Österreich: Erben ist für Wohlstand und Wirtschaftskraft entscheidend

In der Eurozone spielt das Erben für die privaten Haushalte und die Vermögensbildung eine große Rolle. Aber in keinem anderen Land der Eurozone ist das Erben für den sozialen Aufstieg so wichtig wie in Österreich. Nur mit dem eigenen Einkommen kann man in Österreich kaum aufsteigen.

Dass Erben für viele eine wichtige Rolle spielt, wenn es um den eigenen Wohlstand und eine Absicherung fürs Alter geht, ist bekannt. Wie wichtig aber das Erben insgesamt noch in der Eurozone und besonders in Österreich ist, zeigt eine Untersuchung der Österreichischen Nationalbank. „Die relative Position der privaten Haushalte in der Vermögensverteilung wird in allen Ländern des Euroraums besonders durch das Erben bestimmt “, ist eine zentrale Erkenntnis der Untersuchung. So haben beispielsweise etwa ein Drittel der untersuchten Haushalte in 13 Ländern geerbt. Und genau diese hätten auch ein deutlich höheres Nettovermögen als diejenigen, die nicht geerbt hätten, so die Wissenschaftler.

Wie wichtig die Erbschaft für den sozialen Aufstieg in Österreich ist, wird schnell deutlich. „Eine Erbschaft in Österreich bedeutet im Durchschnitt hinsichtlich der Position in der Vermögensverteilung dasselbe wie ein Einkommenssprung über mehr als die Hälfte aller Haushalte in Österreich.“ Geht man bei der Vermögensverteilung von 100 Stufen aus, wird ein österreichischer Haushalt durch Erben um 17 Stufen nach oben katapultiert, in der Slowakei nur um fünf und in Spanien um elf.

Wie eine Arbeit von Stefan Humer und Wilfried Altzinger zeigt, wird sich dies in den kommenden Jahren noch verstärken. Eine Erhebung der Europäischen Zentralbank (EZB) habe demzufolge gezeigt, dass „aufgrund der Struktur der Vermögensverteilung unter den privaten Haushalten in Österreich und dem demographischen Wandel ein starker Anstieg der aggregierten Vermögensübertragungen zu erwarten ist“, so die beiden Wissenschaftler.

Sowohl die Zahl der Vermögensübertragungen als auch deren durchschnittliche Höhe werde zunehmen. So soll die Summe des übertragenden Vermögens von 8 Milliarden Euro im Jahr 2010 bis zum Jahr 2030 auf bis zu 20 Milliarden Euro jährlich steigen. Die Verteilung von Einkommen in Österreich ist im internationalen Vergleich relativ „egalitär“, also auf politische und soziale Gleichheit gerichtet. Beim Vermögen herrscht jedoch ein deutliches Ungleichgewicht.

Das führt dazu, dass sich in den kommenden Jahren die Kluft zwischen wohlhabenden, reichen Haushalten und ärmeren noch verstärken wird. Der aktuelle World Wealth Report zeigt, dass die Zahl der Millionäre in Österreich zunimmt. Demnach lebten in Österreich 114.200 Millionäre. Das sind 6.200 mehr Dollar-Millionäre als im Jahr zuvor. Während die Zahl der Millionäre in Österreich um 5,7 Prozent wuchs, nahm sie weltweit sogar um 14,7 Prozent zu. Aus diesem Grund beschäftigen sich beispielsweise Humer und Altzinger mit verschiedenen neuen Erbschaftsbesteuerungen, die dieses Ungleichgewicht zumindest etwas ausbalancieren können.

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