Schweizer Exporte in Eurozone brechen ein

Der Schweizer Außenhandel wies für die ersten sechs Monate des Jahres einen hohen Überschuss aus. Sowohl die Exporte als auch die Importe waren deutlich zurückgegangen. Während die Exporte in die Eurozone regelrecht einbrachen, konnte das Exportplus in die USA das Minus etwas abfedern.

Die Schweizer Wirtschaft hatte im ersten Halbjahr 2015 mit Problemen im Außenhandel zu kämpfen. So sanken der Schweizerischen Eidgenossenschaft zufolge die Exporte in den ersten sechs Monaten um 2,6 Prozent und die Importe sogar um 7,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Aufgrund der wechselkursbedingten Güterpreise gingen die Exporte real um 0,8 Prozent zurück und die Importe wuchsen real geringfügig um 0,5 Prozent. Entsprechend erzielte die Wirtschaft eine Handelsbilanz mit einem Überschuss von 17,7 Milliarden Franken.

Während vor allem die Industrie mit Exportrückgängen zu kämpfen hatte, konnten Uhren, Schmuck und Präzisionsinstrumente der Schweiz ihr Ausfuhrwachstum fortsetzen. Die größten Einbußen gab es in der Papier- und Grafischen-Industrie (-12,6 %), gefolgt von der Kunststoffindustrie und der Maschinen- sowie Elektroindustrie. Doch die Bereiche Pharma-, Metall- und Lebensmittelindustrie wiesen gesunkene Exporte aus. Hingegen stiegen die Exporte bei der Uhrenindustrie (+0,4 %), den Präzisionsinstrumenten (+0,6 %) und bei den Bijouterie- und Juwelierwaren (+15,2 %).

Die Ergebnisse hinsichtlich der Exportmärkte der Schweiz fallen ebenfalls sehr unterschiedlich aus. Steigen die Exporte nach Nordamerika (+5 %) und nach Asien (3 %), gingen sie in Europa zurück. Angesichts der Tatsache, dass mehr als die Hälfte der Ausfuhren nach Europa gehen, macht sich dies in der Handelsbilanz der Schweiz deutlich bemerkbar. So verringerte sich der Umsatz in Österreich um 14 Prozent und „in den grossen Volkswirtschaften wie die Niederlande, Italien, Deutschland (- 1,4 Mrd. Fr.)“. Problematisch waren auch die Einbrüche auf dem russischen Markt und in Lateinamerika sowie Afrika. Zwar handelt es sich dabei nicht um die wichtigsten Handelspartner, dennoch ist das Minus von 23 Prozent und 25 Prozent bei den Ausfuhren nach Russland und Mexico sehr groß.

Bei den Importen in die Schweiz bewegte sich der Rückgang in den vier Hauptgruppen zwischen 4 Prozent (Investitionsgüter) und 26 Prozent (Energieträger). Sowohl bei den eingeführten weiter zu verarbeitenden Gütern als auch bei den Konsumgütern kam es in den ersten sechs Monaten einer Abnahme. Bei den Konsumgütern spielten vor allem die importierten Arzneimittel eine wichtige Rolle. Diese sanken 14 Prozent bzw. 2,3 Milliarden Franken.

„Neben jenen aus Ozeanien nahmen einzig noch die Einfuhren aus dem nordamerikanischen Kontinent zu – dies dank den um 15 % gestiegenen Importen aus den USA (Pharmazeutika)“, so die Eidgenossenschaft. Ähnlich wie bei den Exporten waren die Importe vor allem aus Europa schwach. Für Österreich und Belgien lagen sie bei Minus 22 und 20 Prozent und auch für Deutschland, Italien und Großbritannien sanken sie um ein Zehntel.

Im vergangenen Jahr waren die Ausfuhren nach Europa das erste Mal seit vier Jahren wieder gestiegen. Insgesamt wurden Güter 2014 im Wert von 120,8 Milliarden Franken nach Europa verkauft, wie der Jahresbericht der Schweizerischen Eidgenossenschaft zeigt. Aber „obwohl die Lieferungen gut das Zweieinhalbfache des zweitplatzierten Absatzmarktes Asien betrugen sowie das Dreieinhalbfache jener nach dem drittplatzierten Nordamerika, ging der Anteil im Vergleich mit 2010 zu Gunsten dieser beiden Märkten um 4 Prozentpunkte zurück“. Auch bei den Importen gibt es mittlerweile eine Verschiebung weg von Europa hin zu asiatischen und amerikanischen Lieferländern.

2014 beispielsweise importierte die Schweiz 5,657448 Millionen Sonnenbrillen im Wert von 88 Millionen Franken. 60 Prozent davon kamen aus China. Ebenfalls aus China stammten 56 Prozent der im vergangenen Jahr importierten Badekleider. Das seit Juli 2014 in Kraft getretene bilaterale Freihandelsabkommen zwischen der Schweiz und China wird einen weiteren Ausbau bei den Exporten und Importen nach sich ziehen. Zwischen 2000 und 2013 waren die Exporte nach China bereits um das Sechsfache und die Importe um das Fünffache gestiegen. Pharmazeutika, Uhren und Maschinen machen bei den Exporten derzeit 80 Prozent des Umsatzes aus.

Andererseits erreichten die Exporte in den USA im vergangenen Jahr ein Rekordergebnis. Zwischen 1995 und 2014 sind die Exporte in die USA um das Dreieinhalbfache auf 25,9 Milliarden Franken gestiegen. Besonders beliebt sind chemisch-pharmazeutische Produkte sowie Präzisionsinstrumenten, Uhren und Bijouterie. In beiden Branchen vielen die Exporte in den vergangenen 20 Jahren überdurchschnittlich zu. So verdoppelte sich beispielsweise der Anteil der Chemisch-Pharmazeutische Industrie an den Gesamtexporten 2014 auf 50 Prozent.

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