DIHK: Kuba wird nach US-Embargo spannend für deutsche Unternehmen

Die deutsche Außenwirtschaft muss für Investitionen in Kuba auf ein Ende des US-Embargos warten, so DIHK-Außenwirtschaftschef Treier. Der Inselstaat berge dann jedoch echtes Potential für die Auto, Energie und Maschinenbaubranche. Bisher bekommen deutsche Unternehmen jedoch Probleme mit den US-Partnern, sobald sie Geschäfte mit Kuba eingehen.

Die von Kuba angekündigten Wirtschaftsreformen bilden nach Einschätzung des DIHK noch keine Grundlage für ein größeres Engagement deutscher Unternehmen in dem Karibikstaat. „Es ist ein zartes Pflänzchen vorsichtiger Hoffnung, nicht das neue Investitionsprojekt Nr.1 der europäischen Wirtschaft“, sagte der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier, der Nachrichtenagentur Reuters in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview. Für die deutsche Wirtschaft werde Kuba erst dann wirklich interessant, wenn die USA das weitreichende Embargo gegen den sozialistischen Inselstaat aufheben. Bisher müssen deutsche Firmen massive Probleme im Geschäft mit den USA befürchten, sobald sie Handel mit Kuba treiben.

Am Donnerstag und Freitag besucht Frank-Walter Steinmeier als erster bundesdeutscher Außenminister den Karibikstaat, im Zuge der langsamen Normalisierung der Beziehungen zwischen den USA und Kuba. Die „Lockerungsübungen“ in Kuba machten Hoffnung, sagte Treier. Bisher habe sich das Wirtschaftssystem vor Ort aber noch nicht verändert. „Für die deutsche Wirtschaft spielt Kuba im Moment keine besonders große Rolle.“ 2014 exportierte Deutschland Güter im Wert von rund 190 Millionen Euro in den Inselstaat, damit stehe das Land auf einer Stufe mit dem Sudan. Es handle sich vor allem um Maschinen, chemische Erzeugnisse und pharmazeutische Produkte. Die Einfuhren aus Kuba hatten einen Wert von rund 30 Millionen Euro, vor allem Lebensmittel wie Zucker, Kaffee und Rum sowie Zigarren.

Etwa 30 deutsche Unternehmen seien in dem sozialistischen Staat vertreten, sagte Treier. Sie könnten aber vor Ort nicht produzieren. Auch der Abschluss von Verträgen gestalte sich als schwierig. „Wenn Sie heute Verträge abschließen, steht das alles unter Vorbehalt, das sind lauter Absichtserklärungen“, sagte der DIHK-Vertreter. „Am Schluss gibt es in jedem Bereich eine staatliche Institution, die darüber entscheidet, ob das Geschäft getätigt wird oder nicht.“ Auch Mitarbeiter könnten nicht frei angeworben werden, sondern würden den ausländischen Firmen von einer Agentur zugeteilt.

Treiers Einschätzung nach dürfte Deutschland bei einer weiteren Öffnung Kubas vom Markt für hochwertige und Luxusgüter profitieren, auch deutsche Autos hätten angesichts des stark veralteten Fuhrparks Absatzchancen. Die USA seien jedoch rein geographisch im Vorteil. „Die Amerikaner sind mit einer Entfernung von 150 Kilometern nach Florida viel näher dran, da müssen wir uns nichts vormachen“, sagte Treier. „Das ist ja auch ein Kostennachteil, wenn wir alles über den Atlantik schippern müssen.“

Chancen sieht der Experte auch für den Verkauf deutscher Maschinen, wenn auf Kuba verstärkt Produktion aufgebaut werde. „Da spielt der Preis nicht die ausschlaggebende Rolle, da werden wir sicher zum Zuge kommen“, erklärte Treier. Auch der Export chemischer Vorerzeugnisse für die Gesundheitsversorgung werde sicher stark wachsen. Darüber hinaus könnten sich deutsche Firmen um die Modernisierung der veralteten Infrastruktur in Kuba bewerben, dabei gehe es um die Telekommunikation, den Straßenbau, aber auch Medizintechnik für Krankenhäuser bis hin zu landwirtschaftlichen Maschinen. „Das sind Bereiche, die perspektivisch schon Hoffnung auf bessere Geschäfte machen“, sagte der Experte. Denkbar sei auch ein Engagement beim Ausbau der erneuerbaren Energien, an dem Kuba ein Interesse signalisiert habe.

Unabdingbare Voraussetzung sei aber die Aufhebung des US-Embargos und ein Regime-Wechsel, den die USA wohl zur Bedingung dafür machen würden, sagte Treier. All dies werde noch eine Weile dauern. „Man kann sich hier schon einen Zeitraum – jetzt sind wir mal optimistisch – von zwei Jahren vorstellen, in dem diese Annäherung zwischen Kuba und den USA letztlich auch zu einer deutlicheren Öffnung des Wirtschaftssystems und einer Lockerung des Embargos führen kann.“ In der Zwischenzeit werde es vielleicht einzelne Bereiche geben, in denen für ausländische Firmen mehr möglich sei als bisher. Besonders weit entwickelt sei ohnehin bereits der Tourismus.

Die Bürokratie der staatlichen Planwirtschaft dagegen schrecke deutsche Unternehmen weit weniger als das US-Embargo, sagte Treier. Bürokratie gebe es auch in anderen Ländern. Diesem Problem würden sich die Unternehmen stellen, wenn Kuba sich dann tatsächlich weiter öffne. „Natürlich ist die Bürokratie erst einmal da“, erklärte der Experte. „Aber Marktwirtschaft heißt nicht, dass keine Bürokratie da ist – sie ist nur anders.“

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  1. Stefan Müller sagt:

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    habe Ihren Beitrag gelesen. Jedoch vermisse ich die Namen der deutschen Firmen die in Kuba schon ansässig sind sowie die Namen der deutschen Firmen die mit Herrn Gabriel die Kubareise antraten. Ich würde mich freuen wenn Sie mir dies mitteilen könnten.

    In Verbleib einer Antwort

    Mit freundlichen Grüßen

    Stefan Müller