Schweiz: Zulieferer leiden unter niedrigem Ölpreis

Durch das Atomabkommen mit dem Iran ist mit einem größeren Ölangebot weltweit zu rechnen als bisher. Das könnte den Ölpreis erneut senken. Auch Schweizer Unternehmen leiden darunter. Vor allem Zulieferer für die Ölgesellschaften kämpfen mit Auftragsrückgängen.

Der niedrige Ölpreis sorgt weiterhin für wirtschaftliche Schwierigkeiten. Nicht nur Ölfördergesellschaften leiden unter einem niedrigen Ölpreis, auch die ganze Kette an Zulieferern. Gerade in der Schweiz gibt es einige Unternehmen, die betroffen sind, wie zum Beispiel Industriefirmen wie Burckhardt Compression, ABB und Schmolz-Bickenbach, Sulzer und Transocean. Die Ölgesellschaften, die von diese Unternehmen Produkte beziehen, haben aufgrund des so niedrigen Ölpreises ihre Ausgaben verringert und entsprechen auch die Aufträge.

Für den Tiefseebohrkonzern Transocean und größten Vermieter von Ölbohrschiffen und -plattformen mit Sitz in Steinhausen ist der Auftragseingang deswegen praktisch ins Bedeutungslose abgestürzt, so die Zeitung Finanzen und Wirtschaft. Im Juni hieß es, die erwartete Stillstandszeit der Flotte für 2015 sei auf netto 45 Tage angestiegen. Das spiegelt sich auch im Aktienwert des Unternehmens wider. „Im Schnitt gehen die Experten davon aus, dass die Transocean-Papiere auf Jahressicht um ein Drittel auf knapp 12 Franken je Aktie absacken werden“, so die Handelszeitung. Zudem wird erwartet, dass der Umsatz von Transocean bis Ende 2016 von 9,17 Milliarden Dollar 2014 auf 5,64 Milliarden Dollar Ende 2016 fallen wird.

Beim Automations- und Energietechnikkonzern ABB waren die Aufträge im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahresquartal um vier Prozent gesunken: „Wie erwartet spiegelt die Entwicklung unserer Aufträge das harte Marktumfeld und die schwächere Nachfrage nach Öl und Gas wider.“ Auch in den kommenden Monaten werde es hinsichtlich niedriger Ölpreise keine wirkliche Verbesserung geben. Zehn Prozent des Umsatzes erzielt ABB im Bereich Öl und Gas.

Lag der Ölpreis für Brent von 2011 bis 2014 durchschnittlich zwischen 100 und 120 Dollar pro Fass, stürzten die Preise im vergangenen Jahr regelrecht ab. Mit 45 Dollar pro Fass erreichten sie im Januar sogar ein Jahrestief. Nach einer leichten Erholung (66 Dollar) hat sich der Brent nun wieder auf 57 Dollar verbilligt. Goldman Sachs geht sogar davon aus, dass der Brent auch in den kommenden fünf Jahren mit durchschnittlich 55 Dollar pro Fass gehandelt werden wird, so der Nachrichtendienst Bloomberg. Neben den derzeitigen Krisen tragen die angekündigte Aufhebung der Sanktionen gegenüber dem Iran und die zunehmende verbesserte Effizienz bei der Ölförderung zu dieser Entwicklung bei.

Gleichzeitig kann die Entspannung hinsichtlich des Atomabkommens mit dem Iran auch positive Folgen für die Schweizer Wirtschaft haben. So gibt es beispielsweise im Iran hinsichtlich der Verarbeitungsinfrastruktur bei den Raffinerien nach Jahren der Sanktionen einen erheblichen Nachholbedarf. Einen Nachholbedarf, den die Schweizer Zulieferer nach dem Ende der Sanktionen bedienen könnten. Sowohl Burckhardt als auch Sulzer haben einen Schwerpunkt im Bereich der Raffinerien. Bei beiden Unternehmen spielen zudem Marktbereiche, auf die der niedrige Ölpreis derzeit negativ wirkt, nur eine kleine Rolle in ihrem Portfolio, berichtet die Zeitung Finanzen und Wirtschaft mit Verweis auf Fabian Häcki von der Bank Vontobel.

Die Gas- und Ölindustrie nimmt innerhalb der iranischen Wirtschaft der Schweizer Eidgenossenschaft zufolge eine dominierende Stellung ein, trägt je nach Ölpreis und Exportvolumen zwischen 30 und 80 Prozent zu den Staatseinnahmen bei und macht 80 bis 85 Prozent der Exporterlöse aus. „ Im iranischen Boden befinden sich etwa 9,3 % der weltweiten Ölreserven und 18 % der weltweiten Gasvorkommen.“ Gegenwärtig verfüge das Land jedoch nur über 2,1 Prozent der globalen Raffinierungskapazität.

Derzeit befindet sich die Schweiz auf Platz 17 der Importpartner für den Iran und beim Export nur noch auf Platz 32 (Stand 2013), so die Schweizerische Eidgenossenschaft. Deshalb gelte es nun, das Handelsvolumen Österreichs mit dem Iran wieder deutlich zu steigern und die Euromilliarde zu erreichen. „Wir sehen als kurz- bis mittelfristiges Ziel eine Verfünffachung der Exporte in den Iran“, so Hartleb.

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