IHS senkt Prognose für Österreichs Wirtschaft

Im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Ländern, wird das österreichische Wachstum auch in den kommenden vier Jahren eher verhalten ausfallen. Das Institut für höhere Studien hat ihre Prognose nun sogar noch einmal gesenkt. Doch nicht nur das Wachstum ist nicht zufriedenstellend. Die Arbeitslosigkeit im Land wird zunehmend zu einem Problem.

Die mittelfristige Prognose für die österreichische Wirtschaft zeigt zwar immerhin keine drohende Rezession, doch wachstumstechnisch hinkt Österreich weiter hinter vielen europäischen Nachbarn hinterher. Für den Zeitraum von 2015 bis 2019 erwartet das Institut für höhere Studien (IHS) ein durchschnittliches Wachstum von 1,6 Prozent. Damit korrigiert das IHS seine eigene Prognose um 0,25 Prozent nach unten. Für 2015 wird sogar nur ein Wachstum von 0,7 Prozent erwartet, für 2016 1,8 Prozent.

„Der Prognose liegt die Annahme einer moderaten Belebung der Weltkonjunktur zugrunde“, so das Institut. Derzeit geht das globale Wachstum vor allem von den Industrieländern aus. Von den Schwellenländern, die jahrelang ein Wachstumsmotor waren, ist hingegen in den kommenden Jahren ein Abschwung zu erwarten. Dies kann sich durchaus noch zusätzlich negativ auf das österreichische Wachstum auswirken.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet für dieses Jahr nur noch einen Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Höhe von 4,25 Prozent für die Schwellenländer. Im Jahr 2010 lag der Zuwachs noch bei 7,5 Prozent und kurz vor der Finanzkrise sogar noch fast doppelt so hoch. Doch der Rückgang der Wachstumsraten ist nicht nur auf wirtschaftliche Rückgänge in den BRIC-Staaten zurückzuführen. „Vielmehr hat sich die Dynamik in allen sechs vom IWF betrachteten Hauptregionen merklich abgeschwächt“, heißt es im aktuellen Monatsbericht der Bundesbank. „In etwa zwei Dritteln der insgesamt 135 betrachteten Volkswirtschaften hat sich das trendmäßige Wachstum seit 2006/2007 verlangsamt.“

Vor allem mit Blick auf die Direktinvestitionen aus dem Ausland könnte sich der Abwärtstrend in den kommenden Jahren noch beschleunigen. „Seit der globalen Finanzkrise sind die externen Finanzierungsbedingungen für die Schwellenländer infolge der außerordentlich expansiven Geldpolitik in den Industrieländern sehr günstig.“ Eine Normalisierung der Geldpolitik, speziell in den USA, könnte jedoch zu verringerten Kapitalzuflüssen in die Schwellenländer führen. Angesichts der starken Exportverflechtungen sowie Investitionen in Unternehmen vor Ort und in eigene Außenstellen könnte dies europäische und amerikanische Unternehmen vor neue Herausforderungen stellen. Immerhin ist der Anteil der Schwellenländer an der globalen Wirtschaftsleistung von 43 Prozent im Jahr 2000 auf 57 Prozent im vergangenen Jahr gestiegen.

„Mit der Länge des Prognosezeitraums steigen die Prognoseunsicherheiten“, so das IHS. Die Weltwirtschaft bleibe anfällig für Störungen durch geopolitische Entwicklungen und Turbulenzen an den Finanzmärkten. Das bekäme auch Österreich zu verspüren. „Die konjunkturellen Auswirkungen eines Staatsbankrotts Griechenlands auf die übrigen Euroländer werden aufgrund der institutionellen Reformen (etwa Bankenunion) als eher gering eingeschätzt.“

Zudem bestehe das Risiko, dass sich in Österreich trotz verbesserter internationaler Konjunktur die Stimmung der Wirtschaftsakteure nicht bessert und weiterhin wenig investiert wird. „Hierbei ist auch zu beachten, dass sich die preisliche Wettbewerbsfähigkeit Österreichs im Euroraum in den letzten Jahren verschlechtert hat.“ Bei einer anhaltenden Investitionszurückhaltung würde der Kapitalstock der österreichischen Wirtschaft kaum ausgeweitet werden. Das wiederum würde das Produktionspotenzial belasten. Immerhin könnte aber die positive Entwicklung im Euroraum auch die Stimmung in Österreich verbessern und damit die Nachfrage erhöhen. „Zudem könnte die erzielte Einigung mit dem Iran die Ölpreise niedrig halten oder sogar noch weiter drücken.“

Schwierig für Österreich ist derzeit auch die Arbeitslosigkeit. Diese ist mit einer Quote nach nationaler Definition von gut 9 Prozent in diesem Jahr auf einem historischen Höchststand. Im Zeitraum zwischen 2005 und 2009 lag sie noch bei 6,7 Prozent. Nach Eurostat-Definition liegt die Arbeitslosigkeit derzeit bei 5,7 Prozent, nach 5,1 und 5,0 in den Jahren zuvor. Das schwache Wachstum der österreichischen Wirtschaft reicht jedoch nicht aus, um die Arbeitslosigkeit in den kommenden Jahren spürbar zu senken.

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