Vertrauen in Lebensmittelwirtschaft schwindet

In den vergangenen Jahren wurde immer häufiger über Skandale in der Lebensmittelbranche berichtet. Zudem wächst das Bewusstsein zu regionalen und nachhaltigen Produkten. Entsprechend nimmt die Skepsis gegenüber der Lebensmittelbranche zu.

Weltweit rückt die Lebensmittelwirtschaft immer stärker in das Bewusstsein der Menschen. Skandale, Tierquälerei, Mogelpackungen etc. – die Liste der Vorfälle wird im Zuge der Globalisierung und Digitalisierung immer länger. Durch die Häufung solcher Fälle in der öffentlichen Wahrnehmung kämpft die Lebensmittelbranche mit großer Verbraucherskepsis. Im vergangenen Jahr ist das Vertrauen in die Lebensmittelwirtschaft deutlich gesunken, wie das aktuelle Edelmann Trust Barometer zeigt. In 19 von 27 Ländern ist das Vertrauen deutlich zurückgegangen.

Die stärksten Einbußen erlebte die Branche in Singapur, Argentinien, Hong Kong, den Niederlanden und Südkorea. Aber auch in Deutschland ist die Skepsis größer geworden. Zwar betrifft dies weltweit in besonderem Maße den Fast Food Sektor, aber hier kann keinesfalls von einem Einzelfall die Rede sein. Am ehesten genießen Landwirtschaft und Fischerei das Vertrauen der Konsumenten (63 %). Beim Lebensmittelhandel, der Lebensmittelindustrie und Agribusiness haben etwas mehr als die Hälfte der Menschen noch Vertrauen bzw. leichtes Vertrauen. Fast Food Restaurant hingegen können nur nach das Vertrauen von jedem Dritten erreichen.

Interessanter Weise bewerteten die Befragten ihr Vertrauen in einzelne Unternehmen des Wirtschaftszweigs oft deutlich niedriger als ihr Vertrauen in den Wirtschaftszweig selbst. Nichtsdestotrotz wollen 69 Prozent der Konsumenten, dass die Lebensmittelwirtschaft stärker mit in die Ernährungspolitik einbezogen wird. In Deutschland sagen das nur 56 Prozent der Bevölkerung. Tatsächlich wollen 54 Prozent der Deutschen sogar, dass die Lebensmittelindustrie noch stärker reguliert wird. Nur etwa jeder zehnte in Deutschland spricht von zu viel Regulierungen in dieser Branche. Nur in Brasilien, Russland, der Türkei und China ist der Ruf nach mehr Regulierung noch größer.

Der Trend in Richtung Bio, Regionales und Nachhaltigkeit macht sich vor allem bei den deutschen Konsumenten bemerkbar. Selbst bei Discountern wie LIDL und Aldi wird zunehmend darauf reagiert. Neben bio und regional sieht man hier immer häufiger Fairtrade. So erreichten die Verkäufe Fairtrade-zertifizierter Produkte im vergangenen Jahr „das stärkste absolute Wachstum“, berichtete Fairtrade Deutschland.  827 Millionen Euro  gaben Verbraucher und Verbraucherinnen 2014 für Fairtrade-Waren aus. Das sind 173 Millionen Euro mehr als im Vorjahr bzw. 26 Prozent. „Der deutsche Fairtrade-Markt entwickelt sich sehr dynamisch. Die absatzstärksten Produkte Kaffee, Bananen, Blumen und Kakao legen weiter kräftig zu“, so TransFair-Geschäftsführer Dieter Overath.

Insgesamt lag der Gesamtabsatz von Fairtrade-Produkten erhöhte sich um 44 Prozent auf 102.990 Tonnen. Der Absatz von Faitrade Bananen stieg um 62 Prozent (51.180 t), der von Kaffee um 18 Prozent (13.020 t). „Die Bekanntheit von Fairtrade wächst. 83 Prozent kennen das Siegel und 95 Prozent der Käufer vertrauen ihm“, sagte Dieter Overath. Nach Großbritannien ist Deutschland der zweite Marktführer in Sachen Fairtrade-Einzelhandelsumsätze. Weltweit wurden 2013 beispielsweise 5,5 Milliarden Euro für Fairtrade-Produkte ausgegeben – 15 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Mittlerweile haben  mehr als 30.000 Produkte ein Fairtrade-Siegel. „Jeder vierte Strauß Rosen, der in Deutschland verkauft wird, ist Fairtrade-zertifiziert und mehr als die Hälfte aller in der Schweiz verkauften Bananen tragen das Fairtrade-Siegel“, heißt es im Jahresbericht von Fairtrade Deutschland.

Unabhängig von der steigenden Skepsis der Konsumenten gegenüber der Lebensmittelbranche und ihrer Hinwendung zu mehr Nachhaltigkeit kann die Branche aber durchaus wieder Land gewinnen. Das Edelmann Trust Barometer zeigt, dass es unter den Konsumenten noch viele so genannte „Swing Truster“ gibt. Dabei handelt es sich um „weitgehend neutral bis leicht positiv gestimmte Personen, die dem Wirtschaftszweig weder voll vertrauen noch ihn stark ablehnen“. Im Fast-Food-Sektor sind sich 62 Prozent bezüglich ihres Vertrauens noch unschlüssig, beim Lebensmittelhandel sogar 72 Prozent.

„Swing Truster für sich zu gewinnen, ist eine große Chance für den gesamten Wirtschaftsbereich“, sagt Uta Behnke von Edelman Deutschland. „In einem Umfeld, in dem der Verbraucher auch bei Lieferketten und Produktionsbedingungen immer mehr nach Transparenz verlangt, hat das Consumer Marketing die Chance, die Unternehmensreputation zu stärken – durch Einbindung des Verbrauchers und Verständnis für seine Bedürfnisse und Bedingungen.“

Kommentare

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  1. Dreck im Regal sagt:

    Ein simpler Vergleich zwischen einem deutschn und einem französischen Supermarkt sagt alles. Quantität kann nie Qualität ersetzen. Billig billig billig.
    Wer Dreck kauft wird auch Dreck essen.

    • hugin sagt:

      @ Dreck im Regal
      Hysterische Werbe-Feldzüge, ruinöse Rabatt-Schlachten, das können keine ordentlichen Geschäftsmethoden sein !
      1Kg Schweinefleisch € 4.- 1Kg Katzenfutter „Schönes Fell“
      € 34.-!! So lassen sich die Konsumenten zum Narren halten!

  2. Matthes sagt:

    Skepsis gegenüber der Lebensmittelbranche? Ja!
    Volr allem weil eben die Kontrollen der Lebensmittelbehörden immer weniger werden und diese Branche tun und lassen kann was sie will. Und wird mal jemand mit einem Verstoß entdeckt traut sich der Staat nicht dagegen vorzugehen und den Missetäter in die Öffentlichkeit zu bringen.