Kein Wachstum bei deutschen Maschinenbauern

Die deutschen Maschinenbauer erwarten 2015 eine Stagnation der Produktion. Grund sei vor allem der Geschäftsausfall in Russland. Die erhofften Impulse aus dem Wegfall der Sanktionen gegen den Iran seien für die Maschinenbauer nicht so schnell zu erwarten.

Der Maschinen- und Anlagenbau fällt in diesem Jahr als Wachstumsmotor aus. Die als Rückgrat der deutschen Wirtschaft geltende Branche mit mehr als einer Million Beschäftigten kassierte am Dienstag die Prognose und erwartet 2015 nun eine Stagnation der Produktion statt eines Plus von zwei Prozent. „Weltweit gibt es derzeit keinen investitionsgetriebenen Aufschwung“, sagte Ralph Wiechers, Chefvolkswirt des Branchenverbandes VDMA, in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. „Die Auslastung der Betriebe ist nur noch am unteren Rand der Wohlfühlzone.“

Bereits seit Monaten ächzten die Maschinenbauer unter den Belastungen wie dem Geschäftsausfall in Russland, den sie durch positive Effekte etwa in den USA oder Teilen Europas nicht mehr ausgleichen könnten, sagte Wiechers. Er betonte aber, nach wie vor hoffe die mittelständisch geprägte Branche auf eine Erholung im zweiten Halbjahr. „Wir rechnen für den weiteren Jahresverlauf weiter mit einem moderaten Produktionswachstum in einem labilen Umfeld“, sagte Wiechers. „Wir gehen davon aus, die Minusraten bis zum Jahresende ausgleichen zu können.“

Rasche Impulse aus dem Wegfall der Sanktionen für den Iran setzen die Maschinenbauer nicht. Es gebe nach der Einigung im Atomstreit mit dem lange von westlichen Exporten abgeschnittenen Land noch viele ungeklärte Fragen, erklärte VDMA-Hauptgeschäftsführer Thilo Brodtmann. Die Einigung müsse erst rechtlich umgesetzt werden. „Und das wird wohl noch etwas dauern“. Die internationalen Maschinenbauexporte in den Iran könnten mittelfristig auf acht Milliarden Euro von gut fünf Milliarden im vorigen Jahr steigen, schätzt der Verband. „Das sind interessante Perspektiven, aber kein Eldorado“, sagte Klaus Friedrich, VDMA-Experte für den Iran.

Der Iran und die fünf UN-Vetomächte sowie Deutschland haben eine Einigung in dem seit Jahren schwelenden Konflikt um das Atomprogramm der Islamischen Republik erzielt. Damit soll verhindert werden, dass der Iran eine Atomwaffe entwickeln kann.

Dass der VDMA seine ursprüngliche Jahresprognose revidiert, begründete Wiechers auch mit einer „technischen Korrektur“. Der Branchenverband hatte bislang für den Zeitraum Januar bis April ein Produktionsplus von 1,1 Prozent angenommen. Diese vorläufige Zahl basiere auf einer monatlichen, bei einem Teil der Firmen erhobenen Umfrage, erklärte er. Bei der vierteljährlichen Umfrage, die bei allen größeren Unternehmen erfolge, habe sich mit einem Minus von 1,4 Prozent ein gegenteiliges Bild ergeben. Zudem sei der Mai mit zwei Arbeitstagen weniger als im Vorjahr mit minus 6,8 Prozent schwach ausgefallen.

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