Die Zukunft des Geldes

Die Diskussion um eine Abschaffung des Bargeldes sorgt für viel Aufregung. Das liegt auch an der besonderen Beziehung, die die Menschen dazu aufgebaut haben. Doch hat Bargeld auch unabhängig von den Zentralbanken noch eine Zukunft? Darüber sprachen die Deutschen Mittelstands Nachrichten mit dem ehemaligen Chefsvolkswirt der EZB, Otmar Issing, und dem Soziologen Gerd Nollmann.

Deutsche Mittelstands Nachrichten: In den vergangenen Wochen kam von verschiedenen Ökonomen und auch Zentralbanken ein mögliches Bargeldverbot zur Sprache. Wie wichtig ist den Menschen Bargeld?

Otmar Issing: Allen technischen Neuerungen zum Trotz verkörpert das Bargeld für die meisten Bürger immer noch am stärksten die Beziehung zu ihrer Währung.

Gerd Nollmann: Bargeld ist immer noch beliebt. Die Gründe dafür schwanken allerdings je nach Gruppe. Wer Geschäfte betreibt, die keine Spuren hinterlassen sollen, mag natürlich Bargeld. Für den normalen Bürger vermittelt Bargeld immerhin noch das haptische Gefühl, irgendetwas zu haben, das einen Wert ausdrückt – selbst wenn es sich nur um kunstvoll bedrucktes Papier handelt. Bargeld bietet zudem – soweit heute noch möglich – die Möglichkeit des heimlichen Sicherheitssparens, etwa in einem Versteck in den eigenen vier Wänden. Das ist zwar nicht wirklich sicher, aber nach wie vor beruhigend und beliebt.

Deutsche Mittelstands Nachrichten: Werden wir Ihrer Meinung nach in Zukunft überhaupt noch mit Bargeld zahlen wollen?

Otmar Issing: In Deutschland wird sich das so schnell nicht ändern. Bargeld ist im Alltag nach wie vor das beliebteste Zahlungsmittel – freilich mit abnehmender Tendenz.

Gerd Nollmann: Im Falle weiterer Fortschritte bei der Implementierung von elektronischen Zahlungsmethoden im Handel wird die Popularität von Bargeld für Einkäufe weiter sinken.

Deutsche Mittelstands Nachrichten: Wie hat sich Ihrer Meinung nach die Haltung der Menschen gegenüber dem Geld über die Jahrhunderte verändert?

Otmar Issing: Das lässt sich nicht in ein paar Sätzen beantworten. Die größte Veränderung vollzog sich beim Übergang von der Goldwährung zum Papierstandard.

Gerd Nollmann: Bargeld in unserer heutigen Form als reines Papiergeld hat ja selbst noch keine lange Geschichte. Die Trennung aller Deckungen durch Gold erfolgte erst im Laufe des 20. Jahrhunderts, so dass die Einstellung der Menschen dazu im Laufe der Zeit sehr unterschiedliche Geldverkehrssysteme betrachtete. Der großen Skepsis gegenüber Papiergeld, die aus den regelmäßigen Geldkrisen der Neuzeit resultierte, ist speziell in Deutschland in der Nachkriegszeit der bekannte D-Mark-Nationalstolz gefolgt. Letztere spielt nach wie vor eine große Rolle im Denken vieler Deutscher. Die Krise in der Eurozone trägt sicherlich nicht dazu bei, ein naives Vertrauen in die Funktionen des Geldes zu behaupten.

Deutsche Mittelstands Nachrichten: Wie beurteilen Sie die digitalen Währungen?

Otmar Issing: Erscheinungen wie Bitcoin werden sich häufen, aber vermutlich immer nur eine begrenzte Rolle spielen.

Gerd Nollmann: Digitale Währungen wie etwa die Bitcoins basieren wie normales Geld auf dem Vertrauen in die Annahmebereitschaft des Geldes. Da es offenkundig bereits die offiziellen Staaten heute schwer haben, das Geldvolumen sinnvoll zu begrenzen, sehe ich nicht, wie es alternativen Währungen dauerhaft gelingen sollte, die notwendige Knappheit des Geldes zu garantieren. Jede Form von Geld steht ja immer vor dem Problem, dass es Gruppen geben könnte, für die eine Ausweitung der Geldmenge ein gutes Geschäft ist. Auch digitale Währungen entkommen diesem Problem nicht.

Deutsche Mittelstands Nachrichten: Sind digitale Währungen eher von Dauer als das Bargeld?

Gerd Nollmann: Das Bargeld unserer Zeit war seit dem Zweiten Weltkrieg eigentlich äußerst beständig und dauerhaft. Ich sehe keine Ablösung durch digitale Währungen wie Bitcoin.

Deutsche Mittelstands Nachrichten: Gibt es hinsichtlich des Verhältnisses zum Bargeld Unterschiede zwischen den Nationen? In Großbritannien wird seit Jahren jeder Cent-Betrag lieber mit Karte gezahlt.

