Sinkende Gewinne: Bahn-Chef treibt Privatisierung voran

Der Deutsche-Bahn-Chef Grube will milliardenschwere Teile des Staatskonzerns verkaufen. Schwindender Gewinne und steigender Schulden machen demnach eine Umstrukturierung dringend notwendig. Dabei sollen die internationale Logistik und der europäische Personenverkehr privatisiert werden. Für das Minus macht Grube hauptsächlich Streiks und Unwetter verantwortlich.

Angesichts schwindender Gewinne und steigender Schulden will Deutsche-Bahn-Chef Rüdiger Grube den Konzern umbauen und milliardenschwere Teile verkaufen. „Wir müssen dynamischer werden“, sagte Grube am Dienstag bei der Halbjahres-Pressekonferenz in Berlin. Die internationale Logistik und der europäische Personenverkehr, die für über die Hälfte des Konzern-Geschäfts stehen, sollen für Investoren geöffnet und so privatisiert werden. Die Bahn braucht Geld, da der Gewinn auch im ersten Halbjahr schrumpfte: Vor Steuern und Zinsen verdiente die Bahn mit 890 Millionen Euro fast ein Fünftel weniger als im Vorjahreszeitraum. Unterm Strich blieben sogar mit 390 Millionen Euro 40 Prozent weniger, vor allem wegen der hohen Zinszahlungen. Die Schulden kletterten so weiter um über eine Milliarde Euro auf jetzt 17,5 Milliarden.

Die Bahn machte für das Minus vor allem die Streiks der Lokführergewerkschaft GDL und Unwetter verantwortlich. Sie räumte aber auch ein, dass diese nicht allein für den Trend verantwortlich seien, der seit Jahren abwärts zeigt. Das Gewinn-Ziel für das Gesamtjahr wurde auf 2,0 Milliarden von 2,2 Milliarden Euro gekappt. Der Umsatz soll bei rund 41 Milliarden Euro liegen.

„Wir können uns ein ‚Weiter so‘ schlicht nicht leisten“, mahnte Finanzvorstand Richard Lutz. Da die Bahn auch noch jährlich eine Dividende von rund 700 Millionen Euro an den Bund zahlen muss, kann sie ihre Investitionen nicht mehr ohne neue Schulden finanzieren. Hier könnte der Teil-Verkauf helfen, für den bis zum Dezember ein Konzept stehen soll.

Verkehrsminister Alexander Dobrindt signalisierte grundsätzlich Zustimmung. Grubes Pläne gingen in die richtige Richtung. „Der Bund als Eigentümer der DB AG unterstützt alle Maßnahmen, die die Bahn zukunftsfest machen“, sagte der CSU-Politiker. Besonders die von der SPD gestellten Mitglieder im Aufsichtsrat sehen dies aber kritisch. Das Gremium müsste einem Teilverkauf zustimmen. Bahnchef Grube betonte, dass das Deutschland-Geschäft unangetastet bleibe. „Ein Börsengang ist zurzeit nicht geplant.“ Auch bei den Auslandstöchtern werde es keinen Komplett-Verkauf geben. „Wir reden allenfalls von einer Teil-Privatisierung“, sagte Grube. Die Bahn werde die Führung der Töchter aber behalten.

Mit dem Teil-Verkauf der Personenverkehrs-Tochter Arriva oder der internationalen Spedition Schenker – möglicherweise über einen Börsengang – könnte der Konzern Milliarden einnehmen. Vor allem Arriva, das 2010 von der Bahn für rund drei Milliarden Euro gekauft wurde, gilt als attraktiv. Dagegen schafft die Logistik-Tochter bisher nur eine geringe Gewinn-Marge, so dass eine schnelle Privatisierung kaum möglich scheint.

Unter Druck steht bei der Bahn jedoch in erster Linie das Geschäft in Deutschland: Die Fernbusse jagen IC und ICE zunehmend Kunden ab. Der Gewinn der Sparte halbierte sich im ersten Halbjahr, nachdem er schon 2014 deutlich zurückgegangen war. Seit Jahren kommt zudem die Güterbahn nicht in Schwung, die sogar in die roten Zahlen fuhr. Ihr Chef Alexander Hedderich wird nun ebenso abgelöst wie Personenverkehrs-Vorstand Ulrich Homburg. Neuer starker Mann ist Berthold Huber, der bisherige Fernverkehrs-Chef, der nun den gesamten Personenverkehr in Deutschland plus der Güterbahn verantwortet.

Im Zuge des Konzernumbaus hatte Grube bereits den Abschied von Technik-Chefin Heike Hanagarth, Logistik-Vorstand Karl-Friedrich Rausch sowie Rechtsvorstand Gerd Becht bekannt gegeben. Die Sparte von Becht übernimmt zusätzlich Ex-Kanzleramtsminister Ronald Pofalla, der als Chef-Lobbyist in den Vorstand aufsteigt. Insgesamt hat der Vorstand nun noch sechs statt bisher acht Mitglieder. Dies ist Teil eines Effizienzprogramms, mit dem bis 2020 rund 700 Millionen Euro in der Konzernführung gespart werden sollen.

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  1. Schneidermeister Weber sagt:

    ich will es nicht wahrhaben, sollen zwei bahnvorstände 700 millionen euro einsacken…??
    und das soll eine staatseigene bundesbahn sein?? warum können nicht fünf leitende beamte mit a16 diesen laden leiten??
    ich stelle mir bundesbahn-beamte vor, die dieses unternehmen von der pieke auf kennen und dort gelernt haben…
    es wird zeit, dass die gewerkschaften den ganzen laden „lahm“ legen und den vorstand – ohne entschädigung- in die wüste schicken.