Magna übernimmt schwäbischen Getriebehersteller Getrag

Magna zahlt 1,75 Milliarden Euro für die Übernahme von Getrag. Das schwäbische Familienunternehmen suchte einen starken Partner. Getrag sei so künftig robuster gegenüber Marktschwankungen aufgestellt.

Der schwäbische Getriebhersteller Getrag flüchtet sich in die Arme des kanadischen Autozuliefer-Riesen Magna. Magna zahlt 1,75 Milliarden Euro an die Familie Hagenmeyer, der das Unternehmen aus Untergruppenbach bei Heilbronn gehört, wie die globale Nummer zwei der Branche am Donnerstag mitteilte. Getrag-Chef Mihir Kotecha sagte, der Vorstand und die Familie seien 2012 nach dem tiefen Einbruch in der Finanzkrise zu dem Schluss gekommen, für die Expansion einen starken Partner zu brauchen. „Wir haben uns alle Alternativen angesehen.“ Anders als ein ebenfalls geprüfter Börsengang bringe Magna nicht nur finanzielle Flexibilität, sondern auch die technologischen Fähigkeiten und die Marktmacht eines Weltkonzerns mit.

„Mit dem neuen Eigentümer wird Getrag künftig robuster gegenüber Marktschwankungen“, sagte Kotecha. Man habe mit Magna seit acht oder neun Jahren immer wieder gesprochen. „Wir kennen uns sehr gut.“ Doch die Eigentümerfamilie wollte lange nur einen Minderheitsanteil an dem 1935 gegründeten Unternehmen verkaufen. Sie hatte 2007 die Beteiligung des US-Zulieferers Dana zurückgekauft. Auch der chinesische Partner Dongfeng hatte einen Einstieg geprüft.

Kündigungen in der 13.500 Mitarbeiter starken Belegschaft seien nicht geplant, hieß es in Unternehmenskreisen. Der Markenname und alle Werke sollten erhalten bleiben. Darauf pocht auch die IG Metall. Bezirkschef Roman Zitzelsberger äußerte sich zwiespältig: „Wir bedauern einerseits, dass ein traditionelles baden-württembergisches Familienunternehmen von den Gründern verkauft wird. Andererseits begrüßen wir es, dass mit Magna ein strategischer Investor gefunden wurde, bei dem Getrag gut ins Portfolio passt.“ Die Gewerkschaft werde darauf drängen, dass die Standorte zukunftssicher gemacht werden, forderte Zitzelsberger.

Einschließlich der Schulden und Pensionsverpflichtungen von Getrag muss Magna 2,5 Milliarden Euro stemmen. Nur Robert Bosch ist unter den Autozulieferern größer als die Kanadier, die 2014 auf 36,6 Milliarden Dollar Umsatz kamen. Magna hat es vor allem auf das Doppelkupplungsgetriebe abgesehen, bei dem Getrag führend ist. „Wir haben den Ausbau unseres Getriebegeschäfts als strategisch vorrangig erkannt“, begründete Magna-Chef Don Walker den Zukauf. Getriebe spielten eine Schlüsselrolle bei der Reduzierung des Schadstoffausstoßes, und sie seien schwer nachzubauen.

Getrag kam im 2014 auf 1,7 Milliarden Euro Umsatz. Dazu kamen 1,6 Milliarden aus Gemeinschaftsfirmen mit Partnern wie Ford und den chinesischen Autobauern Jiangling und Dongfeng. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) wurde auf 230 Millionen Euro geschätzt.

Kotecha setzt für die Zukunft ganz auf China. Er will den Umsatz bis 2019 auf fünf Milliarden Euro steigern. Dann sollen 45 Prozent der Getrag-Produktion aus dem Reich der Mitte kommen, zuletzt war es ein Viertel. Der Konzern beliefert unter anderem BMW, Daimler, Renault und Volvo.

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