Boykott-Aufruf gegen deutsche Produkte: Unternehmer bleiben gelassen

Netz-Aktivisten wollen wegen de harten Haltung der deutschen Regierung gegenüber Griechenland deutsche Produkte boykottieren. Die Wirtschaft sieht die Aktion jedoch gelassen „Wir nehmen das ernst, aber es gibt keinen Grund zur Panik“, so der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages. Solche Aufrufe seien bisher noch immer wirkungslos verpufft.

Auf Twitter formiert sich der Widerstand gegen Deutschland in Europa. Viele Europäer haben weder Verständnis für die Demütigungen noch für die harten Auflagen für Griechenland. Ökonomen halten das Austeritätsprogramm für kontraproduktiv. Viele vor allem junge Europäer finden das herrische Auftreten der deutschen Politiker skandalös. Nun wollen Aktivisten deutsche Produkte boykottieren: Im Internet kursieren einen Tag nach der Einigung zwischen Griechenland und seinen Gläubigern Boykott-Aufrufe gegen Deutschland. Das Schlagwort #BoycottGermany etwa gehört beim Kurznachrichtendienst Twitter zu den Toptrends. Die deutsche Politik wird dabei für die schwere Wirtschaftskrise in Griechenland mitverantwortlich gemacht.

Die Wirtschaft befürchtet keinen größeren Schaden durch Boykott-Aufrufe gegen deutsche Produkte wegen der harten Haltung der Bundesregierung in der Griechenland-Krise. „Wir nehmen das ernst, aber es gibt keinen Grund zur Panik“, sagte der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier, am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. „Solche Aufrufe hat es seit Beginn der Griechenland-Krise immer wieder gegeben. Sie sind weitgehend wirkungslos verpufft.“

Ähnlich sieht das der Außenhandelsverband BGA: „Wir sind global aufgestellt, haben gute Produkte und sind zuverlässig – das zählt“, sagte BGA-Präsident Anton Börner. „Hier werden starke Emotionen geschürt. Die legen sich aber auch wieder.“ Deutschland sei ein stabilisierender Faktor – gerade auch durch seine Hilfsleistungen für Griechenland.

„Es gibt in Griechenland auch Unterstützung für Reformen“, sagte Treier. „Der Wirtschaft vor Ort ist angesichts der Einigung ein Stein vom Herzen gefallen. Sie steht hinter den Verabredungen.“ Die Euro-Staaten hatten sich am Montag auf Grundzüge für ein drittes Hellas-Hilfsprogramm im Umfang von bis zu 86 Milliarden Euro geeinigt, im Gegenzug muss Griechenland beispielsweise die Mehrwertsteuer anheben und Staatsunternehmen privatisieren.

Kommentare

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  1. stiller Beobachter sagt:

    Der Begriff Mad in Germany war der erste Boykot und erreichte das Gegegenteil lol
    https://de.wikipedia.org/wiki/Made_in_Germany

    Eigendlich waren wir doch blöd denen Geld zu borgen.

  2. Matthes sagt:

    Diese „Jungen Europäer“
    hatten wahrscheinlich das Glück, bisher noch keinen Kredit bei ihrer Bank aufnehmen zu müssen. Sonst würden sie die Modalitäten kennen. Sie sollen sich überraschen lassen und dann vielleicht neu denken und neu twittern!

  3. gothicpunk sagt:

    Waere schoen wenn die deutsche Exportnation mal einen daempfer erhalt.Wir deutsche sind nicht der Nabel Europas und haben kein Recht Suedeuropaeern unseren Willen aufzuzwaengen.Solch ein Europa kann und wird nie funktieoniren.

  4. Gutartiges Geschwulst sagt:

    „Die Wirtschaft sieht die Aktion jedoch gelassen.“

    Na, ich weiß nicht. Wenn Bankrotteure unsere U-Boote nicht mehr bestellen, sind wir doch ganz schön angeschissen.