Verpackungs-Spezialist Gerresheimer übernimmt US-Konkurrenten

Der Verpackungshersteller Gerresheimer kauft für 655 Millionen Euro den US-Pharmazulieferer Centor. Der Zukauf bedeutet die bisher größte Übernahme des Düsseldorfer Traditionskonzerns. Centor ist Marktführer für Kunststoff-Verpackungen und Verschlüsse.

Dem Verpackungshersteller Gerresheimer ist in den USA die mit Abstand größte Übernahme seiner 150-jährigen Firmengeschichte geglückt. Der Düsseldorfer Traditionskonzern kauft von Finanzinvestor Montagu für 655 Millionen Euro den US-Pharmazulieferer Centor, wie Gerresheimer am Dienstag mitteilte. „Das ist ein wichtiger Tag für Gerresheimer“, sagte Konzern-Chef Uwe Röhrhoff in einer Telefonkonferenz. Centor sei sehr profitabel und als Marktführer für Kunststoff-Verpackungen und Verschlüsse für verschreibungspflichtige Medikamente die ideale Ergänzung. Er erwarte, dass sich der Zukauf auch für die Aktionäre auszahlen werde.

Die Anleger griffen denn auch zu: Der MDax-Wert schnellte um rund 16 Prozent auf 65,33 Euro nach oben und markierte damit ein Rekordhoch. Auch wenn der Kaufpreis nicht niedrig sei, seien die Gewinnaussichten vielversprechend, kommentierte ein Händler. Torben Teichler von Hauck & Aufhäuser nannte die Übernahme einen wichtigen Meilenstein, Berenberg-Analyst Scott Bardo bezeichnete sie als klugen Schachzug – sowohl finanziell als auch strategisch. Mit dem Kauf von Centor könne Gerresheimer den Ausbau seines Geschäfts in den USA vorantreiben.

Nach der Zustimmung der Kartellbehörden will Röhrhoff die Übernahme im vierten Quartal unter Dach und Fach bringen. Der Kaufpreis werde vollständig durch Fremdkapital finanziert – 550 Millionen Euro über eine Brückenfinanzierung und rund 220 über die zugesicherten Kreditlinien.

Der Gerresheimer-Vorstand will seit Jahren in den USA zukaufen. Wie Reuters Anfang Juli von Insidern erfuhr, hatte der Londoner Finanzinvestor Montagu Private Equity seine Tochter Centor ins Schaufenster gestellt. Das Unternehmen mit einem Jahresumsatz von rund 150 Millionen Euro und einem operativen Gewinn (Ebitda) von 72,2 Millionen Euro ein Teil des Geschäfts, das Montagu 2014 von der britischen Rexam für über 700 Millionen Euro erworben hatte. Bereits damals habe er Centor ins Visier genommen, so Röhrhoff. „Centor ist mit Abstand der wertvollste Teil von Rexam Healthcare gewesen.“ Doch erst jetzt habe er zugegriffen. „Centor ist nun selbstständig aufgestellt und daher erwarte ich eine sehr schnelle und problemlose Integration“, betonte Röhrhoff.

Die Transaktion wird sich nach Angaben des Managements bereits im kommenden Jahr positiv auf den Gewinn je Aktie auswirken. 2018 soll die bereinigte operative Gewinnspanne (Ebitda-Marge) rund 22 (bisherige Prognose: 20) Prozent betragen. In den Jahren 2016 bis 2018 soll das durchschnittliche organische Umsatzwachstum bei vier bis fünf (bisher: vier bis sechs) Prozent liegen.

Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar zum Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.