Keine Entspannung in der Stahlindustrie

Die weltweite Überproduktion in der Stahlbranche ist weiterhin auch in Deutschland zu spüren. Zwar sind die Auslastungen gut, jedoch wird in der Stahlerzeugung in diesem Jahr mit einem Minus gerechnet. Ohne die gute Nachfrage aus der sich langsam erholenden Europäischen Union dürften die deutschen Stahlerzeuger deutlich unter Druck geraten.

Die Rohstahlerzeugung in Deutschland ist in den vergangenen vier Jahren relativ stabil geblieben. Doch die starke globale Konkurrenz und das hauptsächlich vom privaten Konsum angetriebene Wirtschaftswachstum in Deutschland setzen die Branche in diesem Jahr unter Druck. Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) rechnet für dieses Jahr mit einem Rückgang der deutschen Stahlerzeugung um 0,6 Prozent. Damit folgen die deutschen Erzeuger den internationalen Mitwettbewerbern. Hier ist vor allem die gedrosselte Produktion in China ausschlaggebend. Immerhin ergeht es den deutschen Unternehmen mit Kapazitätsauslastungen von 85 bis 90 Prozent deutlich besser als dem Rest der Welt, so das RWI.

Seit April 2014 hatten immerhin de Lieferungen der deutschen Unternehmen ins Ausland zugenommen, wobei vor allem das europäische Ausland den größten Teil der deutschen Exporte aufnimmt. Die Stillegung der Edelstahlproduktion im Bochumer Werk von Outokumpu trägt ebenfalls zum Produktionsrückgang in diesem Jahr bei. Immerhin rechnet das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) für 2016 wieder mit einem Produktionsplus in Höhe von 2,1 Prozent. Die Rede ist von einer Jahreserzeugung in Höhe von 436 Millionen Tonnen.

In den ersten fünf Monaten ging die weltweite Stahlproduktion dieses Jahres um 1,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurück. Während die Produktion im Euroraum relativ stabil ist, sinkt die Produktion nicht nur in China, sondern auch in Japan und den USA. Letzteres wirke sich sowohl – aufgrund der inzwischen in China beträchtlichen Überkapazitäten – auf die Stahlpreise als auch auf die für die Stahlindustrie relevanten Rohstoffmärkte aus, so das RWI. „Die Preise für Eisenerz und Kohle sind nunmehr seit Jahresbeginn 2014 mehr oder weniger kontinuierlich gesunken.“ Für das ganze Jahr wird mit einem Rückgang der weltweiten Rohstahlerzeugung um 0,7 Prozent gerechnet und einem Plus von 1,5 Prozent im nächsten Jahr.

Den Stahlunternehmen fällt es schwer, sich auf sinkende Produktionen angemessen einzustellen.So sind die benötigten Hochöfen vergleichsweise langlebige Kapitalgüter und außerdem erfordern Planung und Bau von Stahlwerken eine recht lange Zeit. Staatliche Subventionen unterstützen die Branche zusätzlich in ihrem Reformunwillen.  „Weltweit ist zu erwarten, dass die Erzeugungskapazitäten in den kommenden Jahren sogar noch steigen, insbesondere in Asien, wo sich noch viele Stahlwerke im Bau befinden.“

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