Maschinenbauer: Iran ist kein El-Dorado

Nach den erfolgreichen Verhandlungen mit dem Iran ist die Vorfreude auf neue umfangreiche Aufträge aus dem Land groß. Doch unabhängig davon, dass die Sanktionen erst im kommenden Jahr nach und nach aufgehoben werden sollen, ist der Iran ein schwieriges Pflaster, sagt Klaus Friedrich, Iran-Experte vom Verband Deutscher Maschinen- und Anlagebauer VDMA.

Deutsche Mittelstands Nachrichten: Die fünf UN-Vetomächte und Deutschland haben ein Abkommen mit dem Iran geschlossen, der Atomstreit ist beigelegt. Demnach werden die USA und die EU ihre Sanktionen aufheben, darunter auch die Maßnahmen gegen die iranische Zentralbank. Wie bewerten Sie diese Entwicklungen?

Klaus Friedrich: Politisch positiv, wirtschaftlich interessant, aber kein El-Dorado. Bis zur rechtlichen Umsetzung der politischen Beschlüsse wird es außerdem noch einige Monate dauern.

Deutsche Mittelstands Nachrichten: Welche Chancen eröffnen sich für mittelständische Unternehmen?  

Klaus Friedrich: Hängt davon ab, ob Mittelständler bereit sind, die mit dem Irangeschäft verbundenen Schwierigkeiten zu akzeptieren. Denn es wird noch Rest-Beschränkungen geben, auf Jahre hinaus. Hinzu kommt die normale Exportkontrolle. Wer dies nicht lernen will, ist im Irangeschäft fehl am Platz. Allen anderen Unternehmen eröffnen sich mittelfristig interessante Perspektiven, denn die iranische Industrie hat hohen Nachholbedarf.

Deutsche Mittelstands Nachrichten: Welche Chancen sehen Sie für die Maschinen- und Anlagenbauer? 

Klaus Friedrich: Viele iranische Industrieanlagen quer durch alle Branchen müssen dringend erneuert und verbessert werden. Relativ gute Chancen also, gerade für die vielen Unternehmen mit Erfahrung im Irangeschäft. Neulinge werden sich schwer tun. Der Iran war noch nie ein einfacher Markt, das sollte man bei aller Euphorie nicht vergessen.

Deutsche Mittelstands Nachrichten: Kann der Iran ein Ausweichmarkt werden, wenn sich die Sanktionen mit Russland weiter fortsetzen bzw. erneut drohen? 

Klaus Friedrich: Nein, solche Gedankenspiele sind Unsinn, da vergleicht man Äpfel mit Birnen. Beides völlig unterschiedliche Märkte, in jeder Hinsicht.

Deutsche Mittelstands Nachrichten: Birgt das Abkommen auch Gefahren? 

Klaus Friedrich: Der VDMA hat seine Analyse des Abkommens noch nicht abgeschlossen, nicht gerade die einfachste Lektüre. Bei dem viel zitierten Snap-Back-Mechanismus muss jeder selbst entscheiden, wie viel Vertrauen er als Unternehmer in die iranische Politik setzt. Denn das mit dem Snap-Back-Mechanismus verbundene Risiko hängt letztlich alleine an der iranischen Politik. Iran-erfahrene Unternehmen werden sich da eine Einschätzung zutrauen. Neulinge dürften sich naturgemäß schwer tun, wie schon gesagt: Für Anfänger ist und war der Iran noch nie ein einfaches Pflaster.

Deutsche Mittelstands Nachrichten: Geht Ihnen das Abkommen weit genug? 

Klaus Friedrich: Soweit wir es bisher beurteilen können, gibt es insoweit an dem Abkommen nichts auszusetzen. Außerdem: Das Abkommen verfolgt in erster Linie politische Ziele und ist keine Wirtschaftsförderungsmaßnahme.

Deutsche Mittelstands Nachrichten: Gab es vor den Verhandlungen Gespräche mit der deutschen Regierung Ihrerseits – der Branche ? 

Klaus Friedrich: Nein, überhaupt nicht, stand auch nie zur Debatte. Wie schon gesagt: Das ist kein Wirtschaftsförderungsabkommen.

Deutsche Mittelstands Nachrichten: Werden Sie generell auch mal von der Regierung konsultiert? 

Klaus Friedrich: In Embargofragen? Vorab leider selten, was misslich, oft aber leider unvermeidlich ist. Im Nachhinein, wenn es um die Folgen und Umsetzung geht, wird die Wirtschaft von der Regierung hinzugezogen. Leider können wir so unnötige Fehler und unerwünschte Konsequenzen von Embargos nicht mehr verhindern, bestenfalls nur noch etwas abmildern.

Deutsche Mittelstands Nachrichten: Gibt es einen weiteren potentiellen Markt, den es für die Maschinen- und Anlagenbauer aus Deutschland noch zu erobern gilt? 

Klaus Friedrich: Die Iran-Situation ist weltweit einmalig und wird es wohl auch bleiben. Der Irak hätte ein Vergleichsfall sein können, aber er hat sich leider nach Aufhebung des Embargos quasi selbst zerlegt. Und Myanmar, wo auch ein Embargo abgeschafft wurde, ist noch viel zu wenig entwickelt, liegt weit, weit unterhalb des Irans in Sachen Wirtschaftsstruktur. Unabhängig von solchen „Ex“-Embargo-Ländern gibt es natürlich noch viele Märkte weltweit, insbesondere in Asien und Südamerika, wo der deutsche Maschinen- und Anlagenbau seine Marktanteile noch ausbauen kann.

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