Autobauer erhalten Zuschlag für Nokia-Kartendienst

Im Wettbewerb um den Kartendienst Nokia Here haben die deutschen Autobauer scheinbar den Zuschlag erhalten. Andere Interessenten sollen sich zurückgezogen haben. Der Kartendienst ist wichtig, um die Vernetzung der Fahrzeuge voranzutreiben.

Die deutschen Autobauer BMW, Daimler und Audi haben einem Bericht zufolge den Zuschlag für Europas führenden Kartendienst Nokia Here erhalten. Sie bezahlen dafür rund 2,5 Milliarden Euro, wie das „Manager Magazin“ am Dienstag auf seiner Internetseite unter Berufung auf Verhandlungskreise berichtete. Alle anderen Interessenten hätten sich aus dem Verkaufsprozess zurückgezogen. Es sei wahrscheinlich, dass noch im Juli endgültig über den Verkauf entschieden werde. Daimler, BMW und Audi lehnten eine Stellungnahme ab. Nokia war zunächst nicht erreichbar.

Der aufseiten der Autobauer an den Gesprächen beteiligte Private-Equity-Investor General Atlantic werde zunächst keine Anteile übernehmen, berichtete das Magazin weiter. Der Finanzpartner solle aber eventuell später einsteigen können, dies gelte ebenso für weitere Autohersteller.

Die digitale Kartentechnik zur Vernetzung von Fahrzeugen oder für selbstfahrende Autos immer wichtiger. Die wie von Roboterhand gesteuerten Wagen sollen die Fahrstrecke in Zukunft mit Sensoren abtasten und mit den Daten der digitalen Kartenanbieter abgleichen, um sicher ans Ziel zu steuern. Die Autobauer wollen verhindern, dass IT-Konzerne die Kontrolle über die Schlüsseltechnologie gewinnen, um so die Preise zu diktieren und die lukrativen neuen Geschäfte mit den Daten zu dominieren. Nokia hat nach Einschätzung von Experten das am weitesten entwickelte Kartenangebot und wird bereits von Audi, BMW und Daimler eingesetzt. Analysten schätzen den Markt von vernetzten Fahrzeugen auf insgesamt rund 50 Milliarden Dollar.

Über den Preis sowie über Details war zuletzt hart gerungen worden. Reuters hatte Ende Mai von einem Insider erfahren, dass BMW, Daimler und Audi jeweils rund 700 Millionen Euro für Nokia Here ausgeben wollten. Wie hoch das Gebot insgesamt war, blieb bis zuletzt offen.

Zu den Bietern hatte auch der Fahrdienstanbieter Uber gehört, dem sich die chinesische Internet-Suchmaschine Baidu angeschlossen haben soll. Eine dritte Gruppe bestand Insidern zufolge aus den beiden chinesischen IT-Firmen Tencent, NavInfo und dem schwedischen Finanzinvestor EQT.

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