Österreichs Kreativwirtschaft will stärker investieren

Die Kreativwirtschaft nimmt ähnlich wie die Technologieunternehmen eine immer bedeutendere Rolle in der österreichischen Wirtschaft ein. Und im Gegensatz zu den anderen Branchen geht die Kreativwirtschaft von einer deutlichen Verbesserung der wirtschaftlichen Lage aus und will weiter investieren.

Die Gesamtwirtschaft Österreichs erwartet in den kommenden zwölf Monaten kein wirkliches Anziehen des Wachstums des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Es wird sogar ein Abbau von Personal und eine Kürzung ihrer Investitionen in Betracht gezogen. In der Kreativwirtschaft des Landes hingegen ist der Blick auf die nächsten Monate deutlich positiver.

So wird hier sowohl mit einer Steigerung der Gesamtumsätze als auch mit höheren Exportumsätzen gerechnet. Eine Verbesserung der Auftragslage soll zudem die Kapazitätsauslastung der Unternehmen nach sich ziehen, wie eine Umfrage der Wirtschaftskammer Österreich zeigt: „Während die Gesamtumsätze und die Auftragslage bisher rückläufig waren, erwarten sich die Kreativwirtschaftsunternehmen eine Trendwende mit Steigerungen in den kommenden zwölf Monaten.“ Wenngleich die Kreativwirtschaft bei der Entwicklung des Wirtschaftsklimas insgesamt weiterhin keine großen Sprünge erwartet.

37 Prozent der kreativschaffenden Unternehmen erwarten eine Verbesserung der Auftragslage, nur rund ein Viertel eine Verschlechterung. Mehr als die Hälfte der Befragten rechnet mit einen Anstieg der Exportumsätze, wobei der Saldo sogar doppelt so hoch ist wie in der Gesamtwirtschaft. Immerhin werden 15 Prozent der Umsätze schon heute mit internationalen Kunden gemacht. Bei der Beschäftigung und dem Investitionsvolumen sind die Erwartungen der Branche deutlich positiver als in der Gesamtwirtschaft.

Zwar wollen 43 Prozent der Kreativen das Investitionsvolumen in den kommenden zwölf Monaten eher konstant halten, aber immerhin 22 Prozent wollen ihr Investitionsvolumen sogar noch erhöhen. Auch bei der Art der Investitionen unterscheidet sich die Kreativwirtschaft in ihren Planungen deutlich von denen der Gesamtwirtschaft. Während 555 Prozent der Gesamtwirtschaft auf Investitionen aufgrund von Ersatzbedarf setzen, sind es in der Kreativwirtschaft nur 22 Prozent. Bei den Kreativen stehen viel eher die Neuinvestitionen im Vordergrund (40 %). „Hier zeigt sich deutlich die Dynamik der Kreativwirtschaft, die selbst hoch innovativ ist und Treiberin für innovative Produkte und Dienstleistungen für andere Unternehmen ist“, so der Vorsitzende der creativ wirtschaft austria, Gerin Trautenberger.

„Das Innovationspotential ist in der Kreativwirtschaft selbst sehr hoch, sie wirkt aber auch als Treiber für innovative Produkte und Dienstleistungen in anderen Branchen und trägt zu deren Wertschöpfung und Wachstum bei“, so die Wirtschaftskammer. Aus diesem Grund müsse weiter an neuen Finanzierungsmodellen für die Kreativwirtschaft gearbeitet werden. Neben der üblichen Bankenfinanzierung und dem wichtigen Crowdfunding sollte das Land die „Möglichkeiten des neuen EU-Garantiefonds für die Kreativwirtschaft nutzen, um Investitionen für die Kreativwirtschaft zu erleichtern und damit nachhaltiges Wachstum in der Kreativwirtschaft zu fördern“, fordert Trautenberger.

Wie stark der Einfluss der österreichischen Kreativwirtschaft auf die Gesamtwirtschaft ist, zeigen die aktuellen Daten der creativ wirtschaft austria. Demnach stieg die Zahl der Unternehmen hier zwischen 2008 und 2012 um acht Prozent und die Zahl der Beschäftigten im gleichen Zeitraum sogar um zehn Prozent. Mittlerweile sind etwa 140.000 Menschen in der Kreativwirtschaft beschäftigt.

„Die Entwicklung der heimischen Kreativwirtschaft spricht für die Dynamik der Branche“, sagt auch Staatssekretär Harald Mahrer. „Ihre Leistungen tragen dazu bei, Produkte und Dienstleistungen attraktiver zu gestalten, deren Vermarktung zu fördern, Geschäfts- und Produktionsprozesse neu zu denken und die Digitalisierung der Wirtschaft voranzutreiben.“

Kommentare

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  1. Volker K. sagt:

    Zu diesem Artikel mußte ich mich erst einmal schlau machen, um zu erfahren, was dies wohl so tolles ist: „Kultur- und Kreativwirtschaft ist demnach alles das, was produktiv an Kultur hervorgeht, sich mit Kultur beschäftigt.“
    Ein Bereich, welcher im wesentlichen von Geldern, die dem produzierenden Bereich
    entstammen, abhängig ist. Weshalb dieser Bereich stärker prosperieren soll als der
    Bereich, von welchem er abhängt, erschließt sich mir nicht.
    Aber es ist schön, wenn man virtuelles Brot erschaffen kann und davon, wie der
    Artikel aufzeigt, offenbar immer satter und fetter werden kann.
    In früheren Zeiten kannte man „Kreativwirtschaft“ gar nicht. So dumm waren die damals. Da sprach man von den kulturellen Bedürfnissen des Menschen und von der Moral, die nach dem „Fressen“ komme.
    Im wesentlichen wird die „Kreativwirtschaft“ dem Herrn Trautenberger nutzen.
    Pseudowissenschaft kann, wenn diese denn auch ausgiebig gefördert wird, sehr
    lohnend sein.
    Und – auch ein Staatssekretär ist gerne „kreativ“. Wer wollte diesem das verübeln.