Otmar Issing: Es gibt in der Tat große Unterschiede im Zahlungsverhalten. Vor wenigen Jahren konnte ich z. B. in Helsinki eine Cola nicht in bar bezahlen. Das Bezahlen mit Kreditkarte fand ich sehr umständlich. Die neuen technischen Möglichkeiten (Handy) werden hier erhebliche Erleichterungen bringen.

Gerd Nollmann: Unterschiede beruhen v. a. darauf, ob die längst verfügbaren Technologien für einfaches elektronisches Zahlen im Einzelhandel auch angewendet werden, also ob sich die Beteiligten auf eine Lösung einigen können. Sobald beispielsweise Zahlungen mit Handy oder Uhr einfach und verlässlich funktionieren, wird das Bargeld in westlichen Ländern nochmals stark an Bedeutung verlieren. Erfolgreiche Technologie nivelliert etwaige nationale Unterschiede sehr stark.

Kommentare

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  1. hugin sagt:

    ABSCHAFFUNG DES BARGELDES IST VERSKLAVUNG DES VOLKES
    Den Menschen sind die Folgen nicht bewusst ! Kein Trinkgeld, Oma kann den Enkeln kein Geld schenken, man kann sich von Bekannten kein Geld leihen und wer nichts hat kann auch nicht um Almosen betteln und Anderes. Neben den vorgelogenen Vorteilen sind bei jedem Zahlvorgang die Gebühren der Bank und des Kreditkarten-Betreibers zu bezahlen. Bei Ausfall der Elektronik ist ein Einkauf unmöglich! Das ganze System ist schädlich, nicht Krisensicher, daher abzulehnen.

  2. Josef Schreiber sagt:

    Die westlichen Demokratien sind eigentlich reinrassige Plutokratien. Jetzt brechen die letzten Dämme und insbesondere die Mittelschicht wird noch bluten müssen bis wir in den goldenen Abschnitt der „Einen Welt“ übergehen! Golden aber nur für Wenige!

  3. Gerhard sagt:

    Unser Bargeld ist Vollgeld, das von der Zentralbank in Umlauf gebracht wird. Giroguthaben bei der Bank sind kein Vollgeld, nur ein Versprechen, das betreffende Guthaben auf Verlangen in Bargeld auszuzahlen. Wenn die Bankkunden alle gleichzeitig Bargeld wollen, brechen Banken zusammen, da es nicht so viel Vollgeld gibt, wie die Banken an Giralgeld geschaffen haben. Aktuell ist das an Griechenland zu sehen, vielleicht auch schon keine ferne Zukunftsmusik mehr für andere Länder. Wird das Bargeld abgeschafft, es macht ohnehin nur 20% aus, 80% sind Giralgeld (Buchgeld), dann ist alles Geld nur noch Bankengeld und kein Zentralbankengeld; da liegt der Hase im Pfeffer. Die Staaten mit den Zentralkbanken geben dann die Kontrolle über das Geld komplett an die Banken ab, dann sind sie die absoluten Herren des Geldes, nur darum geht es!

  4. Doc sagt:

    Viel blabla um eine schon lange geplante Sache – den Versuch der Abschaffung der Bargeldes um die Menschen noch abhängier und kontrollierbarer zu machen.
    Bei dem gehirngewaschenen Zustand der Bevölkerungen kann das sogar gelingen.
    Armselig im Geiste unterwirft sich die tumbe Bevölkerung ihrer eigenen Versklavung ……

  5. Bastian P. sagt:

    Die Bitcoin Geldmenge lässt sich nicht aufweiten. Es wäre höchstens möglich dass sich weltweit alle Nutzer auf eine modifizierte Bitcoinversion einigen würden. Dadurch wäre die originale Bitcoinmenge nicht größer und warum sollten die Nutzer von selbst auf eine entwertete Währung umsteigen?
    Das ist so als wenn von Gold auf Eisen umsteigen wollte. Oder man würde plötzlich 50-prozentiges Gold wie Reingold bewerten. Wer sollte das initiieren? Warum sollten die Goldbesitzer mitmachen?
    Solche Aktionen funktionieren nur bei staatlich kontrollierten Währungen. Die Regierung erklärt eine Währung für abgeschafft und das ist das einfach so. Bitcoin kann nicht von zentralen Stelle ausgetauscht werden und eine Protokollveränderung funktioniert nur wenn alle auf eine veränderte Software wechseln.

    Außerdem, was ist an unserem Bargeld „beständig und dauerhaft“? Eine DMark aus dem Jahr 1950 wäre heute nur noch etwa ein Zehntel wert, falls man damit überhaupt noch bezahlen könnte. Unser Geld funktioniert als Zahlungsmittel aber definitiv nicht zur dauerhaften Wertaufbewahrung.