeneheit um 180 Grad falsch zu sehen, das erinnert an die Tricks von Varoufakis. Wenn ich so was von Pleite bin wie die Griechen, dann ist Stolz nur sehr eingeschränkt möglich.
    Stolz können sie wieder sein, wenn sie ihre Staatsfinanzen in Ordnung gebracht haben.

    Und eins ist nötig – bei diesem besonderen Volk – ohne eine gewisse Disziplinierung würden die Griechen weiter so schludern.

    Griechenland ist in der EU ( es war der Wille des griechischen Volkes), hat den Euro als Währung und muss sich einfach an die Regeln in der EU halten, das ist Vorraussetzung um in der Gemeinschaft bestehen zu können.

    GR kommt mir manchmal wie ein bockiges verwöhntes Kind vor, das zum ersten mal der wahren Realität des Lebens gegenüberstehet und seinen Komfort nicht aufgeben will. Da wird getrickst und wild argumentiert, allen anderen die Schuld zugewiesen. Und das von einem Land das mal die Demokratie erfunden hat und herausragende Denker im Lande hatte …… Ja, ja, lang ist´s her.

  3. Josef Schreiber sagt:

    Griechenland gehört jetzt Goldman&Sachs! Das trojanische Pferd ist zurückgekehrt! Aus seinem Bauch steigt die internationale Hochfinanz! Armes Europa!

  4. Leopold sagt:

    Inkompetente Eurokraten.
    Ja, es zeigt sich jetzt, was diese Eurokraten aus der EU gemacht haben. Diese Krise wurde nur durch die EU mit ihrer Politik des billigen Geldes heraufbeschworen. Die gesamte EU wurde in die Staats-Überschuldung getrieben. Und jetzt wollen sie die Wirtschafts- und Währungsunion, die sie nicht in den Griff bekamen, zur Sozial- und Transferunion umfunktionieren. Vielleicht fragen sie erst einmal die Bevölkerung, wo die mit der EU hinwill!

  5. Gerhard sagt:

    Die Bordkapelle spielt „Näher, mein Gott, zu Dir“ während das Schiff zu sinken beginnt!

    Es geht also weiter wie bisher, das Unaufschiebbare wird weiter aufgeschoben, etwas anderes war kaum zu erwarten.

    Der Euroraum wird geführt von erbsenzählenden Möchtegernmilliardären,
    die den Blick für das Große und Ganze schon längst aus den Augen verloren haben.

    Die Seuche der Spaltung Europas nimmt weiter an Dynamik zu, mit Vollgas an die Wand.

  6. Hans von Atzigen sagt:

    Da erübrigt sich jeder Kommentar
    Nagel voll auf den Kopf getroffen.
    Ach ja noch eine Kleinigkeit.
    Der Krugmann ,,Wettert und Zettert,,.
    Waren doch die Wirtschaftsrezepte
    des Krugmann und Co.
    die das Verursacht haben?
    Autsch??? Nobelpreis!!!???
    Freundliche Grüsse

  7. Willi sagt:

    ein schöner Traum, eine Währung zu schaffen und zu hoffen das sich daraus eine politische Einheit ergibt. Doch wie fast immer im Kapitalismus siegt der Egoismus! Jedes Land will für sich den größten Vorteil und das Große Ganze ist Nebensache. Was wir jetzt sehen ist das Ergebnis von Europa-Träumern und Kapitalisten pur. Jede noch so kleine Lücke wurde ausgenutzt, Regeln hier wie da nach belieben gebrochen, Schulden aufgenommen obwohl man wusste das man sie nie begleichen kann, aber von Banken etc. auch Kredite in utopischer Höhe an Länder vergeben ohne nach den Sicherheiten zu schauen. Und das schönste ist alle spielen mit. Aber es ist ja nichts Neues das Macht und Gier ihre Stilblüten treibt. Doch auch die USA sind nicht besser, denn der Anleihencrash war genauso aufgebaut, jeder wusste es kann so nicht funktionieren aber alle spielten mit. Wirklich gelernt hat aus dem allen keiner, weil es wird immer noch schneller noch mehr Geld gedruckt damit der Knall später kommt. Aber mich haben meine Eltern gelernt, es gibt kein Perpetue Mobile auch wenn manche dran glauben.